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Reisen

Die ersten Vorsteiger

Von Jana Kühne   17. Juli 2021 16:00 Uhr

Die ersten Vorsteiger
In der Wand auf der Route, die vor 120 Jahren erstbestiegen wurde: Die Tofana di Rozes reicht bis auf 3225 Meter Seehöhe und gilt als Kletterklassiker.

Vor 150 Jahren – als der Alpinismus noch in den Kinderkletterschuhen steckte – wurde Fulgenzio Dimai der erste Bergführer in Cortina d’Ampezzo.

Zu Zeiten des legendären Bergführers blühte das venezianische Bergdorf auf. Mitten im heutigen Unesco-Weltnaturerbe der Dolomiten wurden Hotels gebaut, die Infrastruktur für Gäste erschlossen und immer mehr Kletterrouten gelegt. 30 Jahre später dann die Eötvös-Dimai-Route. Sie führte erstmals über die imposante Südwand der Tofana di Rozes (3225 m) hinauf zum Gipfel. Mittlerweile gilt die Strecke nicht nur als absoluter Klassiker, sondern auch als eine der schönsten und aussichtsreichsten der mehr als 1000 Kletterrouten der Region.

800 Meter und sieben Stunden. Hände und Knie zittern, doch es hat sich gelohnt: Die Eötvös-Dimai-Führe ist geschafft und der Gipfel der Tofana di Rozes erreicht. Wie damals, vor genau 120 Jahren. Als die beiden ungarischen Adeligen Ilona und Rolanda von Eötvös gemeinsam mit Antonio Dimai – dem Neffen des großen Pioniers – zum ersten Mal über die Ehrfurcht erweckende Südwand nach oben kletterten. Und nach dem Aufstieg sicher auch erst einmal erleichtert auf den Boden sanken und die fantastische Sicht auf die Cinque Torri bewunderten. Auch heute hängt eine Dimai mit am Seil – Nadia Dimai, Bergführerin in Cortina, lässt sich auf dem Felsen nieder und zieht den Helm vom Kopf. Sie weiß die Leistung ihrer Vorkletterer zu schätzen. "Die Eötvös-Dimai-Route ist ein Meisterwerk", schwärmt sie. "Solch eine gigantische Wand zum ersten Mal zu erklimmen und dabei die besten Strecken zu finden, erfordert ein großes Klettertalent und dazu logisches Denken." Die Bergführerin kennt sich aus. Denn als Mitglied der Scoiattoli (italienisch für Eichhörnchen) – eine Gruppe, in der nur die besten Kletterer aufgenommen werden – hat sie schon viele Felswände erklommen und so einige Bohrhaken gesetzt.

Im Klettergarten Cinque Torri

Ihre persönliche Lieblingsroute befindet sich hier an der Tofana di Rozes: Die Primo Spigolo – die erste Kante des Berges. Sie ist mit ihren 450 Metern und dreieinhalb Stunden etwa um die Hälfte kürzer als ihre 120 Jahre alte Schwester, doch mit den vielen Überhängen und Spalten technisch anspruchsvoll. "Es geht natürlich viel einfacher", weiß die Expertin und zeigt auf die Cinque Torri – die fünf markanten Felstürme, die sich in der Ferne vom Himmel abzeichnen. "Dort drüben bin ich gerne mit Anfängern unterwegs." Der Klettergarten Cinque Torri gilt als einer der besten im Alpenraum: Mehr als 200 abgesicherte Seillängen verschiedenster Schwierigkeitsgrade zwischen 3 und 8. Da ist für jeden etwas dabei. Wenn Nadia Dimai mit Gästen klettert, bringt sie ihnen gerne die Geschichte ihrer Heimat ein Stück näher. Sie erzählt von den ersten Siedlern und den Regolieri – den Nachkommen der Ursprungsfamilien. Schon seit Jahrhunderten sind ihre Leitziele in den Regole (Richtlinien) festgehalten: Das kulturelle Erbe und vor allem die Natur als Lebensgrundlage für die nächsten Generationen zu bewahren. Besonders enthusiastisch wird Nadia Dimai natürlich, wenn es um die Geschichte des Alpinismus geht. Der hat für Cortina eine große Bedeutung, denn Kletterer waren hier die allerersten Touristen. "Wir hatten über die Jahre viele begnadete Alpinisten. Dank ihrer oft waghalsigen Unternehmungen haben wir heute eine so große Ansammlung fantastischer Kletterrouten."

"Frauen können genauso viel"

Auch Nadia Dimai schreibt Geschichte in Sachen Alpinismus in Cortina d’Ampezzo – als erste weibliche Bergführerin (siehe unten). Warum ihr so wenige Geschlechtsgenossinnen nachfolgen? "Das liegt wahrscheinlich an der körperlichen Herausforderung und der großen Verantwortung", so die 60-Jährige. "Frauen können zwar genauso viel leisten, trauen sich aber oft weniger zu." Außerdem gehört auch eine gute Portion Glück dazu: "Man muss natürlich im besten Fall in den Bergen aufgewachsen sein und die richtigen Menschen treffen." Oft zieht sich das Bergführer-Gen über Generationen durch die Familien. Oder – wie in ihrem Fall – durch einen großen Namen.

Wer auf den Spuren der berühmten Alpinisten wandeln und selbst die traditionsreiche Eötvös-Dimai-Route klettern möchte, hat im Jubiläumsjahr Gelegenheit dazu: Unter anderen bieten die Guides der Bergschule "Gruppo Guide Alpine Cortina" die Tour an.

Ehedem Sport für tüchtige Reiche
Vor 150 Jahren wurde Fulgenzio Dimai der erste Bergführer in Cortina d’Ampezzo. 30 Jahre später wurde die Eötvös-Dimai-Route eröffnet – zum Gipfel der Tofana di Rozes (3225 m). Den ungarischen Adeligen Ilona und Rolanda von Eötvös gelang es gemeinsam mit Antonio Dimai – dem Neffen des großen Pioniers –, zum ersten Mal über die Ehrfurcht erweckende Südwand nach oben zu klettern. Der Lohn: eine fantastische Sicht auf die Cinque Torri.

In den Bergschuhen der Pioniere
Nadia Dimai (60) schrieb Geschichte in Sachen Alpinismus in Cortina d’Ampezzo: Sie war hier 1995 die erste weibliche Bergführerin. In der Bergschule „Gruppo Guide Alpine Cortina“ hat sie heute erst eine Kollegin – und 23 Kollegen.

Eötvös-Dimai-Route
Die Guides der „Gruppo Guide Alpine Cortina“ bieten die Tour über die berühmte Südwand der Tofana di Rozes (3225 m) an. Der Schwierigkeitsgrad liegt zwischen 3 und 4.
www.cortina.dolomit.org

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