Lade Inhalte...

Reisen

Die Kreuzfahrt auf Schienen

Von Roman Kloibhofer  22. Mai 2022 11:00 Uhr

Die Kreuzfahrt auf Schienen
Die Rhätische Bahn ist Weltkulturerbe, die Fahrt mit dem Bernina-Express bis an die Gletscher ein Erlebnis

Mit der Schweizer Bahn vier Tage lang unterwegs durch Graubünden – vom Zauberberg bis hin zu einem ganz besonderen Tal.

Dieser Fahrplan ist verbindlich. Wenn auf der Anzeige am Bahnhof vermerkt ist: "Abfahrt Davos Platz, Gleis 1, 13:02 Uhr", dann lässt sich die Uhr danach richten. Der Zug fährt pünktlich ab, maximal mit Sekunden-Verspätung. Schweizer Präzision eben. Die Schweizer Bahn besticht aber nicht nur durch Pünktlichkeit, sondern auch durch exzellenten Service und wunderschöne Bahnstrecken. Genau deshalb wurde eine dieser Bahnlinien – die Rhätische Bahn in der Landschaft Albula und Bernina im Kanton Graubünden – als eine von weltweit drei Bahnstrecken 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Die Fahrt mit dem Bernina-Express über die Alpen zählt zu den beeindruckendsten Bahnfahrten in Europa.

Wer die Schweiz – im Speziellen den Kanton Graubünden – kennenlernen will, dem sei das Angebot der Rhätischen Bahn "Alpine Cruise – die Kreuzfahrt auf Schienen" empfohlen. Vier, fünf oder acht Tage lang bringt die Bahn ihre Fahrgäste von den Städten Chur, St. Moritz oder Davos aus in malerische Landschaften. Oder in abgelegene Täler, wie etwa in das Valposchiavo. Machen wir einen Abstecher dorthin, in jenes Tal, in dem Italien schon grüßen lässt.

Die Kreuzfahrt auf Schienen
Auf Häppchen-Tour in Chur

Das entlegenste Tal der Schweiz

Dass der Bernina-Express der Rhätischen Bahn nach Poschiavo – nach Puschlav, wie die etwas mehr als 3400 Einwohner zählende Gemeinde auf Rätoromanisch heißt – führt, macht die Reise dorthin doppelt attraktiv. Die Fahrt mit dem Bernina-Express auf der Rhätischen Bahn empfiehlt sich ab Chur; die Fahrt über den Berninapass bis auf eine Höhe von 2253 Metern führt bis an die Gletscherränder. Wer die gesamte Strecke von Chur bis nach Tirano befährt, der überquert über 196 Brücken – teils beeindruckende Viadukte – und fährt durch 55 Tunnel. Der Halt in Poschiavo bringt einen zum Staunen: "Schon Italien oder noch Schweiz?", hört man sich sagen.

Die Kreuzfahrt auf Schienen
Poschiavo, der Hauptort in einem der entlegensten Täler der Schweiz

"Es gibt viele abgelegene Orte, aber wir sind einer der abgelegensten Orte der Schweiz", sagt Kaspar Howald, der Tourismusdirektor. Aber in dieser Aussage steckt kein Jammern, vielmehr ist es der Stolz, dass sich Poschiavo seine individuellen Stärken erarbeitet hat und sie jetzt lebt: reichhaltiges kulturelles Treiben und "nachhaltiger Tourismus", wie Kaspar Howald anmerkt. So werden Gastronomie und Hotellerie mit Bio-Produkten beliefert, die ausschließlich aus der Region stammen. Wandern, Biken, Essen, die Gastronomie, die Ruhe – und die Rhätische Bahn, das sind die Zutaten, aus denen Poschiavo seinen Tourismus gestaltet. "Wir sind eine in sich abgeschlossene Welt, die es nur noch an ganz wenigen Orten in der Schweiz gibt." Ob dieser Plan aufgeht? Kaspar Howald lächelt achselzuckend: "Wir werden es sehen …"

Hier sind die Zauberberge

Weil von Chur bereits die Rede war: Ein, zwei Nächte in der Hauptstadt Graubündens lohnen sich. Wer die kulinarischen Seiten der Stadt kennenlernen möchte, dem sei die "Alpenstadt Häppchen-Tour" empfohlen, bei der während eines Stadtrundgangs an mehreren Stationen typische Häppchen – von Pralinen über Salsiz (Wurst) und Käse bis hin zum Birnenbrot und dem "Röteli" (Kirsch-Zimtlikör) – verkostet werden. Dabei lernen Kulinarikinteressierte auch Graubündner Sushi und den "Churer Schiller", einen regionalen, hellen, herben Rotwein, kennen.

Schauplatzwechsel: Die Fahrt mit der Schweizer Bahn führt von St. Moritz aus durch den Albula-Tunnel nach Preda, einer kleinen Ortschaft auf rund 1800 Metern Seehöhe. Dichter Nebel, Nieselregen und Temperaturen um drei Grad verleihen den Graubündener Bergen an diesem Maitag einen besonderen Zauber. Ein Zauber, der später auf die Schatzalp in Davos, dem Schauplatz von Thomas Manns Roman "Der Zauberberg", auf andere Weise wiederkehren wird.

Doch zuvor bietet sich dem Zugreisenden ein Stopp in Preda an, von wo aus der Albula Bahnwanderweg auf einer Strecke von rund sieben Kilometern hinunter ins Dorf Bergün (1360 Meter hoch gelegen) führt. In gut zweieinhalb Stunden ist der anspruchsvolle Wanderweg zu begehen, der an den beeindruckenden Viadukten der Rhätischen Bahn vorbeiführt. Schautafeln erklären die Bahnstrecke und geben einen historischen Abriss der Strecke und des 1903 eröffneten Albula-Tunnels.

Das späte 19. Jahrhundert wird den Reisenden beim Besuch der Schatzalp wieder einholen. Das dortige gleichnamige Berghotel ist literarischer Schauplatz in Thomas Manns Roman "Der Zauberberg", und dieser Zauber schwingt im Hotel – auf einer künstlich angelegten Bergterrasse oberhalb von Davos gelegen – noch immer nach.

Die Kreuzfahrt auf Schienen
Das Berghotel Schatzalp in Davos

1900 eröffnet und bis 1954 als Sanatorium für Lungenkranke geführt, hat das Hotel seitdem seinen Charme und Charakter aus den Fünfzigerjahren behalten. Bewusst wurde der Retro-Stil erhalten, und Direktor Paulo Bernardo zeigt stolz die Welt von damals, in die nur langsam und sehr behutsam die Moderne einzieht. Der Besuch der Schatzalp, einer Enklave im ansonsten mondänen Davos, darf beim Schweiz-Reisenden nicht fehlen. Hilfreich ist in jedem Fall die vorherige Lektüre von Thomas Manns Roman – er eröffnet einen anderen Blick auf Raum und Zeit.

  • Infos und Beratung: Schweiz Tourismus, mySwitzerland.com Tel.: 00800 100 20030 (kostenlos)

Das bietet die Schienenkreuzfahrt „Alpine Cruise“

Panoramafahrten mit der Rhätischen Bahn wahlweise über vier, fünf oder acht Tage mit Übernachtungen in Drei- oder Vier-Sterne-Hotels in Chur, Davos und St. Moritz. Von dort aus werden die Touren per Bahn geführt.
Bequemes Zusatzangebot: Das Gepäck wird eigenständig von Hotel zu Hotel transportiert.

  • Buchung und Details bei Schweiz Tourismus; Transportpartner sind Rhätische Bahn, Swiss International Airlines, Swiss Travel System

Artikel von

Roman Kloibhofer

Redaktion Innviertel

Roman Kloibhofer

0  Kommentare 0  Kommentare