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Reisen

Der Charme der kleinen Städte

Von Karin Haas  06. November 2022 11:30 Uhr

Der Charme der kleinen Städte
Sterzing "erschlendert" man am besten.

Südtirol, einmal anders: Sterzing und Brixen, gewürzt mit Gourmet-Faktor abseits der Trampelpfade.

Nach Paris, Wien und Amsterdam kann jeder fahren. Doch man sollte der Strahlkraft von "1A" nicht unreflektiert unterliegen. Wie wär’s mit weniger Bekanntem? Überraschen Sie sich selbst mit Erlebnissen, die Sie nicht aus den Top Ten in Radio, TV und Internet kennen. Wir erfreuten uns an Sterzing und Brixen in Südtirol; eine Reise, die obendrein wie eine nach Paris, Wien und Amsterdam mit der Eisenbahn möglich ist.

In Sterzing (die Italiener sagen Vipiteno) schnuppert man auf 960 Metern Seehöhe und nur 15 Kilometer nach Österreichs Grenze direkt nach dem Brenner Bergluft. Das Städtchen im Wipptal zählt gut 7000 Einwohner und bietet als alte Handelsstadt eine historische Altstadt.

Mauls auf der Gourmet-Landkarte

Am besten "erschlendert" man Sterzing und stärkt sich mit Cappuccino. Kaffee ist auch in Zeiten hoher Inflation in Südtirol noch immer billiger als in Österreich. Preise von unter drei Euro pro Tasse sind keine Seltenheit. Den Schaufaktor in den zahlreichen Straßencafés gibt’s gratis dazu.

Wer Sterzing und Brixen sagt, darf auf das Örtchen Mauls, fast genau dazwischen, nicht vergessen. 500 Einwohner schlank, liegt es ein wenig abseits der Autobahn an einer früheren römischen Handelsstraße und wurde von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1547 mit dem Zollrecht geadelt.

Die Geschichte des dortigen Romantik Hotels "Stafler" geht an die 450 Jahre zurück. Beherbergt wird im schmucken Anwesen, eine Mischung zwischen Gut und Herrenhaus. Angelika und Irene Stafler führen in x-ter Generation das Hotel, das eigentlich ein Dorf im Dorf ist. Denn ein Park mit Seerosenteich, ein Garten mit 80 Küchenkräutern, die Landwirtschaften Kerscherhof und Naglerhof sowie das Kramerhaus aus 1542 als Eventlocation sind ebenso in Familienbesitz wie eine Hackschnitzelheizung vom eigenen Wald.

Früher war die vormalige Poststation ein Zwischenstopp auf dem Weg in den Süden. Jetzt verführt das Vier-Sterne-Hotel zu längeren Aufenthalten bis hin zum "Extra-Urlaub". Denn nicht nur die Wellness-Landschaft mit dem "bacherlwarmen" Hallenbad und Sauna ist eine Verführung. Die Gourmetstube Einhorn zählt auch dazu.

Der Charme der kleinen Städte
Die Hofburg in Brixen, früher jahrhundertelang die Fürstbischof-Residenz

Doch dann ruft Brixen, nur 22 Kilometer von Mauls entfernt. Ohne Navi hätten wir uns dort nicht getraut, uns den steilen Berg durch die engen Gassen eines Wohngebiets hinaufzuschlängeln. Und wirklich, da stehen sie, die "Haller-Suites", trendy und hip, wie von einem anderen Planeten gefallen. Ein wenig verwirrend ist es schon, dass die Hausleute Pichler heißen. Teresa, die jüngste Generation, klärt gerne auf: Haller ist der Hausname des Winzerhofes, der Weinberg ist geblieben. Darin wohnt man nun in Suiten mit Adler-Ausblick auf Brixen. Gespeist wird im Gourmetrestaurant AO.

Ein Elephant in Brixen

Ein wendiger Stadtteilbus (gratis mit der Gästekarte) bringt die Gäste ins Brixner Zentrum. Bummeln Sie am Hotel "Elephant" vorbei, dessen Name daran erinnert, dass ein echter Elefant 1551 auf dem Weg nach Wien hier vorbeikam. Das Tier war ein Geschenk an Erzherzog Maximilian von Österreich. Der Brixner Dom, ein Ausbund an spätbarocker Schönheit, sowie die Hofburg, Wohn- und Wirkort mächtiger Fürstbischöfe, dürfen nicht fehlen.

Wer die 44 Kilometer per Auto oder Bahn nicht scheut, kann das Museum "Firmian" von Parade-bergsteiger Reinhold Messner in Schloss Sigmundskron südwestlich von Bozen in seine Erlebnissammlung einreihen. Es macht Alpingeschichte auch mit Höhenerfahrung möglich. Der Parcours führt über viele Stufen und transparente Böden. Also, bitte festes Schuhwerk!

Trendige Suiten und hippes Restaurant

Ja, getraut haben sich „die Jungen“ schon etwas. Die drei sind Teresa Pichler, die Chefin im Hause Haller, ihr Bruder Simon Pichler, und Teresas Schatz Levin Grüten, der mit Simon die Küche schaukelt. Wir sind in den nagelneuen „Haller Suites“ mit dem Gourmetrestaurant „AO“ in den Weinbergen hoch über Brixen. Grüten, der 27-jährige Koch mit klassischer Gourmetausbildung in Belgien und deutschen Wurzeln, stand auch im Kultrestaurant „Noma“ in Kopenhagen sechs Monate an den Töpfen.

Trendige Suiten und hippes Restaurant
Die nagelneuen Haller-Suites hoch über Brixen

Erst seit gut einem Jahr geöffnet, hat sich das AO Restaurant regional und minimalistisch-modern bereits drei Falstaff-Gabeln und drei Gault-Millau-Hauben erkocht. Diese Handschrift trägt auch das Halbpensions-Dinner. „Sehr regional mit frischem Twist“, beschreibt Levin, ziemlich talentiert (und tätowiert), seine und Simon Pichlers Küche.

Es gibt etwa Mosaik von der Eisacktalforelle mit Chioggia-Bete, violettem Rettich, Ribiseln und Kapuzinerkresse oder ein Villnösser Bio-Limousin-Kalb mit Spinat, Haferwurzeln, Rettich und Kartoffelstroh.

Sommeliere Teresa Pichler bringt Wein aus den eigenen Trauben, den Winzer-Nachbar Manni Nössing keltert; etwa den typischen Kerner. Den Weingarten hat ihr Vater fest im Griff. Die Frau Mama hilft im Service.

Trendige Suiten und hippes Restaurant
Hier gibt‘s Gourmetküche: Simon Pichler (l.), Levin Grüten

Haller-Suite ab rund 230 Euro für zwei Personen, mit Halbpension ab 328 Euro pro Nacht. Achtung: Oft ist ein Aufenthalt erst ab zwei oder drei Nächten buchbar. Herbstpause von 7. bis 24. November.

  • Haller Suites, AO Restaurant, Weinbergstraße 68, 39042 Brixen; byhaller.com

Von der Poststation zur Gourmet-Stube

Dunkles, altes Holz täfelt die Wände, auch der Name weist auf Tradition hin. Denn die Einhorn-Stube, das Gourmet-Restaurant im Romantik-Hotel „Stafler“ in Mauls in der autonomen Provinz Bozen, nimmt auf das Einhorn im Wappen der früheren Poststation Bezug, die zum Vier-Sterne-Hotel mit Park und Wellness wurde.

Von der Poststation zur Gourmet-Stube
Romantik Hotel Stafler in Mauls zwischen Sterzing und Brixen

Seit mehr als 20 Jahren ist Peter Girtler Küchenchef im Haus. Er schmückt sich mit zwei Michelin-Sternen und vier Gault-Millau-Hauben. Im „Einhorn“ gibt es etwa flüssiges Vitello Tonnato mit Jakobsmuscheln, Süßkartoffeln und Zitronenthymian oder Nebraska-Rind mit Backzwiebelkruste, Eierschwammerln, Kohlrabi und Eiskraut zubereitet. Die Halbpension mit Nachmittagsjause gibt sich bodenständiger.

„Wir stehen für ehrliche, authentische Gastfreundschaft, sind nicht austauschbar und keiner Mode unterworfen“, sagt Angelika Stafler, die mit ihrer Schwester Irene das RomantikHotel führt. Heuer wird groß gefeiert, denn ein 50-Jahr-Jubiläum gibt es in mehrfacher Ausfertigung: Angelika Stafler begeht diesen runden Geburtstag, Küchenchef Girtler ebenso, Angelikas und Irenes Mutter Traudi ist seit 50 Jahren Gastgeberin, und die Vereinigung „Romantik Hotels“ feiert ihren 50er.

Von der Poststation zur Gourmet-Stube
Sterne-Koch Peter Girtler, Küchenchef im Romantik Hotel Stafler

Doppelzimmer (Economy) ab 135 Euro pro Nacht (Frühbucher-Bonus), Gourmet-Halbpension mit Nachmittagsjause 49 Euro pro Person. Gourmetstube Einhorn 139 Euro (vier Gänge), Chefmenü 175 Euro sowie à la carte. Dienstag und Mittwoch Ruhetag.

  • Romantik Hotel Stafler, 39040 Mauls bei Sterzing; stafler.com

Artikel von

Karin Haas

Kolumnistin

Karin Haas

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