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Tierisch beste Freunde

Hunde in Teetassen-Größe Niedlicher Trend oder Tierquälerei?

Von Ulrike Griessl  17. Juni 2020 00:04 Uhr

Hunde in Teetassen-Größe Niedlicher Trend oder Tierquälerei?
Der Chihuahua ist die kleinste Hunderasse, die vom Internationalen Kynologenverband anerkannt wird.

In Österreich ist die Zucht von Miniaturhunden verboten, aber der Handel im Internet blüht.

Bei manchen sieht man erst auf den zweiten Blick, dass es keine Stofftiere, sondern Lebewesen sind: Sogenannte Teacup-Hunde, also Hunde, die so klein sind, dass sie in eine Teetasse passen. Sie sind maximal 23 Zentimeter groß, wiegen etwa eineinhalb Kilogramm, kosten mehr als ein Motorroller und haben teilweise Hunderttausende Abonnenten auf Instagram und Facebook. Tierschützer sehen die Zucht der niedlichen Statussymbole, die oft wie Modeaccessoires oder Spielsachen präsentiert werden, kritisch: Die Tiere seien häufig degeneriert und besonders krankheitsanfällig.

Die deutsche Hobbyzüchterin Ivonne Winter aus Hanau nahe Frankfurt ist auf Teacup-Pudel spezialisiert. Sie freut sich über die große Nachfrage, die deutlich höher sei als das Angebot. "Jeder will jetzt einen Teacup-Hund haben, aber man hat sie ja nicht in den Regalen sitzen." Die Zucht ist laut Winter zeit- und kostenintensiv. Gerade die Welpen bräuchten besonders viel Zuwendung.

Massive Kritik

Aber wie werden die Winzlinge überhaupt herangezüchtet? "Man sucht sich die schwächsten und kleinsten Tiere aus einer Zucht aus, um mit denen wieder zu züchten", erklärt Daniela Schrudde, Leiterin der Welt-Tierschutzgesellschaft. Das sei wider die Natur. Die typischerweise großen Augen, der große Hinterkopf und die kleine Nase entsprächen zudem nicht der Anatomie eines gesunden Hundes.

"Derartige Merkmale prägen sich nicht aus, wenn man sorgfältig züchtet und reine Teacup-Hunde miteinander verpaart", behauptet Ivonne Winter. Die Mutterhündin müsse mindestens 20 bis 23 Zentimeter groß sein, und auch der Rüde müsse größenmäßig zu ihr passen. "Es können durchaus mal kleinere Welpen fallen, die sind dann aber nicht für die Zucht geeignet", sagt Winter. Ihre Minipudel seien genauso gesunde Hunde wie jeder Klein- oder Großpudel. Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, sieht das jedoch ganz anders. Sie berichtet von Tieren, die häufig zittern, weil ihre Körpertemperatur zu niedrig sei. Ein weiteres Problem sei Unterzuckerung: Diese könne schon durch eine verpasste Mahlzeit entstehen und schlimmstenfalls in den Tod führen. Auch Fehlentwicklungen am Kopf, etwa infolge von erblich bedingt nicht zusammenwachsenden Knochenspalten, seien zu beobachten. Dazu seien die Knochen bei Teacup-Hunden generell sehr fragil und die Augen unproportional groß, was die Verletzungsgefahr laut Hoth fördere.

Mindestgröße: 20 Zentimeter

"Große Augen sind in Deutschland nicht das Zuchtziel und stammen aus Amerika und Asien, genauso wie die runden Apfelköpfe und kurze Schnauzen", sagt Winter. Auch einen Welpen mit offener Fontanelle habe sie noch nie gehabt. Sie selbst züchte nur Tiere, die um die 20 Zentimeter groß seien. "Auch wenn viele Leute schon am Telefon sagen, sie möchten einen Teacup-Pudel, der nur 15 bis 16 Zentimeter groß wird, dann sind sie bei mir falsch und können sich gleich ein Stofftier kaufen."

Rechtlich scheint die Sache eindeutig: Denn nach dem Tierschutzgesetz sind sogenannte Qualzuchten sowohl in Deutschland als auch in Österreich verboten. Wenn Tiere gezüchtet werden, bei denen Körperteile oder Organe für ihren artgemäßen Gebrauch fehlen oder umgestaltet sind, dann handelt es sich um Qualzucht.

Zuchtverbot

"Wenn man sich Teacup-Hunde anschaut, muss man feststellen, dass dies praktisch immer zutrifft", sagt Daniela Schrudde. Die Umsetzung des Gesetzes in Form eines Zuchtverbotes ist aber offenbar trotzdem nicht so einfach. "Bisher gab es nur vereinzelt Urteile gegen Zuchten", sagt Lisa Hoth vom Deutschen Tierschutzbund. Dabei seien bestimmte Qualzuchtmerkmale wie etwa die Kurzköpfigkeit bereits bekannt und wissenschaftlich untersucht.

Hunde weltweit verschickt

Auf dem Onlineportal Instagram gibt es zahlreiche Seiten, die regelmäßig Fotos und Kurzvideos der winzigen Vierbeiner präsentieren. Oft stammen diese von professionellen Händlern, die besonders viele Nutzer erreichen. Die Instagram-Seite des Anbieters "Rolly Teacup Puppies" etwa hatte Anfang Juni 740.000 Abonnenten. Der Händler versendet die Winzlinge, die bis zu 8640 Euro kosten, in die ganze Welt.

Nach Angaben auf der Instagram-Seite sind die Tiere "kerngesund", was Gesundheitszertifikate belegen sollen. Doch gegen die Seriosität dieser Anbieter spricht laut Schrudde allein die Tatsache, dass die Hunde weltweit verschickt werden, ohne die künftigen Besitzer genauer zu kennen.

Expertenmeinung

Von den Rassestandards der Federation Cynologique Internationale (FCI, Internationaler Kynologenverband) sind Teacup-Hunde nicht erfasst. Unter der Dachorganisation vereinen sich Verbände von Hundezüchtern und -besitzern aus der ganzen Welt. Die kleinste Hunderasse, die von der FCI anerkannt wird, ist der Chihuahua, dessen Gewicht mit mindestens einem und höchstens drei Kilogramm angegeben wird.

Artikel von

Ulrike Griessl

Redakteurin Leben und Gesundheit

Ulrike Griessl
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