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Reisen

Ein Toilettenmuseum macht Furore

Von Carsten Raabe   06. August 2013 00:04 Uhr

Ein Toilettenmuseum macht Furore
Eine von 30 pberdimensionalen Figuren im Garten des Toilettenmuseums

In Südkorea setzte sich ein Museumsgründer mit dem Spitznamen „Mr. Toilet“ ein Denkmal aus Glas, Stahl und Beton.

Normalerweise sind Toiletten aus Porzellan oder Keramik. Nicht so in der südkoreanischen Millionenmetropole Suwon, 50 Kilometer von Seoul entfernt. Dort findet sich ein gigantischer Klotz aus Glas, Stahl und Beton, dessen Form erst aus der Luft richtig als Kloschüssel zu erkennen ist. Jährlich strömen Zehntausende zum Hae-woo-jae, wie das Gebäude offiziell heißt. Der Name bedeutet so viel wie „sorgenfreie Zuflucht“ und beheimatet das erste Toilettenmuseum Asiens, obschon es ursprünglich als Wohnhaus konzipiert war. Rund 1,1 Millionen Euro ließ sich Sim Jae Duck den Bau kosten, mit dem er sich und seinem Engagement für bessere Hygiene und saubere Toiletten schon zu Lebzeiten ein Denkmal setzte.

Der 2009 verstorbene Gründer des Toilettenmuseums erblickte einst in der Außentoilette des großelterlichen Hauses das Licht der Welt. Dies war der Tatsache geschuldet, dass in Korea Menschen lange glaubten, auf der Toilette Geborene würden sich eines langen, glücklichen Lebens erfreuen. Und die Begleitumstände seiner Geburt sollten ihn nie richtig los lassen.

So trug er Zeit seines Lebens den Spitznamen „Gettongi“, was so viel wie „Hundekot“ bedeutet. Als er zum Bürgermeister von Suwon ernannt wurde, änderte er seinen Spitznamen in „Mr. Toilet“. Was nur bedingt besser klingt, aber passte, da Sim Jae Duck sich in der Toilettenwelt engagierte. In den 1980er Jahren stand Sim Jae Duck an der Spitze einer landesweiten Bewegung die sich dafür einsetzte, den bis dahin überaus miserablen Standard der öffentlichen Toiletten in Südkorea zu verbessern.

Weltweite Sanitärbewegung

Er war Initiator und Mitbegründer der südkoreanischen sowie der World Toilet Association, der Welt-Toiletten-Vereinigung, zu deren erstem Präsidenten er ernannt wurde. Sim Jae Duck wurde nicht müde, auf die Gefahren mangelnder Hygiene und durch schlechte sanitäre Anlagen hinzuweisen. Immer betonte er, dass saubere Toiletten Millionen von Menschen vor Krankheit und Tod schützen könnten. Jährlich würden weltweit zwei Millionen Menschen sterben, weil sie keine oder nur unzureichende sanitäre Anlagen zur Verfügung hätten und sich über die mangelhafte Kanalisation todbringende Keime ausbreiten würden. Und er propagierte die Entwicklung wassersparender Toiletten, da weltweit die Hälfte des menschlichen Wasserverbrauchs in WC-Anlagen zum Spülen verschleudert würde.

Aber für Sim Jae Duck war die Toilette auch ein Ort des Nachdenkens und der Besinnung, ebenso wie es das 2010 eröffnete Museum mit den knapp 2000 Quadratmeter großen Außenanlagen auf dem Grundstück des ehemaligen Wohnhauses heute sein soll. Zu sehen sind nicht nur verschiedene Formen und Fabrikate von Toiletten aus allen Teilen der Welt, sondern auch die unterschiedlichen Zeichen, mit denen diese Rückzugsorte öffentlich gekennzeichnet werden. Kunstwerke fehlen ebenso wenig wie europäische Bettpfannen. Besucher können sogar die einstige Toilette des Gründers testen. Diese ist komplett mit einem durchsichtigen Spezialglas versehen, dass sich verdunkelt, sobald jemand, den Raum betritt. Zudem geht Musik an, damit keine Geräusche nach außen dringen.

Sim Jae Ducks Einsatz als eine Art Don Quijote der Toilettenwelt wird im ungewöhnlichen Museum Hae-woo-jae weiterleben. Denn der Multimillionär hatte seiner Familie vor seinem Ableben das Versprechen abgerungen, dass sein einstiges Wohnhaus für alle Zeit als Symbol für eine Toilettenkultur erhalten bleiben soll.

Toilettenmuseum, Gyeonggi-do Suwon-si, Jangan-gu, Imok-Dong, 186-3, Südkorea, www.haewoojae.com.

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