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So legt man eine Blumenwiese an

Von Karl Ploberger   30.April 2021

So legt man eine Blumenwiese an

Gartenfans träumen von einer Blumenwiese. Kein Wunder, denn einmal angelegt, muss man sie nur noch ein bis zwei Mal pro Jahr mähen. Passen Boden und Pflanzen, wird die Pracht außerdem von Jahr zu Jahr schöner. Definitiv etwas für intelligente Faule!

"Blumenwiesen sind unsere verlängerten Blumenbeete", erzählte Sir Christopher Lloyd einst bei einem Besuch in seinem Garten in Great Dixter in England, wo es noch viele herrliche naturnahe Wiesen gibt. Und genauso sehe ich das nach gut 30 Jahren Blumenwiesen-Gärtnern auch. Ich liebe exakte Rasenflächen genauso wie die gemähten Kräuterrasen mit Gänseblümchen und Gundelrebe, aber eine echte Blumenwiese ist etwas Einzigartiges. Und sie ist eine Oase für viele Nützlinge. Bienen finden Pollen und Nektar, Schmetterlinge tanzen von Blüte zu Blüte und so manche Vögel suchen hier gezielt nach Nahrung. Für uns Gartenfreunde sind die Wiesen aber über Wochen ein blühendes Paradies.

Allerdings darf man nicht glauben, für eine Blumenwiese reiche es, einfach den Rasen stehen zu lassen und ein paar Samen einzustreuen: So einfach geht es leider nicht, denn das schönste und größte "Blumenbeet" benötigt einige unbedingt notwendige Grundlagen. Boden abmagern und passend für den Standort die Pflanzen wählen ist aber oberstes Prinzip. Bevor es losgeht, gibt es noch ein paar Tipps:

Standort: Blumenwiese dort planen, wo man nicht Platz für die Gartengarnitur oder für den Fußballplatz der Kinder benötigt, denn: Diese Flächen darf man nicht betreten. Je sonniger der Platz ist, desto besser wird die Wiese gedeihen. Wird die Wiese komplett neu angelegt, dann Boden tiefgründig lockern, Humus entfernen und möglichst viel durchlässiges Material (Schotter und Sand) einfräsen. In der ersten Phase kommt man beim Anlegen der Wiese ins Schwitzen.

Erste Arbeiten: Flächen, die nicht zu stark gedüngt sind, kann man zu Blumenwiesen machen, indem man sie ganz kurz mäht und danach kreuz und quer sehr tief vertikutiert und das herausgerissene Material abrecht. Mindestens zwei bis drei Zentimeter Quarzsand aufstreuen und mit Federbesen einarbeiten. Nun einige Tage warten und eventuell rasch keimende Unkräuter entfernen. Eventuell noch einmal vertikutieren und standortgerechte Wiesenblumen aufstreuen.

Blumenauswahl: Ein großer Trend zurzeit sind sogenannte Aussaatmischungen, die zum Großteil aus einjährigen Blütenpflanzen bestehen. Sie sind, was die Bodenbedingungen betrifft, nicht so empfindlich und bringen schon nach wenigen Wochen eine eindrucksvolle Blütenvielfalt. Enthalten sind in solchen Saatgutmischungen neben Ringelblumen, Kornblumen, Kornrade, Mohn und Klee viele andere "flotte" Blüher. Wirkliche Pflege benötigen sie nur in der ersten Phase. Die Keimlinge dürfen nie austrocknen.

Pflanzen vorziehen: Man kann die Wildblumenpflanzen auch in Töpfen vorziehen. Das macht sie robust und so kräftig, sodass sie sich auch gegen die stark wachsenden Gräser durchsetzen können. Zum Pflanzen werden entweder kleine Rasenstücke ausgestochen oder der Rasen tief abgemäht und die mehrjährigen Pflanzen, wie Storchschnabel, Salbei, Schafgarbe etc. gesetzt. Wiesenblumensamen kauft man am besten bei Profis. In Österreich sind dafür die Voitsauer Wildblumensamen in Niederösterreich die beste Adresse. (www.wildblumensaatgut.at).

So legt man eine Blumenwiese an

Meine flotte Blumenwiese

Die Wiese hinter meinem Wohnhaus war bis vor 29 Jahren eine typische Bauernwiese, die mehrmals pro Jahr gemäht und intensiv gedüngt wurde. Das zeigte sich rasch, als ich die Wiese einmal bis in den Juni hinein wachsen ließ: Die Gräser erreichten eine Höhe von mehr als eineinhalb Metern!

So begann ich den Boden mit Quarzsand abzumagern und befolgte den Tipp, den mir die britischen Gärtner gaben: Blumenzwiebeln setzen! Also legte ich Schneeglöckchen und Krokusse in die Erde. Narzissen und sogar einige Wildtulpen folgten und zu guter Letzt kam das von mir so geschätzte Allium. Den Zierlauch gibt es bei mir in vielen Sorten: „Globemaster“ ist mein Favorit, bewährt hat sich aber auch A. aflatunense (Iranlauch), das weiße Allium „Mont Blanc“ und A. „Purple Sensation“. Gepflanzt habe ich alle Blumenzwiebeln im Herbst so: Mit einem Spaten einen Rasenziegel ausheben (sieht aus, als ob der Maulwurf gewütet hatte), den Boden etwas lockern, einige Hornspäne einstreuen und die Zwiebeln in die Erde legen. Mit etwas Kompost auffüllen und den Rasenziegel wieder auflegen und vorsichtig festtreten.

Jedes Jahr habe ich diese Blumenwiese mit immer neuen und immer anderen Sorten und Arten ergänzt. Jetzt blühen gerade einige Tausend Narzissen. Später sehen dann zwischen den hohen Gräsern die Blüten von Zierlauch & Co fantastisch aus. Durch das Mähen und Entfernen des Mähguts wurde der Boden magerer und allmählich etablieren sich auch Blumenwiesen-Blumen. Gemäht wird nun zwei Mal pro Jahr: Anfang Juli und dann im September. Das Mähgut lasse ich abtrocknen und wende es mehrmals, damit alle Samen (auch vom Zierlauch) ausfallen. Das Heu wird kompostiert und damit wieder zu Dünger.

 

Das ist jetzt im Garten zu tun

  • Fast alle Kübelpflanzen sind bereits aus dem Winterquartier im Freien. Nur meine Citrus lasse ich vorsichtshalber noch bis nach den Eisheiligen geschützt aufgestellt.
  • Auch die Balkonblumen werden nun gepflanzt. Als Erde verwende ich torffreie Fertigerde, die ich mit etwas Kompost, organischem Langzeitdünger (Hornspäne, Schafwollpellets etc.) und einem Bodenaktivator mische.
  • Die im Frühjahr blühenden Schneeglöckchen, Krokusse, Narzissen und Tulpen stehen zum Teil noch in voller Blüte oder sind schon abgeblüht. Nun heißt es für die Zwiebeln Kraft sammeln fürs nächste Jahr. Die Pflanzen werden (vor allem im Topf) so lange gegossen, bis die grünen Blätter vollkommen braun und eingezogen sind.
  • Im Gemüsegarten wird nun gesät und gepflanzt. Nur Bohnen, Gurken, Zucchini, Kürbisse, Tomaten bleiben noch im Warmen.
  • Rasen düngen, nach dem ersten Mähen – falls überhaupt notwendig – vertikutierten. Dann gleich nachsäen und evtl. Unebenheiten mit sandiger Erde auffüllen.

Gartenfragen: Der Biogärtner weiß Rat

Wir mulchen mit Heu aus der Tierhandlung, doch die Pflanzen gedeihen nicht so recht. Ist das Heu behandelt?

Nein, sicherlich nicht. Mulchen Sie nicht zu stark, lassen Sie zuerst die Erde erwärmen und denken Sie ans Düngen. Heu bindet am Beginn Stickstoff beim Verrotten.

Ich will kein Kunststoffvlies zum Befestigen eines Hanges verwenden. Gibt es Alternativen?

Ich würde mir Jute besorgen – dieses Gewebe ist völlig harmlos. Es verrottet, gibt aber in der Anfangsphase Halt. Unbedingt die Fläche mit Gehölzen und Saatgut festigen. Als Gehölze geeignet sind etwa Sanddorn, Schlehe, Dünenrose (sie alle machen Ausläufer) und halten den Boden fest.

In meinem Garten sind Maulwurfsgrillen. Was tun?

Die Maulwurfsgrillen haben ihre faustgroßen Nester in 20 bis 30 Zentimetern Tiefe. Dort befinden sich Hunderte Eier. Genau darüber werden alle Pflanzen abgebissen, damit die Sonne die Erde erwärmt. Gießen Sie mit Nematoden (biohelp.at) – es sind mehrere Behandlungen nötig.

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25. September 2021