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Gesundheit

Knieschmerzen auch in jungen Jahren nicht einfach ignorieren

Von OÖN   16. Juni 2021 00:04 Uhr

Knieschmerzen auch in jungen Jahren nicht einfach ignorieren
Das Knie macht Ärger. Ein innovatives Verfahren lässt Knorpel nachwachsen.

Wie das Linzer Ordensklinikum das bei Sport besonders gefährdete Gelenk mittels Knorpel-Rekonstruktion wieder fit macht.

"Auweh!", jammern leider immer öfter auch junge Menschen, wenn sie ambitioniert besonders Knie-belastende Sportarten ausüben. Das kann das Laufen, aber es können auch Tennis, Fußball, Squash oder Volleyball sein. Denn bereits bei in jungen Jahren können Knorpel im Knie bei Belastung absterben.

Deshalb sollte man Schwellungen und Schmerzen nie einfach ignorieren, es nur als Überbelastung abtun und hoffen, dass quasi "von selbst" eine Besserung eintritt. Doch auch Umschläge, Eincremen und Tabletten helfen nicht wirklich und oft nur symptomatisch.

Ohne Behandlung wird der Gelenks-Defekt stetig größer und die Therapie wird damit immer schwieriger. Aber es gibt Hoffnung. Denn im Ordensklinikum Linz wird seit kurzem Knorpelschäden regenerativ auf den Leib gerückt. Dort wird mittels Rekonstruktion das Gelenk wieder fit gemacht.

Kleine OP, große Wirkung

Soll das Kniegelenk wieder richtig fit werden, ist meist ein kleiner Eingriff notwendig. "Bei kleineren Defekten mit geringerer Tiefenausdehnung werden während einer rund einstündigen Operation kleinere Mengen an gesunden Knorpelzellen entnommen und noch im Operationssaal aufbereitet. Die Zellen werden mit Blutbestandteilen des Patienten vermischt", erläutert Conrad Anderl, Vize-Vorstand für Orthopädie am Ordensklinikum Linz.

Die defekten Stellen werden mit diesem biologisch aktivierten Zellgemisch aufgefüllt. So kann sich wieder wieder eine geschlossene Knorpelschicht bilden.

Zellen werden nachgezüchtet

Bei größeren Defekten ist allerdings ein zweistufiges Verfahren nötig, eine Transplantation mit Anzüchtung. "Bei der ersten Operation werden reiskorngroße Knorpelstücke entnommen und in einem externen Labor angezüchtet. Nach vier bis fünf Wochen werden die Knorpelzellen in einem zweiten Eingriff über eine Kollagenmembran in den defekten Knorpel eingebracht", erklärt Oberarzt Conrad Anderl. Bereits zwei bis drei Tage nach dem Eingriff kann der Patient das Krankenhaus wieder verlassen. Man bekommt dann eine Motor-Schiene, mit der das Knie jeden Tag mehrere Stunden kontrolliert und automatisch gebeugt wird. Durch diese mechanische Belastung würden die Knorpelzellen quasi lernen, wie sie sich ausrichten müssten, erläutert der Orthopäde. Die Entlastungsphase nach der Operation dauert zwei bis drei Wochen. Nach vier Wochen ist eine Vollbelastung möglich.

Danach kann mit dem Training am Ergometer begonnen werden. Das Laufen ist jedoch erst nach sechs Monaten wieder erlaubt. "Die Nachbehandlung mit Physiotherapie ist ein langer Prozess, aber gut in den Alltag integrierbar", so Oberarzt Anderl.

Das rekonstruktive Verfahren mag ein wenig aufwändig erscheinen, ermöglicht aber eine Wiederherstellung einer stabilen Knorpelschicht. Außerdem gilt: "Je früher man behandelt, desto besser ist die Chance", so Orthopäde Anderl.

Bereits 14-Jährige können voneinem Absterben der Knorpel betroffen sein. Daran tragen auch hormonelle Schwankungen Schuld. Frauen sind besonders betroffen. "Hormonelle Imbalance während der Pubertät führt vor allem bei Frauen zu einem erhöhten Risiko zu erkranken", erklärt Oberarzt Anderl. Leider wird die Erkrankung oft nicht erkannt und als Überbelastung oder auch als jugendliche Wachstumsschmerzen abgetan.

Eine eindeutige Diagnose lässt sich mit einer Magnetresonanzuntersuchung stellen. "Konservativ ist der Knorpelschaden nicht gut therapierbar, weil der Gelenksknorpel nicht von selbst nachwachsen kann", sagt Orthopäde Conrad Anderl.

Rund 30 Betroffene pro Jahr werden derzeit im Ordensklinikum Linz mit diesem innovativen, regenerativen Verfahren behandelt. (haas)

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