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Reisen

Das große Finale

26. Januar 2020 00:04 Uhr

Das große Finale
Fraser Island: australisches Überholmanöver

Buschbrände und Autopannen ohne Ende – das Ende unserer großen Australien-Tour hätten wir uns ein bisschen anders vorgestellt, aber letztlich sagen wir dankbar "Goodbye Australia".

Unser Auto: ein Raumwunder, ein Kletterkünstler, ein Dünenwedler, ein Flußdurchquerer. Weiß, groß, kräftig, abenteuerlustig, hitzig und – launisch. Schon zu Beginn der Reise hat es uns eine Ehrenrunde in Sydney drehen lassen und jetzt, am Ende unserer Australien-Umrundung, lässt es sich noch einmal eine Überraschung für uns einfallen. Es ist ein Moment wie jeder andere im Auto, während wir weiter der Ostküste in Richtung Sydney folgen: Die Kinder lauschen einem Hörbuch, Birgit schnipselt Obst und Gemüse und Uli – ja, der fährt links (ja, Linksverkehr) ran. Kontrolliert, aber bestimmt. Die Armaturen leuchten wie ein Christbaum und das Auto macht keinen Mucks mehr, streikt ausgerechnet am einsamsten Straßenstück entlang der Ostküste. Der Pannendienst muss her, doch das dauert, und so vertreiben wir uns die Zeit – spielen im Wohnwagen, rollen alte Reifen umher, sammeln herumliegenden Müll ein.

Eine harte Geduldsprobe

Nach drei Stunden kommt endlich der Abschleppwagen, lädt unser Auto auf, spannt den Wohnwagen an und zieht uns nach Carmila, ein verschlafenes Örtchen mit einer Tankstelle, einem Mini-Campingplatz, einer Autowerkstätte und drei Häusern direkt am Highway. Warten bei 35 Grad. Tagein, tagaus. Warten zunächst auf ein Ersatzteil, dann auf die Zeit der Mechaniker, und zu guter Letzt auf die Nachricht, weiterfahren zu können. Doch diese bleibt aus. Die Lichtmaschine ist ersetzt, aber das Auto streikt nach wie vor und keiner weiß weiter. Wir müssen zur Nissan-Werkstätte zurück ins nahegelegene Mackay. Wir rufen wieder unsere Freunde an und fragen, ob wir noch ein paar Tage in ihrer Auffahrt stehen dürfen. Sie heißen uns erneut herzlich willkommen, die Kinder jubeln, denn sie lieben es, mit Julien, Marie und Mathilda im Garten Trampolin zu hüpfen und mit Schleich-Pferden zu spielen. Aus ein paar Tagen werden vier Wochen, in denen Uli pausenlos mit Werkstätten und Versicherungen telefoniert. Aber keiner bringt das Auto flott. Es braucht drei Werkstätten, ehe es endlich klappt. Es fühlt sich an wie ein Wunder.

Das große Finale
Es ist Zeit, unserem geliebten Heim auf Rädern eine gute Weiterfahrt zu wünschen.

Wir setzen unsere Reise fort, machen Meter in Richtung Brisbane, wo eine ganze Menge lieb gewonnener Familien auf uns warten. Auf dem Weg dorthin liegt mit Fraser Island noch die größte Sandinsel der Welt, die mit 1800 Quadratkilometern zum UNESCO-Kulturerbe zählt und reichlich Sand(-strände und -dünen), wild lebende Dingos, kristallklare Seen, auf Sandboden wachsende Regenwälder und bunte Sandsteinformationen bereithält.

Einfach paradiesisch

Den Wohnwagen lassen wir am Rainbow Beach zurück, packen Zelte und Schlafsäcke ein, und mit einer Portion Vorfreude geht es auf die Fähre, die uns nach "Fraser" bringen wird. Es gibt keine Straßen, der Reifendruck wird deshalb auf ein Minimum reduziert und ein Allrad sowie ein wenig Wagemut sind Pflicht. Als uns die Fähre mitten im Sand an Land spuckt, ist gerade Flut und so steht uns nur ein schmaler, sandiger Streifen als "Fahrbahn" zur Verfügung. Ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Wir driften im Sand den Strand entlang und staunen über den Anblick, den der Rückspiegel bereithält: ein auf dem Strand zur Landung ansetzendes Flugzeug.

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Mit der Idee, Fraser Island zu besuchen, sind wir nicht alleine.

Unser Vorwärtskommen im Rumpel-Schaukel-Modus fühlt sich an wie eine Fahrt durch Pulverschnee, knirschend und mit teilweise badewannentiefen Senken. Das Auto ächzt und stöhnt, die Kinder jubeln. Die Fahrt durch dichten Regenwald endet auf einem reservierten Zeltplatz tief drin im Zentrum von Fraser Island. Ein unglaubliches Blätterdach, grün und dicht, breitet sich schützend über uns aus. Ein paradiesisches Örtchen, das uns fast allein gehört. Nach der Pflichtübung bestehend aus dem Zeltaufbau folgt die Kür. Wir machen uns auf zum Lake McKenzie, einem glasklaren, türkisfarbenen Binnensee inmitten eines Meeres aus Baumriesen gelegen. Das morgendliche Erwachen auf Fraser ist ähnlich berauschend. Unzählige Vogelstimmen und ein warmer Wind, der singend die hohen Baumwipfel streift, sind wie eine Einladung zu einer Dschungel-Tour, der wir gerne folgen. An Baumriesen, armdicken Lianen und großen Eidechsen vorbei führt uns der Weg. Aber keine Menschenseele weit und breit. Wir wollen mehr und stoppen erst bei einem Wasserfall.

So einmalig der Aufenthalt auf dem Eiland auch ist, er findet ein jähes Ende, als bei einer Fahrt am Strand entlang erneut alle Warnlichter im Auto zu blinken beginnen. Die Vorstellung, von der Insel abgeschleppt werden zu müssen, lässt uns augenblicklich umdrehen. Ohne auch nur ein einziges Mal den Wagen abzustellen, verlassen wir Fraser viel zu früh mit sehr gemischten Gefühlen.

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Die erlebten Abenteuer schweißen zusammen.

Ebenfalls in einem Stück bringen wir auf dem Festland die Fahrt zu einer Farm einer australischen Familie, die wir in Palm Springs kennengelernt haben, hinter uns. Luke und Tam wohnen mit ihren vier Kindern an einem kleinen Flusslauf im Hinterland. Das Haus ist einfach gebaut, ein kleiner Damm lädt zum Schwimmen ein und das ehemalige Erdbeerfeld ist nun ein Fußballplatz für die Kinder – und gleichzeitig für ein paar Tage unser Stellplatz. Die Zeit verfliegt, vielleicht auch deshalb, weil die Tatsache, dass die letzten Wochen in Australien angebrochen sind, immer stärker in unser Bewusstsein vordringt. Die Tage wollen genutzt sein – mit einem Besuch im nahegelegenen "Australia Zoo" etwa. Wir verbringen dort einen vollen Tag mit Tigerfütterungen, Koala-Streicheln, Krokodil-Show und erfahren jede Menge über das australische Wildlife. Es ist auch eine Begegnung mit dem australischen Abenteurer Steve Irwin, bekannt als "The Crocodile Hunter". Irwin wurde vor 13 Jahren von einem Stachelrochen tödlich verletzt und auf dem Zoogelände beigesetzt. Seine Leidenschaft für die Erhaltung der australischen Tierwelt und sein Mythos leben hier weiter.

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Da hätten wir noch ein paar Kinder mehr gebraucht.

Die schöne Sunshine Coast lassen wir irgendwann hinter uns und verabreden uns mit einer Familie aus Wilhering, die hier einige Wochen verbringt. Wir genießen es, wieder einmal zu reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Nach ein paar gemütlichen Tagen sagen wir "Pfiat eng!", wollen weiter nach Byron Bay, einem fast schon sagenumwobenen Ort. Byron Bay war einst ein Platz, an dem sich viele Surfer und Hippies niederließen. Wir erleben einen sehr touristischen Ort, an dem viele junge Aussies das Ende ihres Highschool-Jahres feiern. Wir begnügen uns mit Bodyboarden und klettern zum Leuchtturm, dem östlichsten Punkt Australiens. Ein weiterer Meilenstein unserer Reise ist erreicht.

Die Buschbrände erreichen uns

Das Ende der Reise rückt immer näher, so wie die Buschbrände, die mittlerweile an der gesamten Ostküste, besonders rund um Sydney, wüten. Noch sehen wir sie nicht, hören nur von ihnen aus dem Radio und von Bekannten wie Nigel und Margret. Sie erzählen uns, dass kürzlich sechs Grundstücke um sie herum komplett abgebrannt sind. 360 Kilometer vor dem Ziel unserer großen Reise ist dann erstmals auf unserer Route ein Nationalpark wegen Buschbränden gesperrt. Nachts werden wir vom Rauch geweckt, der in unseren Nasen beißt. Nicht die einzige Unannehmlichkeit. Auch das Auto muss wieder einmal abgeschleppt werden. Mittlerweile bereits Routine. Die Mechaniker bringen es zum Laufen, Fehler finden sie keinen. Und so entscheiden wir wieder einmal, in Bausch und Bogen durchzufahren. Ohne den Motor abzustellen kommen wir einen Tag früher als geplant in Sydney an.

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Eine Frage der Perspektive: die Oper in Sydney ganz handlich

Das Haus, auf das wir die kommenden drei Wochen aufpassen werden, liegt in einer hübschen, ruhigen Gegend und ist nur eine halbe Stunde von der Oper entfernt. Die ersten Tage verbringen wir nur drinnen, so viel Platz hatten wir seit einem Jahr nicht mehr!

Weihnachten ganz anders

Birgit und Linus bringen von einem Spaziergang einen völlig intakten Plastiktannenbaum aus dem Sperrmüll mit nach Hause. Den Christbaumschmuck basteln wir selbst. Die Nachbarin bringt noch Glitzerkugeln und Lichterketten – und eine Einladung zum Schwimmen. Als der Baum fertig geschmückt ist, springen wir alle in den Pool. Weihnachten bei über 30 Grad!

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Der schönste Christbaum aller Zeiten … sagen unsere Kinder!

Ein Anruf bei den Lieben daheim, die gerade aufgestanden sind, darf ebenso wenig fehlen wie ein Geschenk für jedes Kind, das das "Sydney Christkind" gebraucht gekauft hat. Das Weihnachtsmenü besteht aus einem Schokolade-Fondue, und nach dem gemeinsamen "Stille Nacht, Heilige Nacht" verbringen wir den Abend mit Spielen. Ein ganz anderes Weihnachten und doch auch sehr schön. Am Christtag statten wir dem ikonischen Bondi Beach einen Besuch ab. Nicht unsere beste Idee. Wie die Sardinen wälzen sich Tausende Menschen an diesem berühmten Strand, um Weihnachten zu feiern. Wir springen in einer benachbarten Bucht kurz ins Wasser, lassen uns von den Wellen an den Strand spülen und freuen uns dann wieder sehr auf unsere ruhige Wohngegend.

Der Countdown für die Abreise läuft. Um uns gebührend von unserem lieb gewonnen Schneckenhaus zu verabschieden, feiern wir noch eine Wohnwagenparty. Auto und Wohnwagen sind längst inseriert, aber noch regt sich nichts. Langsam werden wir nervös, denn der Rückflug rückt näher und näher, während das Gespann noch immer in der Hauseinfahrt parkt. Doch schlussendlich geht alles schnell und gut aus. Die fahrbaren Untersätze sind verkauft, Zelte, Schlafsäcke, Kindersitz, Camping-Equipment werden in den letzten Tagen noch verschenkt. Die Kinder können es kaum glauben, als sie nur noch "einmal schlafen" müssen, um Freunde und Familie, die am Flughafen Wien warten, wiederzusehen.

Das große Finale
Unsere Kinder sind in den vergangenen zwölf Monaten ihrem Nest entschlüpft.

Es ist Zeit, zurückzublicken – erfüllt von Dankbarkeit für 32.000 unfallfreie Kilometer und mehr als 300 Nächte in der Einfachheit eines Wohnwagens mit Blick auf Abermilliarden Sterne – auf sechs durchquerte Bundesstaaten, Temperaturen von minus 1 bis plus 46 Grad, den Kontakt mit dem ältesten lebenden Volk der Welt, auf Naturgewalten, Landschaften, Tiere und Menschen, die unser Herz tief berührt haben – und auf das bestandene Abenteuer als Familie, ein Jahr lang 24 Stunden außerhalb unserer Komfortzone zusammen zu sein und so viel Spaß gehabt zu haben.

Thank you and goodbye, Australia!

Serienende: Damit endet die Reise der Kollers. Aber wie es ihnen seit ihrer Rückkehr ergangen ist, wie sie mit einigen Wochen Abstand auf ihr großes Abenteuer zurückblicken und was sich verändert hat, lesen Sie in den nächsten Wochen.

Buschbrände

Die Buschfeuer sind und waren immer wichtiger Teil des australischen Ökosystems. Viele Pflanzenarten öffnen nach den Feuern ihre Samenhülsen, einheimische Pflanzen wachsen gleich wieder nach, während eingeschleppte Pflanzenarten verdrängt werden. Die Ureinwohner legen seit Jahrtausenden in den kalten Wintermonaten gezielte Buschbrände, um zu jagen, das Wachstum der Nutzpflanzen zu fördern und sich Wege durch das Dickicht zu bahnen.

Die momentan wütenden Buschfeuer in Queensland, New South Wales und Victoria sind vor allem aufgrund der vorherrschenden Dürre so dramatisch. Teilweise hat es seit acht Jahren nicht mehr geregnet, es fehlt schlichtweg an Löschwasser. Flüsse und Dämme sind leer. Tausende Häuser und Farmen sind schon den Flammen zum Opfer gefallen. Vor allem für die Tierwelt sind die flächendeckenden Brände ohne Chance auf Flucht ein echter Kampf ums Überleben. In den Wochen um Weihnachten war für uns der Himmel in Sydney oft nebelig diesig, die Sonne vom Rauch verdeckt und den ganzen Tag Dämmerlicht. Zweimal mussten wir nachts die Fenster schließen, weil beißender Rauch uns geweckt hat.

Die aktuelle Situation

Regen sorgt momentan für leichte Entspannung, für eine Entwarnung ist es jedoch noch zu früh, so der ADAC. Reisende sollten sich weiter vorsehen und möglicherweise ihre Route ändern. Die meisten Feuer wüten in den Bundesstaaten New South Wales, Victoria und South Australia. Etliche Straßen, Eisenbahnlinien und Nationalparks sind gesperrt. Auch die Großräume Sydney, Canberra und Melbourne befinden sich in der gefährdeten Zone und werden immer wieder von Rauchwolken heimgesucht. In den letzten Wochen mussten dort immer wieder Flüge gestrichen werden. Wer in Kürze nach Australien will, erfährt auf den Seiten der Feuerwehren von New South Wales (www.rfs.nsw.gov.au/fire-information/fires-near-me) und Victoria (www.livetraffic.com), wo genau sich die Flammenherde befinden. Informationen zu gesperrten Straßen stellen die Verkehrsbehörden von New South Wales (livetraffic.com) bzw. Victoria (traffic.vicroads.vic.gov.au) bereit. Einige Reiseveranstalter, wie zum Beispiel DER Touristik, TUI und FTI, bieten kostenfreie Umbuchungen und Stornierungen an und das nicht nur für Reisen, die unmittelbar bevorstehen.

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