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Reisen

Neues aus Big D.

Von Franz Michael Rohm   19. November 2013 00:04 Uhr

Dallas
Eine Stadt zwischen Longhorns, Big Business und Kultur.

50 Jahre nach dem Kennedy-Attentat zeigt Dallas, wofür die texanische Metropole heute steht. Neben Big Business legt man Wert auf Kultur, Ausgehen und Einkaufen.

"Come on in", dröhnt Bill Dewbre und breitet seine Arme aus, als wolle er alle Welt in seinem riesigen Western Store "Wild Bill’s" im historischen Viertel West End von Dallas willkommen heißen.

Wild Bill, breitkrempiger Cowboyhut und schwarze Kluft, ist ein kantiger Charakter wie J. R. Ewing, Held der Kult-TV-Serie Dallas. Mit Schauspieler Larry Hagman verband Bill eine lange Freundschaft. Als Hagman vergangenen November starb, ging Bill Dewbre zur Beerdigung. "Wir haben 1979 sein erstes Outfit zusammengestellt", erzählt Bill Dewbre "den weißen Stetson und die Stiefel."

Heute stehen J. R.s Stiefel wie Reliquien in einer Vitrine. Auch Musikgrößen wie Eric Clapton ließen bei Bill Maß nehmen. "Er hat Schlangenleder-Stiefel gekauft." Mit hunderten Hüten und mehr als tausend Paar Cowboystiefeln gehört Wild Bill’s zu den Geschäften von Dallas, die kaum ein Tourist auslässt. Zwischen 200 und 1000 Dollar muss man für Stiefel auslegen, Cowboyhüte kosten ab 90 Dollar.

Groß, am liebsten am größten, das mögen die Menschen von Dallas. "Big things happen here", wirbt die Stadt, und vielleicht sind die 1,3 Millionen Einwohner bei ihren Nachbarn aus Houston, San Antonio und Austin deshalb nicht immer beliebt, weil sie so vehement die Nummer 1 sein wollen.

Größter Art District der USA

Diese Attitüde bekam durch die Wirtschaftskrise in den 1980er und 1990er Jahren einen Dämpfer. Mittlerweile aber boomt die Stadt des Öl-Geldes, der Versicherungsfirmenzentralen und Halbleiterindustrie wieder. Man sieht es an der glitzernden Skyline, der weißen Brückenkonstruktion des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava über den Trinity River und dem derzeit größten Art District der USA mit zahlreichen Museen, Bühnen und Veranstaltungsorten.

Zu dessen Perlen gehört das von Renzo Piano entworfene Nasher Sculpture Center mit mehr als dreihundert Werken von Picasso, Rodin, Calder, Giacometti und Matisse und einem bezaubernden Skulpturengarten. Gleich nebenan befindet sich das Dallas Museum of Art mit einer vorzüglichen präkolumbianischen Sammlung, drei Straßen weiter steht das gewaltige Opernhaus der Stadt.

Wer nach intensivem Kunstgenuss einen Ort für Entspannung und Stärkung sucht, findet ihn nur zehn Fußminuten entfernt im 2012 eröffneten Klyde Warren Park. Die Grünfläche war früher Teil eines Freeway, der in einen Tunnel unter die Grasfläche verbannt wurde. Heute spielen Kinder auf sattem Grün, während die Eltern im Schatten von Bäumen mehr oder weniger gesundes Fastfood mümmeln. Das kauft man bei den Food-Trucks direkt am Park.

Im grellgelb und knallrot gestalteten Wagen von Crazy Fish verkauft Tenielle Powers frisch gemachte, preiswerte Sushirollen. Die 36-jährige Australierin kam nach Dallas, weil sie vom angenehmen Klima, den freundlichen Menschen und der Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Geschäftsideen gehört hatte. Sie schwärmt von kleinen Galerien, Cafés, Bars und aufgeschlossenem Publikum, das in der "Fleischesserstadt Dallas exotische Kost wie Sushi schätzt".

Wenn sie nach ihrem 60- bis 80-Wochenstunden-Job noch Zeit hat, besucht sie das Szeneviertel Bishop Arts District in Oak Cliff, fünf Meilen westlich von Downtown. In dem ehemaligen Lagerhaus-Viertel haben in den vergangenen Jahren Dutzende Cafés, BBQ-Lokale, feine Restaurants sowie Mode- und Accessoire-Geschäfte eröffnet. "Genau der richtige Ort, um abseits riesiger Malls nach Trends zu schauen und in angenehmer Atmosphäre zu entspannen", sagt Tenielle. Wenn sie Livemusik von Dixieland bis Hiphop hören möchte, besucht sie einen der Clubs im Downtown-Viertel Deep Ellum, zwischen East Elm Street und Commerce.

Als Tenielle vor vier Jahren in die Stadt kam, fuhr sie wie die meisten Besucher von Dallas an die Dealey Plaza. Dort, auf der Elm Street Richtung Osten fahrend, wurde am 22. November 1963 US-Präsident John F. Kennedy von tödlichen Schüssen getroffen. Zwei weiße Kreuze auf dem Asphalt markieren die Stellen, an denen die Projektile Kennedy in der offenen Limousine trafen.

Trauma 22. November 1963

Noch immer steht Ecke Elm Street und Houston Street das Backsteingebäude des ehemaligen Lagers der Landesschulbibliotheken. Aus dem sechsten Stock soll der mutmaßliche Attentäter Lee Harvey Oswald geschossen haben. Heute befindet sich in den Räumen das Sixth Floor Museum, in dem über das Attentat informiert wird.

Vor dem Museum starten Busse zur John F. Kennedy Memorial Tour. Teilnehmer fahren zum Parkland Hospital, in dem Kennedy nach dem Attentat für tot erklärt wurde, zum Theater, in dem Oswald festgenommen wurde, und zur Polizeizentrale, in deren Garage Nachtclub-Besitzer Jack Ruby den Attentäter zwei Tage nach der Tat erschoss.

Einen Block neben dem Museum gedenken Menschen des ermordeten Präsidenten im Kubus von Philip Johnson an der Memorial Plaza. "John F. Kennedys Ermordung ist ein Trauma für Dallas", sagt Bill Dewbre. Er ist sicher, es war ein Einzeltäter, und resümiert: "Die Menschen in Dallas halten den 35. Präsidenten der USA in ehrenvoller Erinnerung. Das Leben geht weiter, und Dallas ist heute eine ganz andere Stadt als vor 50 Jahren."

Weitere Aktivitäten:

Sixth Floor Museum at Dealey Plaza, 411 Elm Street, jfk.org
Wild Bill’s Western Store, 311 North Market Street, wildbillswestern.com
Musik: The Free Man, 2626 Commerce Street, Deep Ellum, freemandallas.com
Essen: Smoke Restaurant, 901 Fort Worth Ave, tägl. 8-22 Uhr, gehobenes BBQ und Südstaatenküche, preiswert, smokerestaurant.com

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