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Garten

17-Jähriger lernt in Monets Garten die Malkunst

Von Karl Ploberger 09. August 2019 00:04 Uhr

GIVERNY. Karl Plobergers Garten-Reisereportage auf den Spuren des Impressionisten.

Es ist sicherlich einer der meistbesuchten Gärten, die es gibt: das Pflanzenparadies des französischen Impressionisten Claude Monets westlich von Paris in Giverny. Ein 17-jähriger Hartkirchner ist nun dort, um die Kunst des "Malens mit Pflanzen" zu lernen.

"Ich kann nur malen und im Garten arbeiten", soll Claude Monet immer gesagt haben. Giverny ist heute über diese Leidenschaft glücklich – jedenfalls teilweise. Denn sein rekonstruiertes Gartenparadies ist heute ein Touristenmagnet. 700.000 kommen pro Jahr, und kaum geht am Morgen die Tür auf, ist das einstige Garten-Atelier des Künstlers dicht mit Besuchermassen gefüllt. Dutzende Busse kommen pro Tag, und im Fünf-Minuten-Takt werden sie in den Garten eingelassen. Bis zu 4000 an einem einzigen Tag.

Thomas Lehner aus Hartkirchen

"Der Garten ließ mich nicht los"

Diesen Pilgerort für Garten- und Kunstliebhaber hat sich Thomas Lehner aus Hartkirchen als Ort gewählt, um sein Praktikum zu absolvieren. "Ich wollte immer im Ausland Erfahrungen sammeln und fand beim Surfen im Internet plötzlich diesen Garten, der mich nicht mehr losließ", erzählt der Schüler der HBLA Ybbsertal für Umwelt und Wirtschaft. Nach ein paar E-Mails stand fest: Er darf dort gärtnern, wo sich einst Monet seine Ideen für die nun millionenteuren Bilder holte.

Der Garten hat eine bewegte Geschichte. Zehn Jahre lang lag das jetzige opulente Blütenparadies im Dornröschenschlaf. Viele Bewohner von Giverny erinnern sich an die Zeiten, als sie in dem "Dschungel" als Kinder spielten – ehe der Kurator der Akademie der schönen Künste, die Haus und Garten geerbt hatte, den Garten revitalisierte. Anhand der vielen Bilder des Künstlers und der Fotografien, die damals schon gemacht wurden.

Allein vom berühmten Seerosenteich und der Brücke mit dem Blauregen hat Monet mehr als 40 Bilder gemalt und so den Garten für die Ewigkeit festgehalten. Thomas Lehner darf nun mit den Gärtnern dieses Gesamtkunstwerk pflegen. Ein Prinzip von Monet war, dass er die Beete ganz dicht bepflanzte. "Man sollte keine Erde sehen", erklärt Lehner.

So werden den ganzen Sommer über immer wieder Pflanzen in die Lücken gesetzt. Freilich: farblich abgestimmt, denn das war für Monet das Um und Auf. So strahlen manche Beete in kräftigem Gelb, während andere in Rot- und Rosatönen leuchten. Eben ein Malen mit Pflanzen, wie das viele Gartengestalter immer als ihr Motto empfehlen.

Mehr als 20 Seerosen-Sorten

Hauptanziehungspunkt ist der große Teich, den Monet künstlich anlegen ließ. Darin wachsen mehr als 20 Seerosen. Damit immer der Eindruck erhalten bleibt, wie ihn Monet festgehalten hat, müssen die Gärtner die einzelnen Pflanzen Woche für Woche verkleinern und die äußeren Blätter entfernen. So entstehen die inselgleichen Seerosen-Teppiche. Thomas Lehners Aufgabe war einmal, eine Woche lang von einem kleinen Boot aus diese Arbeit durchzuführen. "Algen fischen und Seerosenblätter abschneiden war zwar die Arbeit", erzählt der junge Hartkirchner, doch tatsächlich war er mehr Fotomodell, denn die tausenden Besucher knipsten, als gebe es kein Morgen, freut er sich über die Berühmtheit, die er erlangt hat.

Pflanzenexperte Karl Ploberger traf ihn übrigens bei den Dreharbeiten für seine neueste Gartenreise-Reportage über sein "Garten-Rendezvous in Paris". Zu sehen am 25. August, 17.50 Uhr in ORF 2.

Drei Fragen an Thomas Lehner

Warum bist du gerade auf Monets Garten gekommen?
Ich war von Beginn an begeistert von der Vielfalt und der Natur, von dem, wie sie hier jetzt versuchen, das Bild und das, was Claude Monet vermitteln wollte, wieder darzustellen. Für mich ist das eine Ehre, in diesem Garten arbeiten zu dürfen.

Möchtest du einmal Gärtner werden?
Ich möchte gerne an der Universität für Bodenkultur Biologie studieren und dann in Richtung Landschaftsplanung weitergehen.

Möchtest du gerne einmal ein „kleiner Monet“ werden? Wie sieht dein Gartenstil aus?

Es ist das genau mein Stil, wenn die Vielfalt da ist, wenn es bunt ist, und ich mag es überhaupt nicht, wenn alles extrem auf Zentimeter zurückgeschnitten werden muss. Das ist ganz und gar nicht meine Vorliebe.

Artikel von

Karl Ploberger

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