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Reisen

Eine Veranda zum Meer

Von Stefan Kalmar   16. Mai 2015

Eine Veranda zum Meer

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Bild 1/6 Bildergalerie: Hafenstadt Alghero: Eine Veranda zum Meer

Die Hafenstadt Alghero gilt als exklusives Stück katalanischer Kultur, das Siedler der Insel Sardinien hinterlassen haben.

Der Herr von gegenüber nickt freundlich, als ich die hölzernen Fensterläden öffne. Er nimmt gerade die Wäsche von den Leinen. Im Hintergrund richtet die Dame des Hauses den Frühstückstisch, und ein katalanisches Lied klingt aus dem Radio. Man könnte sich fast die Hand reichen, so schmal ist die Gasse. Sie ist Jahrhunderte alt. Wir nehmen die Frühstücks-Bons von der Kommode im Vorzimmer und klettern die steile Treppe hinab. Im Café ums Eck können wir sie einlösen. Wir sitzen im Freien, mit dem Rücken zu einem enormen Wehrturm. Der Cappuccino ist exzellent und die Cornetti noch warm.

Die schönste Stadt Sardiniens

Die Stadt erwacht erst, nur an der Theke lehnen einige Beamten und Polizisten. Das Lokal heißt "der Richter", wegen der Gäste aus dem nahen Gericht. Ein Großteil der Einwohner von Alghero spricht außer Italienisch und Sardisch auch Katalanisch, denn die Krone von Aragon herrschte 400 Jahre über die Insel. Nach dem Aufstand von 1354 wurde die Stadt entvölkert und von Barcelona aus neu besiedelt. Auf katalanisch heißt sie "L’Alguer", und katalanische Einflüsse sind auch an der Architektur gut zu erkennen. Hochgeschossene Häuser, rosa, safrangelb und pastellblau verputzt, wechseln mit freigelegten, schlichten Steinfassaden.

Alghero gilt als die schönste Stadt Sardiniens. Besucher zieht es aber nicht nur in die mittelalterliche, sehr lebendige Altstadt, sondern auch zu den Traumstränden, die sich vom Stadtrand bis zum Capo di Falcone im äußersten Nordwesten der Insel reihen. Meerseitig umschließen hohe, massige Festungsmauern den historischen Kern auf einer Landzunge. Die Promenade auf der breiten Mauerkrone zählt zu den schönsten Flanierzonen am Mittelmeer. An den niederen Zinnen der Bastion schlendern die Leute vorbei, schön gedeckte Tische unter freiem Himmel laden zum Dinner ein. Sardische und katalanische Spezialitäten veredeln die Speisekarte, wo auch die Paella nicht fehlen darf. Und all das vor der Traumkulisse der Bucht von Alghero und den Klippen des Capo Caccia. Wie eine Veranda zum Meer präsentiert sich die Stadt.

Likör, rote Korallen und Musik

Jede Menge Spaß verheißt die Maracaibo Bar an der feinsandigen Spiaggia di San Giovanni. Ein Radweg begleitet den Strand vier Kilometer vom Jachthafen bis zu den geschützten weißen Dünen und Pinien der Spiaggia Pia Maria. Der Strand fällt sacht ins Meer ab und eignet sich gut für Kinder. An der Summer Beach Bar passt ein Mirto, schließlich wächst der Myrtenstrauch rundum. Der Lieblings-Likör der Sarden wird aus seinen Beeren gewonnen. In dem für externen Verkehr rigoros gesperrten Centro Storico hebt das Summen der vielen Stimmen bis zum Dinner an, um erst gegen zwei Uhr nachts zu verebben. In jeder Gasse leuchten rote Korallen aus den Auslagen. Alghero hat eine lange Tradition in der Herstellung von Korallenschmuck, allerdings stehen die Korallenbänke vom Capo Caccia heute unter strengem Artenschutz und die Korallen kommen aus Fernost. Nirgendwo auf Sardinien gibt es mehr Musik, Hotels und Restaurants, auch der Sporthafen sucht seinesgleichen. Ins Restaurant "Al Fico" kommt man nicht nur wegen Küche und Keller, sondern auch wegen der namhaften Musiker, die dort auftreten. Fabio Melis, der bereits in Wien gastierte, ist ein Virtuose auf der dreirohrigen Launedda. Diese sardische Hirtenflöte wird nur mehr von wenigen Musikern gespielt. Wie ein Dudelsack wird sie ohne Unterbrechung geblasen, nur anstatt mit Hilfe eines Balges mit spezieller Atemtechnik.

Mit dem Rad zum Traumstrand

Auf Straßen und Plätzen sind Rock- und Jazzmusik erster Güte zu hören und in heißen Sommernächten kann im "El Tro" getanzt werden. Allerorts wird zwanglose Heiterkeit sichtbar, von bunt beklebten Konservendosen an Hausmauern für Blumen ebenso wie für Zigarettenstummel, bis hin zu Snackbars, die 24 Stunden lang geöffnet haben und ein beliebter Treffpunkt sind.

Am Hafen bei der Altstadt kann gratis geparkt werden, doch mit dem Fahrrad sind alle Strände, selbst die mit 60 Kilometer am weitesten entfernte Spiaggia della Pelosa, auf ebener Strecke erreichbar. Bloß zum Capo Caccia müssen 200 Höhenmeter bewältigt werden. Der Blick dort auf die weißen Kalkfelsen und das türkisblaue Meer lohnt ebenso wie die Grotta di Nettuno. In der Höhle spiegeln sich ganze Wälder aus Tropfsteinsäulen im Wasser. Ein verstecktes Idyll kleiner Sandstrände schmiegt sich ans Ende der Bucht von Alghero. Weiter, in der Bucht von Porto Conte, liegt der geschützte, strahlend weiße Strand von Mugoni. Ein besonderes Augenmerk gilt Argentiera, mit feinem Kies pittoresk bei einem verfallenen Silberbergwerk, 35 Kilometer entfernt von Alghero gelegen. Hier bauten bereits die Römer Silber und Eisen ab.

Auch der äußerste Nordwesten steckt voller Überraschungen. Mit etwas Glück entdecken wir einen fahrenden Händler mit altem Hausrat, geklöppelten Spitzen oder einem Trichtergrammophon um einen Bruchteil des Marktwertes. Im provinziellen Porto Torres überrascht die monumentale Basilika San Gavino, einer der bedeutendsten romanischen Bauten Italiens und das größe Bauwerk auf Sardinien. Die dreischiffige Basilika entstand zeitgleich mit dem Dom zu Pisa, und verweist auf langobardische Baumeister. Schließlich treffen wir vor den Toren der Stadt auf den prähistorischen Altar von Monte d’Accoddi. Der neun Meter hohe Pyramidenstumpf ist einzigartig im Mittelmeerraum und nur mit dem Tempelturm Babylons vergleichbar. Wie dort gefundene Keramik könnte er auf die Anwesenheit von Menschen aus dem Zweistromland hinweisen. Hier offenbart sich ein letztes Mal die typische Verbindung von Kultur und Erholung.

 

Die Hafenstadt erleben

Alghero bietet neben der eindrucksvollen Kulisse auch eine Menge an Kulinarik, Kunst und Kultur. Von Straßenhändlern bis zu antiken Gebäuden und malerischen Stränden ist für jeden Reisenden etwas dabei. Die Anreise ist zumindest von Bratislava unkompliziert.

Direktflüge nach Alghero bieten sich von Bratislava an. Von der slowakischen Hauptstadt fliegt man mit
RyanAir auf die zweitgrößte Insel des Mittelmeers. Alghero hat einen internationalen Flughafen, der die Stadt ganzjährig auch mit Rom und Mailand verbindet. Mit dem eigenen Pkw gestaltet sich die Fahrt nach Sardinien schon etwas anspruchsvoller. Es gilt den Fährhafen Olbia zu erreichen und von dort nach Alghero überzusetzen. Informationen finden sich unter: www.ryanair.com und traghettiweb.it

Eine Unterkunft findet der Urlauber in der Stadt schnell, denn nirgendwo auf Sardinien gibt es mehr Hotels als in Alghero. Eine Empfehlung ist das „Vecchia Alghero“. Mitten in der pittoresken Altstadt gelegen, stellt es den optimalen Ausgangspunkt für lange Spaziergänge und nächtliche Ausflüge dar. Ein typisches Frühstück ist inbegriffen, in der Lounge Bar kann man den ganzen Tag lang zu heißen Snacks und Getränken greifen. Wer noch ruhiger in den Urlaub starten will, dem sei das Hotel „San Francesco“ ans Herz gelegt. Die Ruhelage im Kloster verspricht Idylle und das Frühstück im Kreuzgang eine besondere Atmosphäre. Informationen unter: www.sanfrancescohotel.com

Kulinarisch verwöhnt wird der Gast in Alghero in zahlreichen Restaurants und Imbissen. Im „Bella Napoli“ an der Piazza Civica gibt es eine rasche Bedienung und große Portionen. Auch das kleine „Zicaffé“ ist einen Besuch wert. In der Via C. Alberto gelegen, kann man den kleinen Hunger mit frischen Salaten und kleinen Appetithäppchen stillen.

Das Museum in der Via Roma in Sassari, der zweitgrößten Stadt Sardiniens, sollte ein Fixpunkt bei jedem Besuch auf der Insel sein. Es beherbergt wertvolle archäologische Fundstücke aus der Römerzeit und aus dem Mittelalter. Doch das Museum widmet sich nicht nur dem Altertum. Es bietet zusätzlich eine ethnographische Sektion und eine kleine Pinakothek.

Ins Reich der Toten können Besucher neun Kilometer nördlich von Alghero eintauchen. Die Nekropole Anghelu Ruju zählt insgesamt 36 unterschiedliche Gruften, in denen Besucher den Totenkult der Frühzeit nachempfinden können. Die Gräber stammen aus unterschiedlichen Epochen und zeigen die verschiedenen architektonischen und kulturhistorischen Stile auf. Auch die Totenstadt Santu Pedru zwischen Alghero und Uri ist einen Abstecher wert.

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind breit gefächert. Beginnend bei der Chiesa di San Michele, einer historischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert, bis hin zu den 168 Meter hohen Kalksteinklippen „Capo Caccia“ nördlich der Stadt. Die Bewohner nennen ihre Stadt Klein-Barcelona, was auf die katalanischen Wurzeln der Region hinweist. Nur noch wenige Familien geben aber den katalanischen Dialekt an ihre Kinder weiter. Verschiedene Vereinigungen haben sich zum Schutz der Sprache zusammengetan. 

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