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Wie Kinder die Lust am Leben verlieren

Von Daniela Dahlke   28.Januar 2021

Corona: Kinder sind belastet, nicht traumatisiert
Mädchen haben mehr Angst.

Kinder und Jugendliche leiden seit Beginn der Krise besonders unter der Isolation, die Lockdown und Schulschließungen mit sich bringen. Besonders aber seit November nimmt die Zahl der Kinder mit psychischen Krisen massiv zu. Auch die Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Linzer Uniklinik werden regelrecht überrannt. Wir haben mit dem Vorstand dieser Kliniken, Michael Merl über die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder gesprochen.

Wie hat sich die Pandemie in Ihren Abteilungen bemerkbar gemacht?

Wir haben einen regelrechten Ansturm auf unsere Abteilung und es sind praktisch alle stationären Betten ausgelastet. Die, die jetzt vermehrt in die Klinik drängen, sind die Über-10-Jährigen. Wir müssen auch unter Unter-10-Jährige aufnehmen, die aus Familien kommen, in denen es Konflikte gibt, wo Eltern selber schwer zurecht kommen mit der Pandemie.

Mit welchen Symptomen kommen die Kinder zu Ihnen?

Die Jugendlichen ab 10 Jahren kommen in erster Linie mit depressiven Symptomen: Traurigkeit, Stimmungsverfall und Ängste. Worunter sie leiden, ist das Ausbleiben der sozialen Kontakte. Im Grunde geht es den Jugendlichen nicht gut. Der Lockdown verhindert, dass sie Kontakte in ihrer Altersgruppe haben. Das kann man schlecht über soziale Medien erleben und erfahren. Viele leiden unter dem Aspekt, dass sie sich nicht treffen können. Bei den Schulschließungen spielen auch die Angst und die Sorge um den Lebenslauf, die berufliche Laufbahn und die schulische Ausbildung eine wesentliche Rolle.

Wie schwer sind die Fälle?

Wir hatten in den vergangenen Jahren sehr viele Jugendliche, die mit Depressionen kommen. Die waren 15 Jahre und älter. Die, die jetzt kommen, sind teilweise erst 12 Jahre alt. Manchmal sogar noch jünger. Sie kommen mit wirklich dramatischen Suizidversuchen, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, selbstverletzendem Verhalten zu uns. Mein Eindruck ist, dass junge Menschen, die von vornherein etwas ängstlicher sind, auf eine Situation treffen, die sie emotional überfordert. Das äußert sich oft in psychosomatischen und psychiatrischen Erkrankungen bei den Kindern und Jugendlichen.

OÖN-TV berichtet:

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26. Juli 2021