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Reisen

Der Liebe wegen

Von Bernhard Lichtenberger 09. Juni 2019 15:00 Uhr

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Der Liebe wegen
Das Granattor am Ende des Liebesweges

Im Biwak unter Sternen kuscheln oder auf dem Weg der Liebe wandern – am Millstätter See in Kärnten lockt die "Zeit zu zweit"

Der Weg ist wie unsere Liebe, mal steinig und schwer, mal eben und leicht, mal sonnig, mal schattig, aber auf alle Fälle wunderschön und unvergesslich." Ein Satz, den eine Gabriele und ein Reinhard hoch über dem Kärntner Millstätter See in einem der Bücher hinterlassen haben, die an sieben Stationen auf dem "Weg der Liebe" Gedanken zur Zweisamkeit empfangen. Auf dem sanften Rücken der Millstätter Alpe zwischen Alexanderhütte (1786 m) und Granattor (2060 m) laden vielfältig gestaltete Bänke zum Verweilen und Sinnieren in Beziehungsdingen ein, zum tiefen Blick in die Augen, auch zum zärtlichen Kuss.

Der Liebe wegen
Was einem Liebe ist, halten Wandernde in Büchern auf der Millstätter Alpe fest.

Sennerin Edith Widmann hat auf dem Pfad ihren eigenen Liebes- und Lebensweg gefunden. Weil einiges nicht passte, nahm die Internet-Administratorin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein halbes Jahr Auszeit, versuchte sich als Alm-Praktikantin – und verliebte sich in den Wirt der Millstätter Hütte. Zurück in der medialen Werkstatt, erreichte die Schwäbin im Winter die niederschmetternde Nachricht: Manfred hat Krebs. Sie kündigte, kehrte 2009 in die Nockberge zurück und übernahm die Hütte von ihrem invaliden Partner, der 2015 starb. "Das ist traurig", sagt Edith, "und trotzdem habe ich hier mein Glück gefunden." Sie kümmert sich mit Hingabe um vier Kühe, vier Ziegen, zwei Schweine und zwei Esel, macht Butter und Käse. Nur im Winter sucht die 57-Jährige das Weite, etwa in Indien oder bei der Tochter in Dubai.

Der Liebe wegen
Hüttenwirtin Edith Widmann hat auf der Alm ihr Glück gefunden.

In die Bänke geritzte Worte stoßen die Erinnerung an: Wie habt ihr euch kennengelernt? Was gibt eurer Beziehung Kraft? Unsere Liebe ist...

Auf dem genussvollen Amour-Hatscher sollte man aber nicht nur Augen füreinander haben, sondern den Blick schweifen lassen, zu den Hohen und zu den Schladminger Tauern, nach Süden zum Triglav, dem höchsten Gipfel Sloweniens. "Diese Weite, die wir in Kärnten haben, ist das Schönste", sagt Rudolf Eggarter. Das tue der Seele gut. Seine hatte es nötig. Ein schwerer Schicksalsschlag stieß den Energieberater vor zehn Jahren in eine Erschöpfung. In der Natur suchte er neue Kraft, auch auf dem Weg der Liebe, den er als kundiger Bergwanderführer begleitet, und auf Trekkingtouren mit seinen Lamas.

Der Liebe wegen
Ein Schicksalsschlag hat Rudolf Eggartner aus der Bahn geworfen. Als Wanderführer hat er einen neuen Lebensweg gefunden.

Das Urgestein, auf dem sich die Wanderer bewegen, ist reich an Granat. Nach dem edlen Stein ist das Granattor benannt, durch das Liebende gehen, als Zeichen ihrer Zuneigung. Zu ihren Füßen liegt der Millstätter See, wo die Auszeit zu zweit zur Morgenstund’ ihre Fortsetzung findet – in 55 bis 60 Jahre alten Ruderbooten. Dienstags und donnerstags verführt Gottlieb Strobl Paare, die sich füreinander in die Riemen legen, ab acht Uhr zum zweistündigen Buchtenwandern. Der gelernte Bootsbauer pflegt die hölzernen Schinakel, die er auf Gretl, Sepp, Spatz oder Susi getauft hat. "Die frühe Stunde macht viel aus", sagt der 75-Jährige, während die Zweispitze ihre Spuren auf dem spiegelglatten Wasser hinterlassen: "Das ist wie ein Spaziergang über eine taufrische Wiese. Das tut etwas mit einem." Mit sanften Ruderschlägen geht es hinüber zum unverbauten, naturbelassenen Südufer, vorbei an anmutigen Schwänen, unter Ästen hindurch, die bogengleich über dem Wasser hängen.

Der Liebe wegen
Zur Morgenstunde wird paarweise über den See gerudert.

Das Maß des 11,5 Kilometer langen und bis zu 1,8 Kilometer breiten Gewässers begreift man am besten, indem man es als Pedaleur in etwa drei Stunden umrundet. Auf dem asphaltierten Radweg entlang der Straße geht es an der Nordseite leicht bergab nach Döbriach. Fern von Verkehr radelt man in einem steten Auf und Ab (das auch so mancher Liebe nicht fremd ist) auf einem breiten Schotterweg auf der bewaldeten Südseite zurück.

Weil romantische Momente niemals überdosiert sein können, ziehen sich Herzensverbundene abends ins "Biwak unter den Sternen" (ab 199 Euro) zurück. Sieben dieser Kabäuschen aus Holz, Glas und mit Luken, die in den nächtlichen Himmel blicken lassen, liegen abgeschieden, direkt am See oder oben auf der Alm. Betreut und mit üppig gefüllten Picknickkörben für Abendessen und Frühstück beliefert werden sie von Hoteliers. Eingebettet in Blattgrün thront unser Refugium vom Alltag zuoberst des terrassenförmig angelegten Campingplatzes Pesenthein. "Freiheit" heißt das Biwak. Wir sind so frei und machen uns gänzlich frei, weil es die Etikette so verlangt – das kommode Hütterl gehört zu jenem Bereich, in dem textillos der Freikörperkultur gefrönt wird.

Der Liebe wegen
„Freiheit“ heißt dieses zur Textilfreiheit einladende Biwak unter den Sternen.

Die Sessel mit Lammfell bleiben ungenützt, weil’s im Bett nicht minder kuschelig ist. "Da ist’s aber ruhig", sagt die Lebensfrau, "kein Fernsehen, keine FPÖ, dafür kommen wir wieder einmal zum Reden." Und schließlich nehmen wir uns den Satz von Rilke zu Herzen, der eine Holzwand ziert: "Vergiss, vergiss, und lass uns jetzt nur dies erleben, wie die Sterne durch geklärten Nachthimmel dringen, wie der Mond die Gärten übersteigt." www.millstaettersee.com

Die Reinanken vom Millstätter See

Das Fischereirecht geht am Millstätter See noch auf die Kaiserzeit zurück. Letzter Hoffischer war der Urgroßvater von Peter Sichrowsky, dessen Familie das Recht übernommen hat. Der 38-jährige Hotelier, der in Millstatt die Villa Postillion am See betreibt, rudert täglich hinaus, um die Reinanken herauszuziehen, die sich im mehr als 100 Meter langen Netz verfangen haben. Zwei Mal pro Woche nimmt er auch Gäste mit und teilt sein faszinierendes Wissen. „Angler sind Jäger. Wir Netzfischer sind die Bauern am See“, sagt er.

 

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