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Gesundheit

So bleiben Sie jetzt psychisch fit

Von Gerhild Niedoba  25. März 2020 07:37 Uhr

Lachen

Unser Leben wurde von heute auf morgen auf Sparflamme gesetzt, unser Sozialverhalten auf ein Minimum reduziert. Warum es gerade jetzt so wichtig ist, auf seine Energiereserven zu achten, sagt der Psychologe Binder-Krieglstein.

Ausgangsbeschränkungen, das Arbeiten und Lernen von zu Hause aus oder plötzlicher Zwangsurlaub stellen die Bevölkerung derzeit vor außergewöhnliche Herausforderungen. Wie der Umgang miteinander dennoch funktionieren kann und wie wir in dieser Ausnahmesituation psychisch fit bleiben, sagt der Wiener Psychologe Cornel Binder-Krieglstein im Interview.

OÖN: Von einem Tag auf den anderen müssen die Menschen, Familien zu Hause bleiben, oft auch auf engstem Raum von dort aus arbeiten und lernen. Spannungen sind programmiert. Was ist in dieser Situation wichtig?

Cornel Binder-Krieglstein Das Wichtigste ist, dass sich jeder auf die neue Situation gut einstellt. Denn für diese neue Lebensform braucht es auch neue Maßnahmen, um das Ganze bewältigen zu können. Weil eines ist klar: Jetzt den Kopf in den Sand zu stecken und so zu tun, als wäre nichts, hält man nicht lange aus.

Warum sind gerade jetzt Strukturen so wichtig?

Weil einem sonst rasch die Energie ausgeht. Ich muss mit meinen Reserven sorgsam umgehen, damit ich für diese neue Situation des momentanen Lebens nicht mehr Kraft brauche, als ich über das Schlafen wieder auftanken kann. Denn das große Problem ist, dass uns für diesen Heimaufenthalt ein wichtiger Punkt fehlt: das voraussichtliche Ende dieser Situation.

Alles ist jetzt neu für uns – wie kann man sich denn da jetzt noch Energiereserven aufbauen?

Es klingt simpel, ist es eigentlich auch. Wir müssen nur so handeln, wie wir es getan haben, als wir etwa wegen einem grippalen Infekt oder einem gebrochenen Bein ans Bett gefesselt waren: Da haben wir uns doch auch das Notwendige – das Handy, ein Ladegerät und ein gutes Buch – ans Bett geholt. Und darum geht es jetzt auch: Wir müssen das, was wir eh können, reaktivieren und uns an die Situation anpassen.

Im Familienverbund gibt es dadurch oft unterschiedliche Bedürfnisse. Da kann es in den eigenen vier Wänden für jeden Einzelnen schnell zu eng werden …

Spätestens an diesem Punkt braucht es eine gute Strategie für jeden Einzelnen. Dazu ist es wichtig zu wissen, wer wie tickt. Ich unterscheide drei Typen: Da gibt es etwa den freiheitsliebenden, der sich jetzt spezielle Punkte im Alltag organisieren muss, damit ihm daheim nicht die Decke auf den Kopf fällt: Er sollte etwa Spaziergänge allein planen oder der Situation angepasste gemeinschaftliche Events, wie etwa mit den Nachbarn einen Zeitpunkt zum gemeinsamen Trommeln, Klatschen am Fenster, vereinbaren.

Und dann gibt es auch jene Menschen, die den angeordneten Rückzug als Chance sehen.

Genau. Dieser Typ organisiert gerne und macht aus den eigenen vier Wänden ein Schmuckkästchen. Er richtet sich dadurch quasi emotional ein neues, gemütliches Biedermeier-Zimmer ein. Im Gegensatz dazu steht der dritte, der zwanghafte Typ, dem Struktur und Ordnung sehr wichtig sind. Für ihn ist es jetzt wichtig, einen Basisplan zu machen, damit er durch die Kontrolle über die Tagesstruktur Halt bekommt: etwa zu planen, wann man einkaufen geht oder mit den Eltern skypt.

Und wenn mehrere unterschiedliche Typen in einem Haushalt leben – muss dann jetzt jeder für sich allein den Alltag bestreiten?

Es ist ganz wichtig, dass jeder schaut, was er selbst und die anderen brauchen – und dann daraus den kleinsten gemeinsamen Nenner findet. Es muss uns bewusst sein, dass wir uns auf einem neuen Terrain befinden und wir daher unseren Betrieb umstellen müssen.

Das bedeutet, dass Paare jetzt (wieder) mehr miteinander reden müssen …

Ja, der Austausch ist jetzt sehr wichtig. Und "situationselastisch" zu sein, also nicht immer auf seinem Standpunkt zu beharren. Diese besondere Situation kann Paare auch zusammenschweißen.

Artikel von

Gerhild Niedoba

Redakteurin Land und Leute

Gerhild Niedoba
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