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Forum Gesundheit

Was im Alter zufrieden macht

18. März 2019 00:00 Uhr

Wunderbare Reisen, viel Freizeit, seinen Hobbies frönen – oder: Krankheiten, körperlicher und geistiger Verfall.

Woran denken Sie, wenn Sie an „das Alter“ denken? Die Sicht auf die Dinge ist wesentlich: Ob man seine späten Lebensjahre zufrieden verbringen kann, liegt zu einem guten Teil an der eigenen Einstellung.

Während Glück einen kurzen Moment des Hochgefühls markiert, beschreibt Zufriedenheit eine emotionale positive Grundgestimmtheit, die es erlaubt, die gegebenen Umstände zu bejahen und anzunehmen, unabhängig von anderen Einflussfaktoren, wie etwa Gesundheit oder finanzielle Absicherung. Die eigenen Erwartungshaltungen an das Alter, der Umgang mit eintretenden Lebensumständen, verbunden mit den daraus gewonnenen Haltungen und die eigene Sicht auf diesen Lebensabschnitt haben einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität im Alter.

Das Bild vom Alter

Die eigene Einstellung zum Leben im Alter ist enorm wichtig. Wie sehe ich alte Menschen? Wie ist mein Bild von mir selbst im Alter? Überwiegt die Vorfreude auf einen entspannten Lebensabschnitt oder die Angst vor Verlusten und Problemen? Fokussiere ich mich auf mögliche Nachteile (Krankheiten, Verfall) oder auf die Vorteile (Freizeit, Reisen, Hobbies ausleben etc.)?

Die Sicht auf den späten Lebensabschnitt und die Erwartungen sollten realistisch-positiv sein, um gut gerüstet zu sein. Vom Altern kann man einerseits viel Positives erwarten, wie etwa eine neu gewonnene Freiheit, andererseits ist es förderlich, wenn man in der Lage ist, die Schattenseiten anzunehmen. „Jeder weiß, dass bestimmte Probleme und Verluste im Alter unausweichlich sind. Das sollte man nicht verdrängen, sondern sich damit auseinandersetzen und lernen, es zu akzeptieren. Gehe ich die Sache dennoch positiv an und habe ich eine lebenbejahende Haltung, dann bin ich auch in der Lage, kommende Probleme zu lösen und zu bewältigen“, sagt Elisabeth Fölser, BSc, Psychotherapeutin in Linz.

Jugendwahn ade!

Realistisch-positiv sollte man auch sein Alter sehen und zu ihm stehen und sich nicht dem Jugendwahn hingeben. Vielen älteren Menschen gelingt es, sich von unrealistischen Zielen zu distanzieren und sie vergleichen ihre gegenwärtige Situation nicht mit früheren Lebenssituationen oder mit der Lebenswelt von jungen Menschen. Fölser: „Wer dagegen versucht, den Verlust von Möglichkeiten zu negieren, der wird früher oder später zwangsläufig unzufrieden werden. Der Lauf der Dinge lässt sich nicht aufhalten und das Altern ist Teil davon. Auch manche Fähigkeiten gehen verloren. Höchstleistungen sind im Alter nicht mehr möglich. Die Kunst besteht darin, sich den Tatsachen anzupassen und diesen Anpassungsprozess, wenn möglich, mit Gelassenheit zu begehen.“

Einmal zufrieden, immer zufrieden?

Aus der Forschung weiß man, dass Lebenszufriedenheit eine relative Konstante ist. Wer in jungen Jahren ein zufriedener Mensch war, wird es wahrscheinlich auch im Alter sein. Diese Konstante ist aber nicht zwingend, man kann sie beeinflussen. Aus einer zufriedenen 30-Jährigen muss nicht zwangsläufig eine zufriedene Seniorin werden und aus einem griesgrämigen 40-Jährigen kann durchaus ein zufriedener Rentner werden. Fölser: „Entscheidend sind die persönlichen Lernprozesse. Die eigene Einstellung zum Leben ist nichts, was uns aufgezwungen wird, sie ist flexibel und formbar. Sie ist Abbild einer Entwicklung und stellt eine Anpassungsleistung dar, die man steuern und lernen kann.“

In groß angelegten Befragungen wurde festgestellt, dass die Zufriedenheit mit dem Alter meist zunimmt. „Gerade aus den Interviews mit Hochbetagten weiß man, dass sie sich meist sehr zufrieden fühlen, obwohl sie vielfach unter chronischen Erkrankungen leiden und mehrere Medikamente nehmen. Was die Zufriedenheit im Alter betrifft, so tut sich eine Schere auf, der weitaus größere Teil ist zufrieden und womöglich auch zufriedener mit dem Leben, als in jüngeren Jahren, wohingegen ein kleinerer Teil der älteren Menschen drastisch an Lebenszufriedenheit und Lebenswillen verliert. Generell fällt die Lebenszufriedenheit im Alter erst in den letzten Jahren vor dem Tod ab“, erklärt Fölser.

Bejahender Rückblick

Wer auf sein bisheriges Leben zurückblickt und es im Großen und Ganzen bejahen kann, tut sich mit dem Übergang auf das Leben im Alter in der Regel leichter, als jemand, der mit seinem Lebensweg hadert und mit sich nicht im Reinen ist. „Wenn sich ältere Menschen in der Gegenwart durch Vergangenes belastet und eingeschränkt fühlen, kann Psychotherapie helfen, Unbewältigtes zu verarbeiten und helfen, sich neu zu orientieren. Das kann sich wiederum positiv auf die Lebenszufriedenheit auswirken“, sagt Fölser.

In Gemeinschaften eingebunden

Aktives eingebunden sein in Gemeinschaften (Familie, Freundeskreise, Vereine etc.) macht zufrieden. Es vermittelt dem eigenen Leben Sinn und schafft Beschäftigung. Wichtig ist, eine Aufgabe zu haben, für etwas zuständig zu sein. „Ein Klient von mir ist etwa zuständig für den täglichen Nachtisch der Familie“, sagt die Therapeutin. Andere Beispiele: Den Enkeln Geschichten vorlesen, anderen an seinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Eingebunden sein kann bedeuten, dass es jemanden gibt, um den man sich kümmern kann. Gibt es keinen Menschen, um dem man sich kümmern könnte oder möchte, so bieten Haustiere eine ähnliche Funktion. Auch sie sind auf uns angewiesen, brauchen Zuwendung und Aufmerksamkeit.

Selbstbestimmung und Würde

Selbstbestimmung und Würde sind wichtige menschliche Güter, die auch im hohen Alter nicht an Wert verlieren. Selbst wenn man auf Pflege und Hilfe angewiesen ist, möchte man möglichst selbstbestimmt leben. Dazu gehört es, dass man Einfluss auf den Ablauf des Alltags hat und auch darauf, wie Dinge erledigt werden. Oft sind es Kleinigkeiten, die entscheiden, ob man sich gut behandelt, respektiert und wertgeschätzt fühlt oder nicht.

Die meisten Menschen möchten auch im hohen Alter möglichst zuhause im eigenen vertrauten Umfeld leben. Ist das möglich, trägt das zur eigenen Zufriedenheit bei. „Manche fühlen sich aber in Projekten wie Betreutem Wohnen besser begleitet als zu Hause. Wichtig ist es, dass man die Entscheidung selbst mittragen kann und sie nicht aufgezwungen bekommt. Dazu trägt auch bei, dass man sich frühzeitig mit diesen Dingen beschäftigt und diese regelt“, sagt Fölser.

Weitere beglückende Faktoren im Alter

  • Sich an kleinen Dingen freuen: Das Leben besteht zu einem überwältigenden Teil an kleinen Dingen. Wer sich daran freuen kann und nicht nach den vermeintlich großen Glücks-Boostern strebt, hat bessere Chancen auf Zufriedenheit.
  • Tun, was man liebt: Auch im Alter sollte man seine Hobbies weiter betreiben, wenn das noch möglich ist und sich Dinge suchen, die Freude machen. Andererseits sollte man bejahend jene Dinge aus seinem Leben entlassen, die nicht mehr möglich sind.
  • Sicherer Lebensstandard: Ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit im Alter ist der Lebensstandard. Die eigenen Bedürfnisse sollten gut abgesichert sein. Ist man dagegen von Altersarmut betroffen oder bedroht, ist das ein belastender Faktor, der zum Problem werden kann, denn eine gute Gesundheit und Versorgungsleistungen sind auch abhängig vom Einkommen. Ebenso die Teilnahme am sozialen Leben. Reisen und seinen Interessen nachgehen kann man nur, wenn die Pension eine gewisse Höhe hat.

 

Dr. Thomas Hartl

März 2019

 

Bild: shutterstock

 

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