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Verletzungsanfälliges Kniegelenk

26. Februar 2021 00:00 Uhr

Das Knie ist ein komplexes und beim Sport besonders gefährdetes Gelenk.

Es stellt die am häufigsten verletzte Körperregion im Alter von 15 bis 50 Jahren dar. Dabei kommt es nicht nur zu akuten Verletzungen der Menisken, Kreuz- und Seitenbänder, sondern auch zu Überlastungsschäden an Knorpel, Sehnenansätzen und Muskeln.

Die in Österreich verletzungsträchtigsten Sportarten für das Knie sind Fußball und Skifahren, auch Volleyball, Basketball und Handball führen die Liste an. „Mangelnde Vorbereitung und schlechter Trainingszustand sowie Selbstüberschätzung spielen bei Verletzungen der Seiten- und Kreuzbänder, sowie der knorpeligen Kniegelenksmenisci eine Rolle“, sagt OA Dr. Arnold Schulz von der Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Kepler Universitätsklinikum Linz.

Beim Fußball werden die Verletzungen in der Regel durch abrupte Richtungsänderungen oder wenn das Knie stark verdreht wird und nur selten durch den Kontakt mit dem Gegner verursacht.

Akute Verletzungen

Aufgrund der fehlenden knöchernen Führung ist das Knie auf seine Haltebänder angewiesen, die ihm neben der aktiven Stabilisierung durch die Muskulatur die erforderliche passive Stabilität geben.

Etwa 30 Prozent aller Verletzungen sind Kreuzbandläsionen, wobei das vordere Kreuzband etwa zehnmal so häufig betroffen ist wie das hintere.

Kombinationsverletzungen von Kreuzband-Rupturen (Kreuzbandrissen) mit Verletzungen von Knorpel, Bändern und Menisken sind häufig.

Dies zeigt sich bei vielen Betroffenen durch ein Schnappen oder Reißen im Kniegelenk. Die Diagnose der Verletzung wird klinisch, etwa mit dem vorderen „Schubladentest“ gestellt. Röntgen und Magnetresonanztomographie zeigen Brüche und Kniebinnenstrukturen.

Operieren oder nicht?

Liegt das Sporttrauma schon länger zurück, kann es zu einem Instabilitätsgefühl im Kniegelenk kommen oder es gibt plötzlich nach. Diese Instabilität begünstigt das Auftreten sekundärer Meniskus- und Knorpelschäden und führt bei einem Teil der Patienten zu einer posttraumatischen Arthrose.

Eine Instabilität des Kniegelenks ist eine Operationsindikation zum vorderen Kreuzband-Ersatz, insbesondere bei Vorliegen weiterer Bandverletzungen. „Isolierte Seitenbandverletzungen können je nach Verletzungsmuster konservativ behandelt werden. Komplettrupturen des vorderen Kreuzbandes werden je nach sportlichem Anspruch und Alter des Patienten nach einer entsprechenden Vorbereitungsphase operativ versorgt“, erklärt Unfallchirurg Schulz. Die individuelle Therapieentscheidung trifft der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung aller Befunde, Aktivität, Alter und sportlichem Lebensstil des Patienten. Nicht jeder Kreuzbandriss muss operiert werden, auch konservative Behandlungen mit Physiotherapie und medizinisch kontrolliertes Training liefern gute Ergebnisse. Studien und Fachliteratur zeigen, dass bei ausgewählten, nicht operierten Patienten, nach etwa drei Monaten mit einer funktionell-konservativer Therapie ebenfalls ein stabiles Kniegelenk erreicht werden kann.

Chronische Fehl- und Überlastung

Neben den akuten Knieverletzungen treten durch wiederkehrende Fehlbelastungen beim Laufen, Springen oder Radfahren auch Überlastungssyndrome wie das Läuferknie, im Fachjargon Iliotibiales Bandsyndrom (ITBS) genannt, ein Jumpers Knee, Knochenmarksödeme oder Knorpelschäden auf:

Das Läuferknie: Es ist gekennzeichnet durch stechende Schmerzen an der Außenseite des Knies. Dabei handelt sich um eine Reizung des Faserzuges, der außen von Oberschenkel zum Schienbein zieht. Der Schmerz tritt typischerweise etwa 20-30 Minuten nach Laufbeginn auf. Auf Grund der Schmerzen muss das Laufen abgebrochen werden. „Meist sind die Schmerzen bis zum nächsten Tag wieder verschwunden und führen dazu, dass der Sportler wieder zu laufen beginnt und somit die Überlastung aufrechterhält“, erklärt der Linzer Unfallchirurg.

Motivierte Laufeinsteiger mit O-Beinstellung und Muskeldysbalancen sind häufig betroffen. Schlechtes Schuhwerk kann das Risiko vergrößern.

„Als Erste Hilfe das Joggen sein lassen und auf nicht schmerzauslösende Sportarten wie etwa Radfahren oder Fitnessworkouts umsteigen. Der Unfallchirurg oder Orthopäde hilft die Schmerzursachen wie etwa verkürzte Muskeln oder Beinachsenfehlstellung zu finden“, sagt Schulz. Spezielle Laufschuhanpassung sowie das Kräftigen für Rumpf-, Hüft- und Gesäßmuskulatur sind empfohlen.

Das Jumpers Knee oder Springer/Sprinter-Knie betrifft häufig Sportler in Sprung- oder Sprintsportarten wie Fußball, Tennis, Leichtathletik und Eishockey.

Es handelt sich um eine chronische Überreizung des Patellasehnenansatzes am Schienbein. Durch die explosive Kraftentfaltung bei Sprung und Landung oder bei Sprints wird der Sehnenansatz überreizt. Es kommt zum Belastungsschmerz vorne an der Kniescheibe.

„Häufig fehlen die Entspannungsphasen durch einen zu hohen Muskeldauertonus, der mit korrekt durchgeführten Dehnungsübungen beseitigt werden kann. Chronische Verläufe benötigen unterstützende Behandlungsmaßnahmen wie etwa eine Stoßwellenbehandlung oder vielleicht eine Infiltrationen mit Eigenblut/ACP“, sagt Schulz. Die Behandlung mit ACP (autolog conditioniertem Plasma) ist ein neues Therapieverfahren, das die körpereigene Regenerationskräfte nutzt. Die betroffenen Stellen werden mit speziell aufbereitetem Eigenplasma behandelt.

Morbus Osgood-Schlatter: Diese Erkrankung der Schienbeinwachstumsfuge am Ansatz der Kniescheibensehne ist ein Spezialfall bei Jugendlichen und betrifft meist sportlich aktive Buben im Alter von 12-16 Jahren.

Durch den altersbedingtem Wachstumsschub kommt es in der überlasteten Wachstumsfuge zu einem schmerzhaften Knochenzelluntergang. Die Symptome sind lokaler Druckschmerz, als auch belastungsabhängige Schmerzen, die auch nach dem Sport andauern.

Neben einer kurzfristigen Trainingspause sind entlastende Dehnungsübungen der verkürzten Oberschenkelmuskulatur die wichtigste Therapie.

Knorpelschäden: Bei vielen sportlichen Aktivitäten können durch einseitige oder zu hohe Belastungssteigerung auch Knorpelreizungen bis zu nachhaltigen Schädigungen am Knorpel auftreten. Diese sind nicht sportartspezifisch und erfordern eine fachärztliche Abklärung. Je nach Ausprägung des Schadens und der Schmerzen kann dieser konservativ mit Physiotherapie, Hyaluronsäureinfiltrationen und medikamentöser Schmerztherapie oder bei tiefen, großen Schäden operativ behandelt werden.

Rolle des Aufwärmens

„Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für akute Kniegelenksverletzungen zählen nachgewiesenermaßen fehlendes Aufwärmen und zu schwache Muskulatur von Gesäß, Bauch und Rumpf, die das Bein in den Phasen der Maximalbelastung stabilisieren helfen“, sagt Schulz.

Ein regelmäßiges Kraft- und Koordinationstraining, wobei Übungen mit dem eigenen Körpergewicht zweimal wöchentlich durchaus ausreichen, sind eine sinnvolle Vorbereitung und auch Verletzungsprävention. Schon eine kurze und regelmäßige Aufwärmroutine von drei bis fünf Minuten kann ebenfalls das Verletzungsrisiko reduzieren. Schulz: „Das Aufwärmen sollte sprichwörtlich ‚erwärmend‘ sein. Wenn die Herz- und Atemfrequenz steigt und man leicht zu schwitzen beginnt, ist das ein gutes Zeichen.“

Es eigenen sich einfache Gymnastikübungen wie klassische Liegestütze, Kniebeugen, sowie dynamische Übungen wie Hampelmann-Sprünge, flottes Armkreisen, Seilspringen (mit oder ohne Seil), sowie alle Übungen, die den Bewegungsumfang möglichst vieler Gelenke (inklusive der Wirbelsäule) gleichzeitig ausnutzen. Je umfassender das Aufwärmen geschieht, desto besser.

Auch die Nachbereitung sollte beim Sporttreiben nicht vergessen werden. „Die Datenlage ist nicht ganz eindeutig, aber ich empfehle dazu regelmäßiges Dehnen vor allem der großen Muskelgruppen am Oberschenkel, um Überlastungen der Sehnenansätze und der Muskelfasern vorzubeugen. Das Dehnen sollte idealerweise bei aufgewärmter Muskulatur nach dem Sport oder auch als eigene Einheit durchgeführt werden“, sagt der Unfallchirurg.

Durch zu viele und zu lange sitzende Tätigkeiten kann es auch unabhängig vom Sport zu Muskelverkürzungen kommen, die dann die Beweglichkeit beim Sport einschränken.

Sport(wieder)einsteigern jeglichen Alters ist allgemein, und insbesondere bei Vorerkrankungen, vor dem Training eine sportmedizinische Untersuchung anzuraten. Sie ist der erste Schritt zu einer freudvollen, dem körperlichen Zustand angepassten und gesundheitsfördernden Sportausübung.

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Mag. Christine Radmayr
Februar 2021

Bild: Vladimir Konstantinov/shutterstock.com

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