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Geruchs- und Geschmacksstörungen durch Covid-19 zeigen Immunität an

Von Dietlind Hebestreit, Daniela Dahlke   23.Januar 2021

Geruchs- und Geschmacksstörungen durch Covid-19 zeigen Immunität an
Manche Menschen riechen durch Covid-19 nichts mehr, andere nehmen nur noch üble Gerüche wahr.

Wer nach einer Infektion mit Corona genügend Antikörper gebildet hat, ist mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens sechs Monate vor einer weiteren Covid-19-Erkrankung geschützt. Das haben Wiener Forscher in einer neuen Studie bestätigt.

Symptome signalisieren Schutz

Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien erklärt, woran die Immunität gekoppelt ist: Es komme offenbar darauf an, dass die Infektion mit Symptomen verläuft, also eine merkbare Covid-19-Erkrankung auftritt. "Alle Probanden mit virusneutralisierenden Antikörpern berichteten auch von Symptomen. Der vorübergehende Verlust von Geruchs- und/oder Geschmacksinn korrelierte am besten mit dem Vorliegen eines immunologischen Schutzes", sagt die Expertin.

  • Video: Über den Schutz durch Antikörper und die Furcht vor weiteren Mutationen spricht in diesem Interview David Bernhard, Forscher und Leiter des Zentrums für medizinische Forschung an der JKU. 

Auf welche Antikörper es ankommt, erklärt Univ.-Prof. David Bernhard von der Johannes Kepler Universität Linz: "IgM ist der erste Antikörper, der auftritt. Für die langwierige Immunität ist jedoch IgG relevant, das später gebildet wird. Insgesamt gibt es fünf Antikörper-Klassen, eventuell auch zwei weitere Formen." Die IgG-Antikörper verhindern, dass das Coronavirus mit seinem sogenannten Spike-Protein an der Körperzelle andocken kann. Personen nach einer SARS-CoV-2-Infektion haben mit solchen Antikörpern also einen relativ wirksamen Schutz vor einer weiteren Ansteckung aufgebaut.

Impfen schützt vor Mutationen

Ein Risikofaktor sind Mutationen, wie sie in England und Südafrika aufgetreten sind. "Die Antikörper scheinen auch bei den bisher bekannten Mutanten (Anm.: Ergebnis der Mutation) wirksam zu sein", gibt der Wissenschafter zwar vorerst Entwarnung. Allerdings könne es theoretisch sein, dass sich das bei künftigen Mutationen noch ändert. Denn wenn das Virus danach eine veränderte Andockstelle hat, ist eine neuerliche Infektion möglich.

"Wenn wir durch die Impfung eine breite Immunität erreichen, gibt es auch keine neuen Mutanten", weist Bernhard auf die Bedeutung einer raschen Durchimpfung der Bevölkerung hin. Denn je mehr Zeit das Virus hat, um sich im menschlichen Körper zu entwickeln, umso größer ist die Gefahr, dass bereits bestehende Impfungen nicht mehr wirken. "Wir sollten uns solidarisch zeigen und impfen lassen", so der Experte. Einen Antikörpertest nach der Impfung hält der Spezialist für sinnvoll: Dadurch hätten die Betroffenen Sicherheit, ob die Impfung gewirkt hat. "Die Impfungen von Pfizer/Biontech und Moderna dürften nach aktuellem Stand wirksamer sein als jene von AstraZeneca. Ich würde mich aber mit jedem der erhältlichen Impfstoffe impfen lassen", sagt Bernhard. Wie lange die Impfung dann aber tatsächlich Schutz bietet, sei noch nicht abzusehen.

OÖN Podcast: David Bernhard, Forscher an der JKU über Antikörper und Mutationen

Neben dem Tragen von Masken, dem Abstandhalten und dem Impfen gehören Tests laut dem Professor zu den vier wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie: "Der Antigentest ist nett. Definitiv präziser ist der PCR-Test." Der Antikörpertest sei zwar ebenfalls sinnvoll, erlaube aber keine hundertprozentige Aussage, ob der Betroffene gegen das Coronavirus immun sei.

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21. April 2021