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Wechseljahre – Hitzewallungen und überflüssige Kilos

22. Januar 2021 00:00 Uhr

Als Wechseljahre oder Menopause wird die Zeit der hormonellen Umstellung um das 50. Lebensjahr einer Frau bezeichnet.

Ursache der Umstellung ist die nachlassende Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken. Häufig kommt es zu körperlichen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Stimmungsschwankungen, Haarausfall, trockenen Schleimhäuten, Schlafstörungen oder Gewichtszunahme. Manche dieser Beschwerden sind direkte Folge der Hormonumstellung, andere eher eine Alterserscheinung, die jedoch auch mit dem Abbau von Östrogen in Zusammenhang stehen können.

Dauer und Belastung stark unterschiedlich

 

Die Zeitspanne des Wechsels und der damit einhergehenden Beschwerden ist sehr unterschiedlich. Ging man in früheren Jahren davon aus, dass diese Zeit der Umstellung nur ein bis drei Jahre beträgt, so weiß man heute, dass sie sogar zehn bis fünfzehn Jahre andauern kann. „Dass eine 65-jährige Frau immer noch Wechselbeschwerden hat, ist nichts Außergewöhnliches. Diese lange Dauer trifft jedoch nur auf einen Teil der Frauen zu, bei vielen ist der Wechsel schon nach wenigen Jahren wieder vorüber“, sagt Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas Hefler, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie & Geburtshilfe bei den Barmherzigen Brüdern Linz.

 

Nicht alle Frauen leiden an den Beschwerden der hormonellen Umstellung. Wie belastend diese Beschwerden sind, ist individuell sehr verschieden. Manche Frauen leiden subjektiv sehr stark, andere wiederum haben zwar objektiv deutliche Symptome, können aber sehr gut damit umgehen.

Einzelne Beschwerden

 

Hitzewallungen: Das deutlichste Symptom des Wechsels sind Hitzewallungen, sie sind Reaktionen des Gefäßsystems auf abnehmende Östrogenkonzentrationen im Blut. Praktische Tipps: Funktionswäsche kann den Schweiß vom Körper besser abtransportieren; kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen; regelmäßige Bewegung und Sport, Entspannungsübungen und Wechselduschen.

 

Gewichtszunahme: Je älter der Mensch wird, desto leichter legt er an Gewicht zu, denn der Körper verbraucht mit der Zeit immer weniger Kalorien. Wer mit 50 Jahren gleich viel Kalorien zu sich nimmt wie mit 20 Jahren, nimmt zwangsläufig zu. Möchte man sein Gewicht halten, muss man in mittleren Jahren also seine Kalorienaufnahme reduzieren und/oder den Kalorienverbrauch durch Bewegung erhöhen. Die Gewichtszunahme, die sich bei Frauen im mittleren Lebensalter oft einstellt, ist daher eine Folge einer Nichtanpassung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten an einen sinkenden Grundumsatz (Energieverbrauch). Indirekt könnte man auch „den Wechsel“ dafür verantwortlich machen, da der sinkende Östrogenspiegel für diesen sinkenden Grundumsatz im Körper sorgt.

 

Trockene Haut, Falten und Zellulite werden durch die Abnahme von Östrogen begünstigt, das für eine gute Durchblutung der Haut sorgt. Auch hier handelt es sich um einen natürlichen Alterungsprozess, der durch das Hormon beeinflusst wird.

In manchen Fällen werden Beschwerden wie Antriebslosigkeit und Müdigkeit dem Wechsel zugeschrieben. Diese Symptome sind jedoch keine typischen Wechselbeschwerden, sie sind in manchen Fällen auf eine Unterfunktion der Schilddrüse zurückzuführen. „Dies lässt sich problemlos mittels Blutuntersuchung feststellen und gut therapieren“, sagt Hefler.

Viele Therapiemöglichkeiten

 

Eine Therapie erfolgt nach einem Stufenkonzept. Dabei kommt die jeweils nächste Stufe nur dann zum Einsatz, wenn die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend Erfolg gebracht haben:

Lebensstilmodifikation: In den allermeisten Fällen kann man die Beschwerden mit einer Änderung des Lebensstils positiv beeinflussen.

  • Sport:
    Bewegung an der frischen Luft hilft vielen Frauen dabei, sich besser zu fühlen. Gleiches gilt für Entspannungsübungen, Yoga und dergleichen.
  • Ernährung:
    Weniger und bewusster zu essen hilft im Kampf gegen überflüssige Kilos und Cellulitis. Eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Soja dürfte hilfreich sein (hierzu gibt es auch Studien, die diese Annahme stützen).
    Die Kalorienzufuhr kann durch eine ausgewogene Vollwertkost mit wenig Zucker, Fett, Wurst und Weißmehl gesenkt werden. Hilfreich sind Verzicht auf Nikotin, Alkohol, Kaffee und scharfe Gewürze.

Pflanzliche Präparate: Es gibt eine Fülle von pflanzlichen Präparaten wie Hopfen, Johanniskraut, Salbei, Mönchspfeffer, Baldrian oder Frauenmantel, die bei Wechselbeschwerden helfen können. Auch Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen aus Soja, Rotklee oder Kudzu-Wurzel (japanische Kletterpflanze) sind beliebt. Es gibt zahlreiche Präparate, beispielsweise angereichert mit Rotklee, Zink und Vitamin B. Auch Yamswurzel, Kurkuma, OPC (Oligomere Proanthocyanidine – sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe), Q10 und vieles mehr soll helfen. „Auch wenn man wissenschaftlich gesehen darüber nicht viel sagen kann, passt diese Art von Therapie für einen Teil der betroffenen Frauen und sie sind damit zufrieden“, sagt der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

 

Medikamente: Gegen starkes Schwitzen und Hitzewallungen stehen sogenannte „Anticholinergika" zur Verfügung. Fallweise werden auch Medikamente wie Gabapentin, Clonidin oder auch Antidepressiva eingesetzt. Sie gelten allerdings nicht als Mittel der ersten Wahl. Wichtig: Nicht nur echte Medikamente können helfen, auch die Gabe von Placebos bringt ähnliche Erfolge.

Hormonersatztherapie

 

Bis in die 1990er-Jahre galten Hormontherapien als attraktive Anti-Aging-Maßnahmen. Auch gegen Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen galten sie als gute Möglichkeit, diese Beschwerden zu beseitigen. Anfang des neuen Jahrtausends änderte sich diese Situation schlagartig, als eine Studie vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko infolge einer Hormonersatztherapie warnte. „Das Krebsrisiko wurde danach höher dargestellt, als es die Studie tatsächlich aufzeigte. Die Hormonersatztherapie mit Östrogen und Gestagen hat seitdem einen schlechten Ruf. Man sollte in jedem einzelnen Fall genau prüfen, ob eine Patientin von der Therapie profitieren dürfte und wie die persönlichen Risiken einzuschätzen sind. Bei den meisten Betroffenen, die sich beraten lassen, überwiegen die Vorteile, das gilt etwa für Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde und generell für eher junge Frauen. Ab dem 60. Lebensjahr dagegen sollte diese Therapie nur in Ausnahmefällen begonnen werden. In der Regel verläuft die Therapie problemlos. Viele Frauen fürchten aber mögliche Risiken und lehnen diese Therapie ab. In allen Fällen sind eine genaue Untersuchung und Aufklärung über Nutzen und Risiken nötig. Wenn keine Kontraindikationen bestehen, sollte man eine solche Therapie jedenfalls dann in Erwägung ziehen, wenn sonst nichts hilft und der Leidensdruck sehr groß ist“, erklärt Hefler.

Vorsicht bei DHEA-Therapie

 

Seit einigen Jahren ist DHEA (Dehydroepiandrosteronacetat – Steroidhormon gebildet in der Nebennierenrinde) als Wundermittel gegen Alterserscheinungen in der Diskussion. Therapien mit diesem Hormon boomen, die Substanz soll auch gegen Wechselbeschwerden helfen. „DHEA wird gern unter dem Vorwand angeblich guter Erfolge eingesetzt. Internationale Leitlinien lehnen deren großzügigen Einsatz aber ab. Nur in wenigen Ausnahmefällen, wie einem Libidoverlust, kann diese Therapie sinnvoll sein“, warnt Hefler.

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Dr. Thomas Hartl
Jänner 2021

 

Bild: fizkes/shutterstock.com

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