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Gesundheit

"Zu viele unnötige Rücken-OPs"

Von Ulrike Griessl 14. August 2019 00:04 Uhr

"Zu viele unnötige Rücken-OPs"
Der Orthopäde Alexander Kraft (im Bild rechts) bei der Behandlung einer Patientin.

Wiener Facharzt für Orthopädie kritisiert, dass Mediziner oft voreilige Diagnosen stellen, ohne ihre schmerzgeplagten Patienten eingehend untersucht zu haben.

Kreuzweh führt laut Statistik die Hitparade der Volkskrankheiten an. Laut den "Österreichischen Gesundheitsbefragungen leidet etwa ein Viertel der Bevölkerung ab 15 Jahren (1,76 Millionen Menschen) unter chronischen Rückenbeschwerden. "Trotzdem gibt es noch immer keine klaren Richtlinien zur Behandlung", bedauert der Wiener Orthopäde Alexander Kraft.

Zudem würden Fachärzte Schmerzen von Patienten häufig bagatellisieren und nicht eingehend genug untersuchen. "Schmerzmittel werden verschrieben, ohne die Ursachen der Erkrankung genau abzuklären, oder es wird zu schnell und zu häufig operiert", kritisiert der Facharzt in seinem Buch "Messer weg". Die OÖNachrichten haben mit Alexander Kraft gesprochen.

OÖN: Warum glauben Sie, dass orthopädische Chirurgen in Österreich zu oft operieren?

Alexander Kraft: In meiner knapp 40 Jahre langen Berufskarriere bin ich allzu oft auf Patienten gestoßen, die trotz jahrelanger Beschwerden nie eine exakte Diagnose der Ursache bekommen hatten und dennoch operiert worden sind. Leider hat nur die Hälfte der heimischen Orthopäden eine manualmedizinische Ausbildung, die zusammen mit Magnetresonanz-Tomographie und Röntgenaufnahmen eine exakte Ursachenfindung für die Schmerzen möglich macht. Manchmal sind aber auch Patienten zu ungeduldig, um sich auf eine zeitaufwändige Therapie einzulassen, und bestehen auf einer OP. Sie denken, diese würde sie rasch von ihren Schmerzen befreien. Doch leider ist das oft ein Trugschluss.

In welchen Fällen ist eine Operation hilfreich?

Im Halswirbelbereich ist eine Bandscheiben-OP unausweichlich, wenn Lähmungserscheinungen auftreten oder die Feinmotorik gestört ist, sodass man nicht mehr greifen oder Knöpfe zumachen kann. Dasselbe gilt, wenn eine Bandscheibe so weit nach hinten gewölbt ist, dass sie auf das Rückenmark drückt und beim Patienten Probleme beim Gehen hervorruft. Im Bereich der Lendenwirbelsäule muss operiert werden, wenn Blasen- und Mastdarmlähmungen bestehen.

Wie findet man einen Arzt, dem man vertrauen kann und der nicht zu rasch zum Skalpell greift?

Ich rate, darauf zu achten, ob sich der Kollege Zeit nimmt, die Blockaden genau anzuschauen. Am besten ist es, wenn der Orthopäde die Röntgenbilder selbst interpretiert und zusammen mit manualmedizinischen Untersuchungsmethoden eine exakte Diagnose erstellt.

Sind Mieder bei Rückenschmerzen hilfreich?

Mieder sind nur kurzfristig bei starken Schmerzen durch Entzündungen sinnvoll. Wenn man über lange Zeit ein Mieder trägt, wird die meist ohnehin schwache Muskulatur nur noch mehr geschwächt. Das ist natürlich kontraproduktiv. Wer Rückenprobleme hat, sollte seine Muskulatur unbedingt konsequent trainieren. Zu wenig Bewegung schadet den Patienten, man kann Bandscheibenprobleme nicht durch Liegen beheben.

Werden Rückenprobleme oft von psychischen Beeinträchtigungen begleitet?

Ja, keine Frage. Aber man kann psychische Probleme nie als alleinigen Verursacher der Schmerzen ansehen. Daher reicht auch Psychotherapie alleine keinesfalls aus, um die Rückenprobleme zu beheben. Man muss unbedingt auch einen Orthopäden konsultuieren, damit die Ursache der Beschwerden diagnostiert und die richtige Therapie eingeleitet werden kann.

Buchtipp: "Messer weg", Alexander Kraft, deltaX-Verlag, 18,60 Euro

Artikel von

Ulrike Griessl

Redakteurin Leben und Gesundheit

Ulrike Griessl
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