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Reisen

Eine Familie bereist Australien: Happy Sunshine

22. Dezember 2019 00:04 Uhr

Happy Sunshine
Sunshine in Queensland

Queensland, auch "Sunshine State" genannt, hat uns viele sonnige Momente beschert. Wir haben viele alte Freunde wiedergetroffen, außerdem das größte Riffsystem und den ältesten Regenwald der Welt erkundet.

Nach den staubigen Wochen in Australiens Mitte ist Mount Isa die erste große Stadt im Nordwesten von Queensland, die wir zu Gesicht bekommen. Nichts als rauchende Schornsteine, lieblose Apartments und ein paar Shops, aber immerhin auch die Zuversicht: Es kann nur besser werden, wohlwissend, dass Queensland mit der berühmten Ostküste der Lieblingsbundesstaat der Touristen aus Europa ist. Mount Isa präsentiert sich am Wochenende hingegen wie leer gefegt. Typisch Bergbaustadt. Auch uns hält es hier nicht länger als eine Nacht und einen Morgen.

Der Savanna Way wartet. Der Name sagt alles. Es sieht aus, als würde gleich ein Löwe aus dem Gestrüpp springen, dabei sind die eigentliche Bedrohung die Roadtrains. Die Straße ist oftmals nur einspurig asphaltiert und wenn uns so ein Monstrum von Lastwagen mit fünf Anhängern entgegenkommt, fahren wir mit unserem mickrigen Zwölf-Meter-Vehikel schön artig an den staubigen Straßenrand, um ja keine Missverständnisse zu wecken.

Happy Sunshine
Weitblick in den Sonnenuntergang von Papas Schultern

Auf der Jagd nach Barramundi

Nun steht uns der Sinn nach ein paar autofreien Tagen. Wir finden eine kleine Lagune – Leichhardt Lagoon – mit einem hübschen Campingplatz für ein paar Dollar die Nacht. "Kann man hier fischen?", ist Laurins erste Frage. Da leuchten die Augen unserer Gastgeberin. Sie kennt jeden Fisch und jedes Krokodil und auch sonst alles, was sich hier in den Gewässern tummelt. Sie weiß, welcher Köder am besten ist, hat selber ein Boot und unterstützt uns in allen Belangen. Wir machen uns zu fünft auf die Jagd nach dem prominenten Barramundi – dem Fisch schlechthin unter den australischen Fischen. Ein wechselhaftes Wesen, mal lebt es in Süß-, dann wieder in Salzwasser, geboren als Männchen, wird es später zum Weibchen.

Zu jeder Tages- und Nachtzeit fahren oder gehen wir die zehn Minuten zum Fluss. Alles Mögliche wirft sich uns an die Angel, aber kein Barra. Uli findet ein Krabbennetz, das wir gleich verwenden, um Frischwassergarnelen zu fangen, die der beste Köder für unser Objekt der Begierde sein sollen. Erfolglos. Nach vier Tagen ohne Anglerglück, aber mit viel Fischerspaß fahren wir weiter in die nächste Goldgräberstadt. Wie all diese Städte hat auch Georgetown ihre Blütezeit bereits überschritten. Ein kleiner Shop, eine Tankstelle, das war’s. Hier hält uns nichts.

Happy Sunshine
Ein Christkindlmarkt in Australien sieht ganz anders aus.

Freudige Überraschungen

Einen halben Tag weiter östlich treffen wir unverhofft an einer Tankstelle wieder auf bekannte Gesichter. John und Tracey mit ihren sechs Kindern haben wir bereits im Karijini Nationalpark auf der anderen Seite Australiens kennen gelernt. Gemeinsam fahren wir zu lokalen Thermalquellen, die ihrem Namen alle Ehre machen. An manchen Stellen ist der kleine Fluss so heiß, dass die Kinder sogar versuchen, Eier zu kochen. Das Experiment würde Stunden dauern, aber wir wollen vor Sonnenuntergang unseren Stellplatz gefunden haben.

Binnen weniger Kilometer verwandelt sich die staubige steppenartige Landschaft in saftige Hügel und Täler. Uns bleibt der Mund offen stehen. An dem kostenlosen Stellplatz laufen wir immer wieder barfuß aus dem Wohnwagen. Grünes Gras! Nach so vielen Monaten roter Erde und Staub wirkt das fast surreal. Frühmorgens kommt eine junge Frau und fragt, ob wir frisches Brot kaufen wollten. Klar! Und was gibt es noch? "Das hier ist ein Kuchen ‚Hermann‘, den kennt man nur in Deutschland." Von wegen. "Wir Österreicher kennen den auch!" Außerdem kaufen wir bei der jungen Familie jede Menge Köstlichkeiten für ein europäisches Frühstück: Butterzopf, Erdbeermarmelade, Butter. Fast wie Zuhause. Nach Monaten mit Haltbarbrot, Reiswaffeln und Haferbrei ein Gaumenschmaus.

Der Weg zu den Millaa Millaa Falls ist kurzweilig und abwechslungsreich. Die Wasserfälle sind nicht nur kitschig schön, sondern auch herrlich erfrischend. Auf den Atherton Tablelands nächtigen wir auf einer kleinen Farm, wandern nachts durch den Regenwald, sehen unser erstes und einziges Platypus – ein kleines hübsches Schnabeltier – und füttern Opossums mit der Hand. Auch dem Barramundi geben wir noch eine Chance. Ohne Erfolg. Wir erfahren von einem Multi-Kultur-Festival im nahen Mareeba. Buntes Treiben dieser Art lockt uns immer an und so erfreuen wir uns an den temperamentvollen Hüftschwüngen der Fidschi- und Cook-Insulaner, an chinesischen Drachen- und rumänischen Trachtentänzen, sowie australischem Hiphop. Auch kulinarisch geht es äußerst multikulti zu. Grüner Papayasalat, Bratwürstel, Baklava und vietnamesische Gemüsepfanne machen uns mehr als satt.

Die Nacht verbringen wir in einer Pferdekoppel nahe am Fluss. Eine Familie hat uns den Stellplatz unerwarteterweise zur Verfügung gestellt – für fünf Dollar die Nacht. Kaum öffnen wir die Wohnwagentür, begehrt auch schon ein Pony nach einem Leckerli. Jolanda und Birgit sind wieder einmal im Pferdehimmel!

Wir bleiben etwas länger, baden im Fluss und genießen die Ruhe. Unser nächster Halt, das mondäne Port Douglas, ist das Traumziel vieler Australienreisender. In der Kleinstadt trifft das größte Riffsystem der Erde, das Great Barrier Reef, auf den ältesten Regenwald der Welt, den Daintree Rainforest.

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Trotz Korallenbleiche ist die Unterwasserwelt des Great Barrier Reef noch immer sehr bunt.

Wiedersehen macht Freude. Diese ist nach 15 Jahren besonders groß. So lange hat es gedauert, bis wir unsere australische Freundin Danielle wieder in die Arme schließen konnten. Groß ist auch die Umstellung nach dem Leben im Busch. Alles hier ist angelegt, rechteckig und sehr akkurat. Die Architektin bewohnt ein schönes Haus und gemeinsam mit ihrem Hund Monty erforschen wir die Umgebung. Die Kinder finden, dass das Haus zu viele weiße Wände hat. Für uns Grund genug, wieder einmal das Zelt zu nehmen und uns für zwei Tage auf den Bloomfield Track nach Cooktown zu begeben. Die atemberaubende Allradstrecke führt durch den Regenwald und entlang von Stränden.

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Cooktown: Diese Aussicht hatte bereits James Cook.

Ein Traum wird wahr

Danielles Freundin Jenny, eine Kitzbühlerin, kommt zu Besuch. Sie arbeitet bei einem australischen Touranbieter und vermittelt uns fast fürs halbe Geld einen Platz auf einem Schnorchelboot, sodass wir unseren Kindern hautnah die bunte Unterwasserwelt des Great Barrier Reefs zeigen können. Danielles Untermieter, ein deutscher Tauchlehrer, macht einen weiteren Traum wahr. Er bringt Uli, ebenfalls zum Spartarif, auf ein Tauchboot. Tauchen im wohl berühmtesten Riff. Mehrere Schwarzspitzen-Riffhaie, große Rochen und große Tintenfische, wunderschöne Mondforellen, unzählige Anemonenfische (Nemos) und als Höhepunkt eine sehr seltene "loggerhead"-Schildkröte ziehen an Ulis Tauchbrille vorbei. Die Korallen sind stellenweise weiß gebleicht, winzige Algen haben die Symbiose verlassen und zurück bleibt quasi ein Korallenskelett. An manchen Stellen des Riffs ist jedoch eine Erholung zu beobachten, was die Meeresbiologen zu leichter Zuversicht veranlasst.

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Mittagspause unter Palmen am Etty Beach

Geburtstag unterm Mangobaum

Nach zwei Wochen geht die Reise weiter ins nahe Cairns, wir campen bei Danielles Freunden Barbara und Paul im Garten. Vier Tage, die unseren Horizont wieder einmal erweitern. Knapp drei Jahre lang haben die beiden selbst ein Segelboot gebaut und sind damit 18 Jahre lang um die Welt gesegelt. Die Abende am Lagerfeuer sind lang und voll mit Geschichten, die die Welt als einen Ort beschreibt, in dem man sich gegenseitig unterstützt und mit offenen Armen empfangen wird, egal welche Sprache man spricht oder welcher Kultur man angehört.

In Townsville feiern wir Birgits Geburtstag. Nach dem morgendlichen Parkrun wird unter einem Mangobaum die Geburtstagstafel angerichtet. Die Kinder haben gedichtet, gebastelt und mit Uli den Versuch, einen Kuchen zu backen, unternommen. Am Nachmittag gesellen sich Danielle und ihr Mann zu der Feier – sind ja nur 400 Kilometer ... für Australien ist das um die Ecke.

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Eine erfrischende Rutschpartie nahe Crystal Creek

Die Stadt lassen wir gern wieder hinter uns und fahren direkt ans Meer nach Crystal Creek. Wir stehen vier Tage im Sand erste Reihe fußfrei und lauschen Wind und Meer. Tagsüber fahren wir mit dem Auto zu nahe gelegenen Granitfelsen, wo sich über Jahrtausende natürliche Wasserrutschen geformt haben. So viel Badespaß hatten wir als gesamte Familie schon lange nicht mehr. Unser Weg führt uns weiter nach Airlie Beach und den Whitsunday Islands. Traumhafte weiße Strände, doch für uns nicht zu erreichen. Ein Bootstrip ist uns zu teuer, aber das berühmte Städtchen ist hübsch gelegen und so flanieren wir an der Esplanade und inhalieren wieder salzige Meerluft.

Pünktlich zu den australischen Ferien treffen wir in Mackay bei einer befreundeten Familie aus Deutschland ein, die wir von unseren Thailandreisen der vergangenen Jahre kennen. Katrin und Stefan und ihre drei Kinder sind bereits das dritte Jahr auf Weltreise und machen für ein Jahr Reisestopp in einem Haus in Mackay, wo ihre Kinder auch zur Schule gehen. Auch hier ist die Wiedersehensfreude groß. Im Garten leben Enten, Meerschweinchen und zwei Hunde. Außerdem wohnt mit Kim und Jonas noch ein deutsches Backpacker-Pärchen hier. Gemeinsam entdecken wir das Hinterland, fahren mit den Kajaks Flüsse entlang und leben einen bunten Alltag zu zwölft.

Nach zwei Wochen verabschieden wir uns schweren Herzens – überrascht, wie sattgrün große Teile Queensland sind. Zumindest entlang der Küsten, die außerdem dicht bebaut, sehr akkurat, teuer und touristisch sind und wo die Natur sehr zurückgedrängt wurde. Auch von den in der Kolonialzeit vertriebenen Aborigines ist weit und breit keine Spur, ganz anders als im Northern Territory. Das Hinterland ist wunderschön, hügelig, kaum besiedelt und noch viel ursprünglicher. Helle Eukalyptuswälder und schöne Wasserfälle zieren die Landschaft und schaffen so viel Erholungswert für die "Städter" der Küste.

Höhepunkte

Tableland – Daintree Rainforest: Der älteste Regenwald der Welt beherbergt eine enorme Artenvielfalt. Unter anderem trifft man hier noch den einen oder anderen der fast ausgestorbenen Kasuare an, eine Art Laufvogel mit „Helm“. Die Regierung Queenslands versucht seit 1994 mit dem „Buy Back“-Plan, Privatgrundstücke zurück zu kaufen, um nach und nach alles wieder in einen Nationalpark umzuwandeln. Anfang der 1980er-Jahre wurde der Bloomfield Track durch ökologisch sensibles Gebiet geschlagen, um eine durchgehende Küstenverbindung nach Cooktown zu schaffen. Um 1880 war es eine der größten Städte Queenslands und jetzt zählt es nur noch 2600 Einwohner.

1770 hat James Cook dort mit seiner stark beschädigten „Endeavour“ angelegt und fast sieben Wochen verbracht, bis das Schiff wieder seetüchtig war. Die Interaktion mit den Ureinwohnern zählt zu den bestdokumentierten Begegnungen zwischen Europäern und Aborigines und sind im ansässigen Museum bestens aufbereitet.

Great Barrier Reef: Das Great Barrier Reef vor der Ostküste steht auf der UNESCO-Weltnaturerbe-Liste und zählt darüber hinaus zu den sieben Weltnaturwundern. Mit insgesamt 344.000 Quadratkilometern bildet es das ausgedehnteste Riff der Erde. Mit merh als 2300 Kilometern Länge kann man diese alleinig von Organismen errichtete natürliche Struktur sogar vom Weltall aus sehen. Sie umfasst 900 Inseln und 2900 Riffe. Die globale Erwärmung setzt ihm sehr zu, was sich besonders an den Korallenbleichen zeigt. Durch die intensive Landwirtschaft im tropischen Norden (Zuckerrohr), der zunehmenden Erosion entlang der Flüsse sowie der teilweise starken Überfischung ist das Riff in seiner Einzigartigkeit stark gefährdet.

Wissenswertes

Weihnachten in Australien – easy going: Es ist Sommer und hat bis zu 40 Grad. Kein Schnee, kein Glühwein, kein Schlitten – Advent, wie wir ihn kennen, gibt es in Australien nicht. Die Häuser und Gärten, und ganz besonders die Geschäfte, werden allerdings ab Mitte November sehr engagiert dekoriert. Lichterketten schmücken Häuser und durch die Fenster sieht man „Tannen“-Christbäume leuchten – natürlich aus Plastik. Heiligabend wird bei einem schönen Essen im Kreise der Familie verbracht, die eigentliche Bescherung selbst ist dann erst morgens am 25. Dezember. Früh laufen die Kinder zum Baum, um zu sehen, ob der Weihnachtsmann – „Santa Claus“ – durch den Schornstein gekommen ist und Geschenke unter den Baum gelegt hat. Um die Mittagszeit treffen sich Familie und Freunde an den Stränden, um zu grillen und ein „Easy going“-Christmas zu feiern. Der 26. Dezember steht ganz im Zeichen des Shoppings. „Boxing Day“ heißt der Tag, an dem der große Abverkauf beginnt und die Menschen sich durch die Einkaufszentren wälzen. Anschließend geht’s für viele in den Urlaub, es sind ja Sommerferien.

Wissenswertes
Der zweitgrößte Bundesstaat Australiens ist fünfmal so groß wie Deutschland.

Queensland: Dieser Bundesstaat, der zweitgrößte in Australien, wird hierzulande auch „Sunshine State“ genannt. Rund 20 Prozent der Bevölkerung lebt hier, ein Großteil um und in der Hauptstadt Brisbane (2,3 Millionen Einwohner). Das satte Grün der „Wet tropics“ im Norden, das Türkis am „Great Barrier Reef“ und die Rot- und Ockertöne im Outback bieten besonders abwechslungsreiche Farbenspiele.

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