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Reisen

"Camper sind einfach gemütliche Leut’"

Von Herbert Schorn  03. Juli 2021 11:31 Uhr

"Camper sind einfach gemütliche Leut’"
Jahrzehntelang waren Gerhard und Ursula Wiesinger aus Traun im Wohnwagen unterwegs, seit zwei Jahren reisen sie im Wohnmobil.

Im Trend: Zahl der Camping-Übernachtungen stieg in Oberösterreich in zehn Jahren um 70 Prozent. Für Camper Gerhard Wiesinger erfüllte sich mit dem Wohnmobil ein Traum.

Sobald der Wetterbericht mehrere Tage Schönwetter meldet, wird Gerhard Wiesinger unruhig. Wo könnte ihn und seine Frau Ursula die nächste Reise hinführen? Flugs packt er den Campingführer aus, stellt eine Route zusammen, seine Frau füllt den Kühlschrank, packt alles Nötige in die Kästen und schon startet Gerhard das Wohnmobil: "Das Wegfahren ist immer ein besonderes Gefühl."

Egal ob mit dem Zelt, dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil: Camping liegt im Trend. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Übernachtungen auf Oberösterreichs Campingplätzen um 70 Prozent gestiegen. Im vorigen Tourismusjahr gab es hier knapp 336.000 Nächtigungen – immerhin mehr als fünf Prozent aller Nächtigungen des Landes. Der Einbruch im Vorjahr betrug 14 Prozent und fiel damit deutlich geringer aus als in Hotels oder Ferienwohnungen. "Viele sind durch die Coronakrise auf diese Form des Reisens gestoßen. Man ist freier und ungebundener als beim Urlaub im Hotel", sagt Gerhard Schweizer. Er ist Geschäftsführer des zum ARBÖ gehörenden Camping- und Caravaningclub Austria. Früher habe das Campen eher einen Touch für Ältere gehabt: "Jetzt entdecken das auch viele Jüngere für sich." Allerdings, schränkt er ein: "Zum Campen muss man der Typ sein, nicht jedem liegt das." Meistens sei es so: "Entweder man liebt das Campen oder man hasst es."

Gerhard Wiesinger gehört eindeutig zur ersten Kategorie. Schon als Kind war der Trauner mit seinen Eltern zelten im ehemaligen Jugoslawien, dann war er mit seiner Frau jahrzehntelang Dauercamper; der Wohnwagen stand am Campingplatz am Wolfgangsee: "Wir waren von Mai bis Oktober fast jedes Wochenende am Wolfgangsee."

Nun ist der ehemalige Filialleiter, der zuletzt als Hausbesorger in einer Wohnanlage arbeitete, in Pension. Vor rund zwei Jahren tauschte er seinen Wohnwagen gegen ein Wohnmobil ein. "Das war schon seit meiner Jugend mein Traum", sagt der 65-Jährige. Der Wohnwagen sei praktisch, weil man ihn abstellen könne und dann mit dem Auto flexibel sei. "Im Wohnmobil kann man stehen bleiben, wo es einem gerade gefällt, sich hinten hineinsetzen und jausnen. Und wenn’s uns wo nicht gefällt, packen wir unsere Campingsessel ein und fahren weiter." Er schätzt die gemütliche Atmosphäre am Campingplatz: "Die Camper sind einfach gemütliche Leut’. Man kann sofort Kontakte knüpfen und wenn man Hilfe braucht, ist immer jemand zur Stelle." Doch was, wenn’s regnet? "Dann setzt man sich in den Wagen, sieht fern oder spielt Karten – vielleicht auch mit den Nachbarn."

3000 Kilometer pro Jahr

Pro Jahr sind die Wiesingers 3000 Kilometer unterwegs. Weite Reisen konnten sie wegen Corona im Vorjahr nicht unternehmen. "Dafür haben wir die Campingplätze in Österreich abgeklappert, vom Burgenland bis Tirol." Auch heuer steht vorerst Österreich auf dem Tourplan, etwa Lunz am See, das Weinviertel, Hopfgarten und Liezen. Schon bald geht’s los – und dann werden die Sessel ausgepackt, der Strom angesteckt, die Markise ausgerollt und ein gemütliches Bier aufgemacht.

Beim Zelten gibt es offenbar nichts, was es nicht gibt …

Wer mit dem Zelt oder Wohnwagen unterwegs ist, hat zwar viele Freiheiten – aber wenig Platz. Deshalb ist man gewöhnlich mit leichtem Gepäck unterwegs – und das Wenige sollte außerdem noch leicht zu verstauen sein. Die OÖN haben sich umgeschaut, was es dabei so alles gibt – wie zum Beispiel:

  • Camping-Waschmaschine: Dabei handelt es sich um eine Art Waschsack, den man mit Wäsche und Waschmittel befüllt. Anschließend wird er verschlossen und entlüftet, danach muss man die Kleidung nur noch drei Minuten lang „reiben“. Gesehen ab 49 Euro.
  • Unterirdischer Kühlschrank: Praktisch auch für Gartenpartys – der versenkbare Erdloch-Getränkekühler. Wie der Name schon verrät, wird das Gerät im Boden eingelassen, um bis zu 15 Flaschen gleichzeitig zu kühlen. Ohne Strom. Zirka 40 Euro.
  • Faltbarer Wasserkocher: Passt in jedes Gepäck. Er muss nur an eine Stromquelle angeschlossen werden und liefert im Handumdrehen heißes Wasser. Um 20 Euro.
  • Espressomaschine to go: Für passionierte Kaffeeliebhaber gibt es eine Mini-Espressomaschine zum Mitnehmen: „Handpresso“ ist nicht ganz billig und kostet 250 Euro.
  • Zusammenklappbarer Toaster: Das Gestell aus Metall wiegt nur ganz wenig, soll auf jeden Campingkocher passen und für knuspriges Toastbrot beim Frühstück garantieren und kostet fünf Euro. Auch einen Camping-Backofen gibt’s als Aufsatz (ca. 50 Euro).

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Herbert Schorn

Redakteur Kultur und Leben

Herbert Schorn
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