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Reisen

Allein, aber nicht einsam

Von Andreas Kremsner   27. Januar 2015 00:04 Uhr

Allein, aber nicht einsam
Ohne viel Worte. Kanada ist ein Land mit viel, viel Vielfalt.

Vier Monate lang ist die Linzerin Silvia Greindl mit ihrem Wohnmobil allein quer durch Kanada und Nordamerika gefahren. Warum? Aus Sehnsucht nach Land, Leuten und wilden Tieren.

Die beste Zeit für da drüben ist das Frühjahr. Im Sommer ist genauso viel Wirbel wie in Österreich", sagt Silvia Greindl. Und genau den wollte sie vermeiden. Vier Monate hat sie Pläne geschmiedet und wieder über den Haufen geworfen, bevor dann im vergangenen Mai alles für den langen Urlaub bereit war. Weil mieten zu teuer gewesen wäre, hat sie sich kurzerhand ein gebrauchtes Wohnmobil in Kanada gekauft. Bis heute weiß sie nicht, ob ihr Gebrauchter 24 oder 26 Fuß lang ist. Es ist ihr auch egal. Aber der Wagen hat sie in den ganzen vier Monaten ihres Urlaubes nicht einmal im Stich gelassen, das ist wichtig! Mehr als 20.000 Kilometer ist sie quer durch die Landschaft gefahren. Von Calgary in Kanada über Montana, Wyoming, Seattle und dann streng Richtung Norden bis zum Yukon.

Tagelanges Schweigen

Die Auszeit ist genau so verlaufen, wie sie es sich vorgestellt hat. Oft hat sie tagelang nicht geredet, weil die Besiedelung oft ohnehin keinen Zuspruch zuließ. "Ich habe machen können, was ich wollte. Ich bin bis Mittag im Pyjama geblieben und habe mich nicht geschminkt. Ich bin losgefahren, wann ich wollte, hab gegessen, wann es mir gepasst hat. Wenn ich das Frauen erzählt habe, denen ich begegnet bin, haben alle gesagt, dass ihnen das gefällt. Im Gegenzug konnten die Männer damit nichts anfangen: ‘Ohne Mann, ohne Waffe, viel zu gefährlich‘."

Dass man in der Gegend auch Anfang Mai mit Schnee und Eis rechnen muss, hat die Linzerin am eigenen Leib erfahren: "Ich musste des Öfteren einen Umweg machen, weil Straßen gesperrt waren. Aber ich hatte ja keine Eile."

Geisterstädte, Flüsse, Seen, den Yellowstone-Nationalpark, Rodeos und viel Einsamkeit hat sie in den vier Monaten auf dem amerikanischen Kontinent erlebt. Im Hochsommer kamen die Waldbrände, oft war der Himmel den ganzen Tag über durch Rauch verdunkelt. Als dann die Campingplätze langsam voller wurden ("Da hat‘s mir gereicht"), ist sie kurzerhand mit dem Wohnmobil den Alaska Highway Richtung Norden gefahren. Bis nach Alaska hat es sie verschlagen. Nach ganz oben, wo eine Goldgräberstadt die nächste abwechselt. Dort, wo man den Grizzlys hautnah beim Lachsfischen zusehen kann, in nur einigen Metern Entfernung.

Ihr Wohnmobil hielt immer brav durch. Auch auf einen Gletscher ist sie damit gefahren, obwohl Warnschilder es ausdrücklich verboten hatten. "Ein Park-Ranger hat mich gefragt, ob ich ein bisschen verrückt bin. Doch als ich ihm gesagt habe, dass ich Österreicherin bin, hat er mich weiterfahren lassen", sagt Greindl und grinst: "Wir Österreicher sind dort oben als praktische Menschen bekannt und haben einen guten Ruf, auch als Fahrer."

Es waren vier tolle Monate, sagt sie: "Ich hab oft nicht gewusst, welcher Tag gerade ist." Doch alles hat ein Ende, auch ein vier Monate langer Urlaub. Als das nahte, entschloss sich Greindl kurzerhand, den Wagen zu behalten. Er wurde abgemeldet, auf einem Campingplatz untergestellt und wird in einigen Wochen revitalisiert.

Im Sommer verbringt sie wieder zwei Monate in Kanada. Diesmal begleitet sie der Sohn einer Arbeitskollegin, der bereits die Tage bis zur Abfahrt zählt. "Er ist zwar noch nie in Kanada gewesen, aber trotzdem bereits ein totaler Fan", sagt die Linzerin.

Mannerschnitten und Co.

So richtig günstig war der Roadtrip im vergangenen Jahr nicht. Alles zusammen kostete er rund 30.000 Euro, die Hälfte davon das Wohnmobil. Und das wird noch weiter benützt. Vor allem der Sprit und das Essen sind in Kanada überdurchschnittlich teuer. Nicht gerade deshalb, aber trotzdem hat sich die abenteuerlustige Frau Lebensmittel aus Österreich mitgenommen: Kaffee, Vollkornbrot, Kürbiskernöl, Mannerschnitten und Mozartkugeln waren im Reisegepäck. "Ich hab fast immer selbst gekocht. Nudeln, Soße, und wenn ich Lust darauf hatte, ein Feuer zu machen, gab‘s ein gutes Steak, ein richtig großes", sagt sie und lacht, als dufte es gerade wieder nach einem saftigen Stück.

"Ich habe unheimlich viele nette Leute kennen gelernt. Wir sind oft beim Lagerfeuer gesessen, haben Whisky getrunken und die ganze Nacht geredet. Dazu die Wildnis, Wölfe, Bären, Büffel. Eine perfekte Auszeit."

Zur Person

Name: Silvia Greindl aus Linz

Geboren: 1969

Beruf: Angestellte

Fotografie: hat aus Platzgründen nur eine kleine Kamera mitgenommen. Dafür sind ihre Fotos aber richtig schön "groß" geworden.

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