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Reisen

Badeurlaub im Naturschutzgebiet

Von Gerhild Niedoba  19. Juni 2022 14:00 Uhr

Badeurlaub im Naturschutzgebiet
Das zwei Kilometer ins Land ragende Kap Kaliakra bietet eine traumhafte Aussicht.

Wer eine feine Urlaubsdestination für jede Geldbörse sucht, wird an der bulgarischen Schwarzmeerküste fündig.

Wenn man in Bulgarien "Albena" ruft, kann es schon sein, dass sich gleich mehrere Frauen angesprochen fühlen. Wenig verwunderlich, handelt es sich doch um einen in dem Balkanstaat beliebten Vornamen. Geprägt wurde dieser durch den bulgarischen Schriftsteller Jordan Jowkow und dessen sagenumwobene Romanfigur Albena, die schließlich auch Namensgeberin des bekannten Seebads im Norden der bulgarischen Schwarzmeerküste wurde.

Das Tourismusprojekt aus sozialistischer Zeit wurde 1969 in nur drei Monaten für den Massentourismus aus dem Boden gestampft. Damals umfasste das kleine Dorf gerade einmal neun Hotels, mittlerweile hat sich die Anzahl nahezu vervierfacht.

Inzwischen hat sich der Ferienort mit der eigenen Postleitzahl als repräsentative Destination für einen Familienurlaub gemausert, wie man ihn einst von früheren Adria-Urlauben kannte: Der rund sechs Kilometer lange, flach abfallende Sandstrand lädt zum Sandburgenbauen, Planschen und zum Sonnenliegen ein – aber auch Sportler und Frischluft-Freaks kommen bei Schwimm- und Tauchkursen, dem vielfältigen Animationsprogramm oder beim Reiten entlang des Meeres auf ihre Kosten.

Badeurlaub im Naturschutzgebiet
Die Hotelstadt Albena mit ihrem rund sechs Kilometer langen Sandstrand

Dahinter liegen die mittlerweile 33 Hotels mit 6500 Zimmern im 2-bis 5-Sterne-Bereich, die Unterkunft für nahezu jede Geldbörse bieten. Auch wenn so manchem Hotelkomplex von außen noch ein herber Plattenbau-Charme anhaftet, wurde die Inneneinrichtung längst auf modernes Wohlfühlambiente umgerüstet. Eingebettet in die Hotellandschaft befinden sich der riesige Wasserpark "Aquamania" mit seinen 20 Rutschen, ein Sportstadion, mehrere Tennis- und Fußballplätze sowie ein Veranstaltungszentrum.

Was das Resort aber wirklich einzigartig macht, ist seine Lage inmitten des seit den 90er-Jahren ausgewiesenen Baltata-Naturschutzgebietes. Neu gebaut werden darf hier nicht mehr, nur bestehenden Gebäuden wenn nötig ein neues Leben eingehaucht werden. Auf den rund 200 Hektar leben in den luftigen Höhen der riesigen Wälder 60 Vogelarten, im Brachwasser tummeln sich Frösche und Schildkröten.

Badeurlaub im Naturschutzgebiet
Bei Rückenschmerzen wird warmer Heilschlamm aus dem Meer aufgelegt.

Autos sind hier längst verpönt (sie müssen außerhalb abgestellt werden), stattdessen verkehren in der grünen Hotelstadt elektrisch betriebene Busse und Shuttle-Fahrzeuge mit festem Fahrplan. Rund 70 Prozent des Strombedarfs für das Resort stammt aus der eigenen Biogasanlage.

Rolltreppe zum Strand

Man kann aber auch eine attraktive Alternative zu den Wägen wählen: Inmitten der hügeligen Waldzone zieht sich eine 150 Meter lange Rolltreppe auf drei Etappen, die die Gäste in beide Richtungen zum Strand und auf der anderen Seite wieder retour bringt. Herausfordernd für einen reibungslosen Betrieb des Rollbandes ist freilich der Sand, der in regelmäßigen Abständen und dann tonnenweise entfernt werden muss.

Badeurlaub im Naturschutzgebiet
Blick auf die Hafenstadt Varna

Doch nicht nur sport- und bewegungsaffine Gäste sind in Albena gut aufgehoben: Für Personen, die Probleme mit dem Bewegungsapparat haben, lohnt sich ein Besuch des Medi-Spa-Zentrums. Seit 20 Jahren ist Ognyan Softov dort als ärztlicher Leiter tätig, dementsprechend groß ist sein Erfahrungsschatz mit den angebotenen Wellness- und Gesundheitsbehandlungen. Verwendet werden natürliche Heilmittel, wie etwa das aus den nahen Quellen sprudelnde Mineralwasser, Heilkräuterextrakte, Bienenwachs, Rosskastanien-Umschläge und auch Heilschlamm aus dem Meer. Letzterer etwa wird fein gesiebt und auf 43 Grad erhitzt, ehe er in einer dicken Schicht auf den ganzen Körper aufgetragen wird. Pro Person und Behandlung, sagt Softov in perfektem Deutsch, seien zehn Kilogramm des Schlamms nötig.

Vor der Corona-Pandemie wurden in dem rund 4800 Quadratmeter umfassenden Komplex täglich an die 350 Patienten behandelt, führt der Mediziner aus. "Jetzt sind es deutlich weniger. Aber die Hoffnung, dass sich das bald wieder ändert, ist noch da."

Ältester Goldschatz der Welt

Wer das Gebiet außerhalb des Resorts erkunden möchte, dem ist der Besuch des nördlich der Stadt Varna gelegenen Kap Kaliakra zu empfehlen. Es zieht sich auf einer Länge von rund zwei Kilometern und bietet zahlreichen seltenen Vögeln, wie zum Beispiel Kormoranen, geeignete Brutstätten. Die Landspitze mit ihren etwa 70 Meter abfallenden Felsen bietet zudem einen imposanten Ausblick.

Apropos Varna: Mit ihren knapp 350.000 Einwohnern gilt die Hafenstadt als das Zentrum Nordostbulgariens. Im Archäologischen Museum wird der älteste Goldschatz der Welt aufbewahrt.

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Dimo Atanasov vom Weinklub Varna kredenzt nur feinste Tropfen.

Bulgarien hat aber auch kulinarisch einiges zu bieten: Gjuwetsche ist ein traditionelles Gericht aus Schweinefleisch, Pilzen und Erdäpfeln, das in speziellen Tontöpfen zubereitet wird. Dazu serviert wird der eigene Schnaps und Hauswein. Ein Meister dieses Fachs ist Dimo Atanasov, der Mitbegründer des Weinklubs Varna: "Hier wird nicht getrunken, nur getestet", sagt der sympathische Weinexperte, während er behände ein Glas nach dem anderen füllt.

Wissenswertes

Flüge: Pro Woche elf Direktflüge von Österreich nach Varna: Austrian Airlines einmal täglich ab Wien, Wizz Air und Ryan Air jeweils zweimal pro Woche;

Hotels: Angebote (Hochsaison) von Bulgarien-Spezialist Intervega-Reisen (intervega.at) inkl. Transfer und Flug:
- Kaliakra Beach****: 1155 € p. P./Woche im Superior Room, Verpflegung Ultra-All-Inclusive; 490 €/Kind (bis 12 Jahre);
- Amelia Hotel*****: 1420 € p. P./Woche im Deluxe Room, Verpflegung Luxury-Ultra-Inclusive; 529 €/Kind und Woche

Info: bulgariatravel.org/de/

Artikel von

Gerhild Niedoba

stv. Leiterin Regionalressort

Gerhild Niedoba

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