Lade Inhalte...
  • NEWSLETTER
  • ABO / EPAPER
  • Lade Login-Box ...
    ANMELDUNG
    Bitte E-Mail-Adresse eingeben
    Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse oder Ihren nachrichten.at Benutzernamen ein.


gemerkt
merken
teilen

Aloha, Oahu

Von Günter Spreitzhofer, 24. Dezember 2022, 14:00 Uhr
Aloha, Oahu
Sand und Surfen am Waikiki Beach von Honolulu Bild: Spreitzhofer

Ukulele in Waikiki und Hula in Haleiwa. Das klingt wie Urlaub, Palmen und mehr. Ist es auch, meistens zumindest. Doch Mokupuni o Hawaii, wie sich der jüngste US-Bundesstaat selbst bezeichnet, hat mehr zu bieten als Surf & Sand. Und Bier gibt es auch.

Honolulu ist die Hauptstadt der Inselwelt von Hawaii und zugleich die größte Stadt Polynesiens. Knapp eine Million Menschen, fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung, leben im Ballungsraum der Südsee-Metropole. Der erstreckt sich über 40 km entlang der Südküste der Insel Oahu, einer der sechs Hauptinseln des Archipels. Überall sonst ist es zumeist recht ruhig, wenn nicht wieder einmal ein Vulkan zu grollen beginnt. Und das kommt vor, wie der Kilauea auf der Nachbarinsel erst kürzlich wieder bewies, als er Lavaströme fließen ließ.

Die hawaiianischen Inseln bilden die längste Inselkette der Welt und sind alle vulkanischen Ursprungs – es sind die aus dem Pazifik ragenden Gipfel der Vulkane, die tief unten auf dem Meeresboden stehen. Die Schildvulkane der geologisch jüngsten und größten der Hawaii-Inseln, der Hauptinsel Hawaii ("Big Island"), sind eigentlich die höchsten Berge der Erde: Der Gipfel des Mauna Kea befindet sich in 4205 Metern Höhe über dem Meer, während seine Basis in 5400 Metern Meerestiefe liegt – also rund 9600 Meter Vertikalerstreckung zusammengenommen.

Aloha, Oahu
Polynesien: Palmen und mehr Bild: Spreitzhofer

Auf Oahu, dem Herz der Inselwelt, ist vom rauen Charme der schwarzen Strände mancher Nachbarinseln wenig zu merken. 64 Kilometer lang, 42 Kilometer breit und 336 Kilometer Küste: Mit 1557 Quadratkilometern ist Oahu nach Maui nur die drittgrößte der Hawaii-Inseln und kleiner als das Innviertel. Doch wirtschaftliche und politische Macht lag fast immer hier, wo auch drei Viertel aller Touristen anreisen. Und das sind nicht wenige. Über 10 Millionen waren es 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie, die dem Archipel Steuereinnahmen von zwei Milliarden Dollar einbrachten.

Im 19. Jahrhundert wurden Ananas und Zuckerrohr zum großen Geschäft, zahlreiche asiatische Gastarbeiter kamen – und blieben. Nur sieben Prozent der Bevölkerung sind polynesischen Ursprungs, mehr als die Hälfte Ostasiaten, großteils aus Japan, Korea und den Philippinen. Kaum ein anderer Bundesstaat der USA hat eine ähnlich multikulturelle Gesellschaft wie der heutige Flugknoten im Pazifik, der spätestens mit der japanischen Versenkung der US-Flotte in Pearl Harbour 1941 in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit rückte. Das Areal ist heute eine Gedenkstätte unter Verwaltung des US National Park Service, gleich hinter dem Honolulu International Airport, vorbei an Oahus Chinatown und dem Aloha Tower, der bereits 1921 zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Honolulu hat immer schon zu gefallen gewusst, und das Marketing prominenter Literaten war dafür wohl nicht von Nachteil. Robert L. Stevenson war da und dinierte mit König Kalakaua, Jack London fand hier seine zweite Heimat, und auch Mark Twain berichtete nur Gutes von der faszinierenden neuen Welt mitten im Ozean.

Aloha, Oahu
Oahus Nachbarinsel „Big Hawaii“ ist bekannt für seine Kaffeeproduktion. Bild: Spreitzhofer

Der Südsee-Mythos des frühen 20. Jahrhunderts nahm allmählich Fahrt auf: Ukulele-Bands und Hula-Tanz bestimmen bis heute die Tourismuswerbung des Landes, in dem Barack Obama 1961 geboren wurde. Von religiösen Ritualen zur Verehrung von Königen und Häuptlingen ist man jedoch spätestens mit Beginn der hawaiianischen Filmindustrie abgekommen, die längst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden ist: Kein Wunder, Hawaii ist eine beliebte Filmkulisse und war Drehort zahlreicher Filmproduktionen wie Jurassic Park oder Magnum, Baywatch oder "Blaues Hawaii" mit Elvis Presley, der dort auch ein wenig Ukulele gespielt hat, was sonst.

Waikiki war früher ein Rückzugsplatz für Mitglieder der königlichen Familie, um dort surfen zu lernen. Heute ist es ein glamouröser Badevorort von Honolulu, mit vier Kilometern Strand, hohen Palmen und noch höheren Hochhäusern, Hotels und Apartmentblocks. Die Skyline ist imposant, vor allem aus der Vogelperspektive vom Gipfel des Diamond Head gleich nebenan – eine 232 Meter hohe Tuffstein-Formation über einem erloschenen Vulkankrater, deren glitzernde Kalzit-Einsprengsel einst von Seeleuten für Diamanten gehalten wurden. Über asphaltierte Gehwege, Tunnel und Leitern kommt fast jeder in den grasbewachsenen Krater hinein und dann hinauf, dem ein wenig Schweiß nichts ausmacht, denn Schatten gibt es keinen. Doch bereut hat es noch keiner – den Blick auf fantastische Farbenspiele von türkisen Küsten weit unten und tiefgrünen, meist wolkenverhangenen Hängen erloschener Vulkane im Landesinneren.

Wo Selfies glücklich machen

Dort haben das Ananas-Labyrinth auf der Dole Plantation und das Polynesian Cultural Village seit Jahrzehnten Generationen von Touristen fasziniert: Baströckchen, Schuhplatteln und melodische Volksmusik mit Synthesizer – den meisten gefällt es, und Selfies mit Lei-Blumenketten um den Hals machen offenbar glücklich. Shopping im Waikiki Christmas Store danach gehört auch dazu, ganzjährig, wo selbst der Weihnachtsmann Plastikblüten hinter das Ohr geklemmt hat.

Noch weiter im Norden geht es zumindest im Winter rund, wenn sich die internationale Surferelite bei bis zu 15 Meter hohen Wellen ein Stelldichein gibt. Dann sinkt die mittlere Wassertemperatur auf 24 Grad, die Lufttemperatur beträgt durchschnittlich 27 Grad – es gibt unwirtlichere Regionen im Jänner. Sommers ist an der Nordküste von Oahu nicht viel los, von der Menschenschlange vor "Matsumoto Shave Ice" abgesehen: Rasiereis ist eine hawaiianische Spezialität, bei der Eis von Eisblöcken geraspelt und mit Sirup und Geschmacksstoffen in bunten Farben verfeinert wird. Der Eisladen ist eine Institution geworden und lockt längst nicht mehr nur japanische Tagestouristen auf gebuchter Inselrundfahrt an.

Surf-Legende Duke

Die meisten Touristen residieren immer noch in Waikiki, wo allein die Buchungsplattform booking.com 688 Unterkünfte auflistet, die jedoch über viele Monate großteils ausgebucht sind. Dort, am Kuhio Beach, thront die Statue von Duke Kahanamoku inmitten von Palmen und langen Reihen von Surfboards, die spätestens zu Mittag verliehen oder reserviert sind. Duke war dreifacher Schwimm-Olympiasieger für die USA, Begründer des modernen Surfsports und langjähriger Sheriff von Honolulu.

Aloha, Oahu
Duke Kahanamoku – der Vater des modernen Surfsports Bild: Spreitzhofer

Er ist eine polynesische Legende, seine Statue meist mit Blumenkränzen dekoriert, zieht Selfie-Knipser an. Die Warteschlange kann Dutzende Meter lang sein. Geboren wurde Duke 1890 noch im Königreich Hawaii, denn die Inselkette wurde erst acht Jahre später von den Vereinigten Staaten annektiert und 1959 als State of Hawaii zum 50. Bundesstaat der USA – 3700 Kilometer oder fünf Flugstunden von der amerikanischen Westküste entfernt. Die Landfläche der 137 Inseln und Atolle zusammen ist etwa doppelt so groß wie das Bundesland Salzburg, bewohnt sind allerdings die wenigsten.

Es gibt kein Bier auf Hawaii, vermutete zumindest Paul Kuhn in seinem Schlager-Hit 1963. Obama war damals zwei Jahre alt und hatte wohl andere Sorgen. Das mit dem Bier hat sich geändert, sollte es je so gewesen sein. Und geändert hat sich auch sonst so einiges an der Nordostspitze Polynesiens, die landläufig immer noch zu den Südseeinseln gezählt wird. Die hießen früher Sandwich-Inseln, und Aufenthalte waren wohl etwas preiswerter als heutzutage. In den ABC-Stores, die in Strandnähe alle paar hundert Meter exakt das gleiche Angebot an Hawaii-Shirts, Beach-Sarongs und Plastikblumenketten haben, gibt es auch Lebensmittel. Eine Gallone Milch etwa, um neun Dollar. Oder simples Toastbrot, um wohlfeile sechseinhalb Dollar die Packung. Eigentlich eh recht billig, denn eine einzige Kugel Eis am Strand kostet noch deutlich mehr. Die Japanerinnen mit ihren Dior-Handtäschchen und Stöckelsandälchen scheint das nicht zu stören, die sich mit barfüßigen, gut gebräunten und gebauten Beachboys mit Board auf den Gehsteigen drängen.

135 Dollar für eine Surfstunde

Schönheit hat ihren Preis, den sich nicht alle mehr leisten können – oder wollen. Und so ist Oahu seit 2010 zum Abwanderungsgebiet geworden. "Die Lebenshaltungskosten sind einfach zu hoch", sagt Sam, der junge Surfboardvermieter, der 35 Dollar Leihgebühr pro Stunde verlangt. Dafür ist der tägliche Sonnenuntergang in Waikiki gratis, wenn sich nicht gerade wieder eine Wolkenbank am Horizont in das Geschehen oder eine mormonische Großfamilie aus Salt Lake City ins Bild drängt. Oder eine Hochzeitsgesellschaft. Oder ein Trupp Surfanfänger mit Lehrer, die für eine einzige Surfstunde jeweils 135 Dollar, ohne Taxen und Trinkgeld, hinblättern.

Abends kann es jedenfalls eng werden am Strand. Schnorchelparadiese wie Hanauma Bay, die längst gebühren- und reservierungspflichtig geworden sind, werden oft wegen Überfüllung lange vor Mittag geschlossen – in Waikiki kann das nicht passieren. Aber allein werden Sie dort nie sein. Menschenleerere, idyllischere Strände sind ostwärts, wer dem Trubel entkommen will: Waimanalo oder Lanikai Beach bei Kailua etwa, der von National Geographic unter die Top Fünf der weltweit besten Strände gereiht wurde. Bloß hinzukommen kann schwierig sein, denn günstig geht das nur mit TheBus, dem öffentlichen Busnetz, das auf Oahu – im Gegensatz zu den anderen Inseln – bestens ausgebaut ist. Mit einem kleinen Leihauto sind Sie auf Oahu um 150 Dollar am Tag dabei, falls Sie überhaupt noch eines ergattern. Der Nachholbedarf an polynesischem Urlaub scheint nach zwei Corona-Jahren ungeheuer zu sein, nicht nur vom amerikanischen Festland aus. Allein Oahu verzeichnete knapp sechs Millionen Touristen jährlich, bevor die Pandemie das globale Leben zum Erliegen brachte. Wer darauf einen heben will, geht – erraten – zu ABC, kauft ein paar Flaschen Corona-Bier und genießt die wiedergewonnene Freiheit. Duke hätte das wohl gefallen. Und Paul Kuhn hat sich jedenfalls geirrt. Aloha, Hawaii!

mehr aus Reisen

Das Meer, ein Vulkan und das pulsierende Bodrum

Wo man Elefanten hautnah erleben kann

Mit der Klapperkiste durch Zentralasien

Ökologisch Reisen: Zug um Zug weit weg vom Flug

Lädt

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

3  Kommentare
3  Kommentare
Aktuelle Meldungen