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Reisen

Die Insel der üppigen Fülle

Von Gary Sperrer  10. Juli 2022 14:00 Uhr

Die Insel der üppigen Fülle
Ein Fressen für Hobbyfotografen: Bei einer Bootsfahrt vor der Südküste Madeiras kann man Delfine beobachten – hin und wieder sieht man auch größere Wale.

Madeira im Ostatlantik ist bekannt für seinen wunderbaren, das ganze Jahr über gedeihenden Pflanzensegen. Außerdem hat dieses portugiesische Eiland einen bedeutenden Bezug zu Österreich – vor allem zur vorletzten Kaiserin und zum letzten Kaiser.

Einst war es ein Abenteuer, Madeira anzufliegen. Der Flugplatz auf der Atlantikinsel war speziell ausgebildeten Piloten vorbehalten, denn zu steif die Brisen, die vom Meer hereinwehten, zu eng die Kurve, die genommen werden musste, um die Landepiste friktionsfrei zu treffen, vor allem aber zu kurz ebendieser Runway. Doch seit der Verlängerung der Bahn im Jahr 2000 von den ursprünglichen 1600 auf 2777 Meter können alle Flugzeugtypen gefahrlos landen. Heute heißt der Flughafen offiziell Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo. Und hier beginnt auch unsere wunderschöne Reise.

Das Erste, das einem auffällt, wenn man das Flughafengebäude verlässt, ist eine Bronzebüste des wohl berühmtesten Sohnes der Insel. An Cristiano Ronaldo kommt man hier nicht vorbei. In Funchal, vor dem Museum, das Cristianos Bruder initiiert hat und in dem unzählige Erinnerungsstücke ausgestellt werden – die meisten davon Originale plus etliche Pokalkopien –, steht eine überlebensgroße Statue des Fußballhelden, mit der sich naturgemäß viele Besucher fotografieren lassen. Nicht weit davon befindet sich auch das Elternhaus von Cristiano Ronaldo. Es wird erzählt, dass seine Mutter täglich zu einem nahe gelegenen Café spaziert und dort einem netten Tratscherl nicht abgeneigt ist.

Auf der 741 Quadratkilometer großen, politisch zu Portugal gehörenden, aber teilautonomen Insel Madeira leben aktuell rund 254.000 Einwohner, die meisten davon – knapp 112.000 – in der Hauptstadt Funchal. Hier spielt sich auch das pulsierende Leben ab, ohne im negativen Sinn überbordend zu werden. Einen gewissen ländlichen, in manchen Gegenden sogar ruhigen Stil hat sich diese hochinteressante Stadt bewahrt.

Funchals viele Glanzlichter

Hier einige besonders erwähnenswerte und besichtigungswürdige Glanzlichter Funchals: Da ist einmal der Hafen, von dem aus man mit Booten Erkundungsfahrten hinaus aufs Meer machen kann – mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, tatsächlich Delfine und zu bestimmten Jahreszeiten sogar Wale zu sehen. Dann der Markt, der Mercado dos Lavradores: ein Paradies für Obst-, Gemüse-, Blumen- und natürlich Fischliebhaber. Nicht zu vergessen die Rua de Santa Maria, die älteste Straße – aufgrund ihrer Enge vielmehr Gasse – der Stadt, der von Künstlern neues Leben eingehaucht wurde, indem die Hauseingänge mit fantasievollen Malereien versehen wurden. Und die Weinkeller: Hier wird der weltberühmte Madeira eingelagert, ausgeschenkt und verkauft, darunter Jahrgänge bis weit ins 19. Jahrhundert zurück, die heute ihren Preis haben.

Landschaftlich ragt der Monte, der Berg oberhalb von Funchal, heraus, und das im Sinne des Wortes. Mit der Seilbahn ist man rasch oben auf 568 Metern Seehöhe. Von der Bergstation sind es nur ein paar Gehminuten bis zum riesigen Botanischen Garten, in dem Pflanzen jedweder Art aus der ganzen Welt zu finden sind. Was auffällt, ist der auf Madeira generell und nahezu überall zu findende üppige Bewuchs, eine unvergleichliche Fülle. Es scheint, als ob das ganze Jahr über Spätfrühling wäre. Kein Wunder, dass viele von der "Blumeninsel" sprechen, und das völlig zu Recht, auch wenn der eigentliche Exportschlager anderer pflanzlicher Natur ist: Bananen. Der Garten ist im Übrigen eine Sensation und sollte tunlichst nicht ausgelassen werden.

Ebenfalls am Monte zu finden ist die katholische Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte, in der (mit Ausnahme des Herzens) die sterblichen Überreste des 1922 in Funchal verstorbenen und 2004 seliggesprochenen letzten österreichischen Kaisers Karl bestattet sind. Überhaupt scheint Madeira eine gewisse Anziehungskraft auf das österreichische Kaiserhaus gehabt zu haben, denn auch Kaiserin Elisabeth fand sich hier zur Kur ein, nachdem bei ihr eine Lungenkrankheit diagnostiziert worden war.

Schlitten fahren im Korb

Vom Monte gibt es mehrere Möglichkeiten, zurück in die Stadt zu kommen: zu Fuß, mit dem Auto (eng und kurvenreich, nicht empfehlenswert), mit der Seilbahn oder mit dem Carro de Cesto, dem mit Kufen ausgestatteten Korbschlitten – es ist ein Riesenspaß, die Straße Caminho do Monte bis an den oberen Stadtrand von Funchal hinunterzurutschen. Die Kontrolle über das Gefährt haben jeweils zwei in traditioneller weißer Tracht gekleidete Schlittenlenker, die Carreiros do Monte.

Die Insel der üppigen Fülle
Zu einem Besuch am Monte nahe der Hauptstadt Funchal gehört eine Fahrt mit dem traditionellen Korbschlitten.

Aktuell sind 150 Fahrer aktiv, und wie uns madeiraallyear.com verrät, gibt es da Besonderheiten: Jedem Carreiro ist eine feste Nummer zugeordnet, die die Abfahrtsreihenfolge festlegt. Falls am Vortag die letzte Reise mit der Nummer 37 erfolgte, beginnt am nächsten Tag die Nummer 38.

Die Fahrkunst der Schlitten wird von den heutigen Fahrern an die Auszubildenden weitergegeben. Wenn sich der Carreiro einer bestimmten Nummer für den baldigen Ruhestand entscheidet, bringt er dem künftigen Fahrer, der auch seine Nummer übernehmen wird, alle notwendigen Kenntnisse zum Fahren des Schlittens bei. Seine Gleitfähigkeit auf dem Asphalt erlangt das Vehikel übrigens durch einen speziellen Talg, mit dem die Kufen eingeschmiert werden.

Und noch ein amüsantes Faktum: Monte, Kirche und Korbschlitten kommen in Walt Disneys Lustigem Taschenbuch Nr. 52, "Micky immer auf Achse" (1978), in der Auftaktgeschichte "Die Kasel" vor. Eifrige Comic-Leser erinnern sich gewiss an die Verfolgungsjagd mit Kater Karlo.

Ab in den Norden

Mit einem Land Rover Defender (für Experten: 110er) der Firma Green Devil geht es nun von der bevölkerten Region Funchal durch Tunnel in die nördlichen Gefilde: weniger stark besiedelt, wegen der auf Madeira herrschenden mikroklimatischen Verhältnisse etwas rauer, was Wind, Wetter und Temperaturen betrifft. Doch hier, quasi auf dem Lande, erlebt man die Natur erst so richtig. Flüsse, Bäche, Berge, Wiesen, Wanderwege, kleine Dörfer – es ist eine Art Oberpinzgau ohne Pinzgauer Kühe, und ein bisschen tropischer wirkt das Ganze auch optisch. Die Landschaft ist wunderschön, die Leute – das haben wir noch gar nicht erwähnt – sind unglaublich freundlich und entgegenkommend, die allermeisten sprechen großartiges Englisch.

Die Insel der üppigen Fülle
Ein einsamer Strand auf der Nordseite Madeiras, genauer gesagt am Caminho da Entrosa

Geheimtipps zu verraten, ist eigentlich Unsinn, denn so verlieren Geheimnisse ihren Charakter. Doch in diesem Falle möge es verziehen werden. Es gibt da nämlich einen Punkt im Norden, Caminho da Entrosa, erreichbar über die Caminho do Cardo, an deren Ende ein Parkplatz liegt. Weiter geht’s zu Fuß über einen gemütlichen Wanderweg, und innerhalb weniger Minuten befindet man sich an einem Jausenplatz mit sensationeller Aussicht (siehe Foto rechts), oder – wenn man den Steig links hinunter zum Meer nimmt – an einem einzigartigen, einsamen Fels- und Sandstrand. Naja, das war’s jetzt wohl mit der Einsamkeit …

Spektakuläre Bergstraßen

Hier im Norden befinden sich auch die malerischsten Straßen, einige davon mussten mittlerweile aufgrund der Steinschlaggefahr für den Kfz-Verkehr gesperrt werden. Aber Radfahren ist hier ohnedies schöner, als im Pkw zu sitzen. Früher musste man tatsächlich bis zu fünf Stunden Autofahrt einkalkulieren, um von Funchal in diese grandiose Gegend zu gelangen. Aufgrund erwähnter Tunnel dauert es heutzutage bloß noch eine gute halbe Stunde. Doch wer sich ein Auto mieten möchte, ist gut beraten, die alten Bergstraßen zu nehmen – ein Erlebnis!

Apropos Berge: Madeira sollte, ja muss erwandert werden. Es gibt hier Wege und Steige, die nicht ganz so Schwindelfreien vielleicht nicht angeraten seien, aber allen anderen möge etwa die herrliche Route auf den Pico Ruivo, den mit 1862 Meter höchsten Gipfel der Insel, ans Herz gelegt werden. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Genug Wasser mitnehmen!

Die Insel der üppigen Fülle
Die Berge auf Madeira sind keine Zwerge: Höchster Gipfel ist jener des Pico Ruivo (1862 Meter).

Nachdem nun fünf Prozent aller Sehenswürdigkeiten Madeiras abgehandelt sind, noch vier weitere Tipps:

1. Poncha: ein Getränk, das aus 50-prozentigem, hier produziertem Rohrzuckerrum, Orangen, Zitronen und Honig besteht. Das Zeug schmeckt genial, tut aber seine Wirkung … Aufpassen!

2. Porto Moniz: schwimmen bei einer felsigen Naturbrücke.

3. Cabo Girao: mit 589 Metern eine der höchsten Klippen der Welt. Von einer Glasplatte, die kurioserweise auch viele Betreter hält, kann man in die Tiefe blicken, bis einen der Schwindel (ausgelöst durch zu viel Poncha) überkommt.

Und 4. sollte auch das "Gmunden der Madeirer " nicht unerwähnt bleiben: die kleine und absolut nicht überlaufene Nachbarinsel Porto Santo. Hier machen jene Einheimischen Urlaub, die auf ihrer eigenen Urlaubsinsel von Urlaubern Abstand gewinnen wollen.

Ob Wein, Wandern oder Studienreise: Buchungstipps für Madeira

Ruefa bietet bis 8. September einwöchige Kultur- und Studienreisen nach Madeira an. Inkludiert sind Linienflug Wien–Madeira–Wien via Lissabon, Hotels (****) mit Frühstück und Abendessen sowie ein Besichtigungsprogramm (unter anderem mit dem Botanischen Garten in der Inselhauptstadt Funchal), Besuch einer Weinkellerei samt Weinprobe und eine Fahrt mit den Korbschlitten (Carros de cesto). Preis 1390 Euro pro Person im Doppelzimmer. Info und Buchung: ruefa.at und in allen Ruefa Reisebüros (www.ruefa.at/angebote/details/PFNCMA22/madeira-die-blumeninsel-bequem-und-geruhsam)

Ebenfalls von Ruefa angeboten wird eine Reise mit sieben Übernachtungen im Hotel do Castanheiro (****) in Funchal unter dem Motto „Madeira – Ferien auf der Blumeninsel“ zum Preis von 1725 Euro pro Person im Doppelzimmer. Letzter buchbarer Termin ist 27. Oktober bis 3. November (www.ruefa.at/angebote/details/STUMA0101/madeira-ferien-auf-der-blumeninsel)

Noch ein Tipp für Zwischenstopper und Übernachter in Lissabon: das heuer eröffnete Hotel Mama Shelter, bald buchbar über Ruefa.

Artikel von

Gary Sperrer

Lokalredakteur Salzkammergut

Gary Sperrer

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