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Reisen

Die grüne Welle

Von Dominik Feischl 06. Juli 2019 00:04 Uhr

Die grüne Welle
Als „wilde Schönheit“ bezeichnete schon Schriftsteller Oscar Wilde die Gegend um Connemara.

Irlands "wilder Westen" an der Atlantikküste übt auf Naturliebhaber Faszination aus. Doch auch Kulturinteressierte kommen bald richtig auf ihre Kosten.

Schon die Fahrt vom Flughafen in Dublin zum nächtlichen Zwischenstopp in Athlone macht einem klar: Irland wird nicht umsonst die "Grüne Insel" genannt. Man saust an endlos langen grünen Wiesen, an denen hunderte von Schafen grasen, vorbei. Das ändert sich auch bis ans Ziel dieser Reise nicht. Ganz im Gegenteil. Den Westen des Landes bezeichnete schon Schriftsteller Oscar Wilde als "wilde Schönheit". Eine Region, in der Irland noch authentisch und unberührt wirken darf.

Das Wetter ist überall auf der Welt ein willkommenes Gesprächsthema, aber noch mehr in Irland, wo eine Hitzewelle offenbar schon bei über 20 Grad beginnt und Regen ein verlässlicher Begleiter ist. "So ein sonniges Frühjahr gab es schon lange nicht mehr", sagt Jim, unser rüstiger Busfahrer, der in früheren Jahren als Luftwaffen-Offizier bei der "Royal Air Force" diente. Doch er hat recht. Wer Nieselwetter und viel Regen erwartet hätte, wird zumindest diesmal enttäuscht.

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Radfahrer trifft man nicht nur im Westen der Insel, wie hier am „Great Western Greenway“ .

Für Radfahrer, die neuerdings in immer größeren Scharen den Westen erkunden, muss das aber kein Nachteil sein. Auch wenn Paul Harmon, der mit seiner Firma "Electric Escapes" Fahrräder und auch Touren anbietet, verächtlich vom "sun rubbish", zu deutsch "Sonnenmüll", spricht. Sein Geschäft gehe gut, verrät er dann auch. Das mag daran liegen, dass seine Kalkhoff-Elektroräder gut rollen und leicht zu bedienen sind. Doch vor allem auch daran, dass die Gegend hier an der Atlantikküste einfach irrsinnig viel zu bieten hat. Steil anmutende Berge, weite Ebenen, unterbrochen von kleinen und großen Seen, zerklüftete Küsten und dazwischen mehr Schafe als Bewohner.

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Es soll kein Gerücht sein, dass es in Irland mehr Schafe als Menschen gibt.

Radfahren werde für Irland zu einem immer größeren Tourismusfaktor, sagt Harmon. Nicht nur für die Radrennfahrer, die dank einstiger Helden wie Klassikerjäger Sean Kelly und Tour-de-France-Champion Stephen Roche die Insel schon lange als absoluten Geheimtipp schätzen. Auch Freizeit- und Gelegenheitsradler können hier tatsächlich aus dem Vollen schöpfen.

Der "Great Western Greenway" etwa bietet sich an, ein vor acht Jahren fertiggestellter Rad- und Wanderweg in der Grafschaft Mayo. Er folgt der 1937 geschlossenen Bahnlinie der Old Great Western Railway und führt insgesamt 42 Kilometer entlang der Ortschaften Westport, Newport, Mulranny und Achill.

Mehr als nur eine Schaffarm

Die traditionellen "Scones", die auf den britischen Inseln so gerne zum Nachmittagstee gereicht werden, schmecken danach zu Besuch bei der Glen Keen Farm (übersetzt: sanftes, mildes Tal) nahe Louisburgh umso besser. Doch nicht nur kulinarisch hat dieser Bauernhof etwas zu bieten. Eigentümer sind Catherine und Jim Powers, die eine der größten Schaffarmen der Republik auf 22,2 Quadratkilometern betreiben. Doch vom Fleisch und der Schafwolle könnte die Familie schon lange nicht mehr leben, da Billigware aus dem Ausland den Preis in den Keller treibt. Weshalb die Powers Touristen die Jahrhunderte alte Tradition der Schafzucht näherbringen. Und auch die Border Collies sind dabei unverzichtbar. Es ist faszinierend, wie diese

Hütehunde auf Zuruf oder Pfiff die Schafe dahin treiben, wo sie hin sollen.

Ruhesuchende fühlen sich dann im Delphi Resort nahe dem Connemara National Park in Letterfrack gut aufgehoben. Für diesen sollte man sich ebenfalls ausreichend Zeit nehmen. Sechs Parks an der Zahl gibt es in Irland, der in Connemara ist mit seiner etwa 2000 Hektar großen Fläche aufgrund seiner einmaligen Flora,Fauna und Geologie ein ganz besonderer Ort. Verschiedenste Rundwege führen durch das Heidenland und mit Pfeifengras bewachsene Moorgebiet. Über dem Parkgelände thront eindrucksvoll der Diamond Hill, den man unbedingt erklimmen sollte. Jeder Meter nach oben gibt mehr Ausblick auf das zerklüftete Küstenpanorama und die unberührte Moorlandschaft. Die noch wild lebenden Connemara-Ponys bekommt man dennoch auch von diesem tollen Aussichtspunkt nur selten zu sehen. Wohl aber erblicken wir Kylemore Abbey, die älteste irische Benediktinerinnenabtei, die aus einer tragischen Liebesgeschichte entstand.

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Das Ballynahinch Castle ist ein Ort mit Tradition und ein Geheimtipp für Angler.

Nicht das einzige malerische Schloss, dass in dieser Gegend zu entzücken vermag. Auch das Ballynahinch Castle aus dem 17. Jahrhundert ist einen Besuch absolut wert. Heute ein Hotel und mitten in einem der besten Fliegenfischer-Reviere Europas gelegen, waren es früher große Persönlichkeiten, die das altehrwürdige Anwesen bewohnten. Grace O’Malley, irische Nationalheldin und Piratenkönigin des 16. Jahrhunderts, war genauso Besitzerin des Hauses wie später der Politiker und Tierschützer Richard Martin (1754-1834).

Das kleine Städtchen Clifden ist nur etwa 15 Autominuten vom Ballynahinch Castle entfernt und gilt als heimliche Hauptstadt von Connemara. Das Quay House direkt beim Hafen ist ein absoluter Geheimtipp. Die charmanten Gastgeber und die mit Liebe zum Detail eingerichteten Zimmer machen das alte Landhaus zu einem Wohlfühlort. In Clifden empfiehlt sich neben dem Besuch eines der vielen ausgezeichneten Fischrestaurants auch ein ausgiebiger Pub-Besuch.

Hier wird noch Irisch gesprochen

Hier kann es einem auch passieren, dass die Iren unter sich sind, zumindest was die Sprache betrifft. Connemara ist eine der Gaeltacht-Regionen, in denen häufig noch traditionelles Irisch gesprochen und auch in der Schule gelehrt wird. "Wir sind sehr bemüht, diese Tradition so weit es geht zu erhalten", sagt Padraic O Raighne, der mit seiner Firma Connemara Pub Tours gerne durch diese Gegend führt. Er zeigt einem auch eigentlich unscheinbar wirkende Orte wie das Dörfchen Cong, wo 1952 der Hollywood-Klassiker "The Quiet Man" mit John Wayne gedreht wurde.

Für seine Musikszene bekannt ist Galway schon länger, Sänger Ed Sheeran spielte hier oft, bevor er berühmt wurde und widmete einem "Galway Girl" sogar ein Lied. 2020 wird die 80.000-Bewohner-Stadt neben Rijeka (Kroatien) Kulturhauptstadt Europas sein. Davon erhofft man sich weitere Impulse für die Region. "Wir wollen den Leuten zeigen, wie schön es hier ist", sagt Sarah McDonagh vom Organisationsteam. Wer eine Reise dorthin tut, wird nicht enttäuscht werden.

Reisen in Irlands Westen - Tipps

Anreise: Tagesaktuelle Flugpreise mit Aer Lingus nach Dublin ab Wien und München in allen Reisebüros mit DERTOUR-Programm oder unter www.dertour.at. Wird keine Busrundreise gemacht, ist ein Mietauto beinahe unumgänglich. Im öffentlichen Verkehr hat Irland noch Nachholbedarf.

Essen: In der Connemara-Region ist das Angebot an Fisch- und Meeresspezialitäten in allen Variationen groß, der Preis ist oft aber ebenso geschmalzen. Zu empfehlen sind „fish cakes“ (eine Art Fischlaibchen) oder „Sea Food Chowder“ (Fischsuppe mit verschiedenen Meeresfrüchten), die vor allem im Restaurant des Ballynahinch Castle hervorragend schmeckt.

Trinken: Irland ist eine der größten Biertrinker-Nationen. Guinness ist dabei Marktführer. Wer das Land verlässt, ohne eines getrunken zu haben, ist selbst schuld. Viele Länder produzieren das Bier unter Lizenz mittlerweile selbst, doch das in Dublin gebraute schmeckt immer noch am besten. Whiskey-Kenner kommen in Irland ohnehin auf ihre Kosten.

Unterkünfte: Das „Delphi Resort“ in Leenane (delphiadventureresort.com) liegt nahe dem Connemara Nationalpark, das „Quay House“ in Clifden (thequayhouse.com) ist urig und hat gastfreundliche Besitzer.

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