Lade Inhalte...

Trotz Lymphödem den Sommer genießen

16.August 2021

Für Betroffene ist es aber wichtig, die festen Kompressionsstrümpfe weiterhin zu tragen, rät das Klinikum Pyhrn-Eisenwurzen.

Von etwa 150.000 Betroffenen in Österreich berichtet das Klinikum mit Standorten in Kirchdorf und Steyr. Bei einem Lymphödem lagert sich eiweißreiche Flüssigkeit ins Gewebe ein, die durch eine Schädigung des Lymphgefäßsystems ins Gewebe übertreten kann. Einige Formen treten bereits in Jugendjahren oder meist bei jungen Frauen spontan auf, so das Klinikum. Besonders verbreitet sind jedoch sogenannte sekundäre Lymphödeme als Folge einer medizinischen Behandlung wie einer Krebsoperation oder Bestrahlung. Expert:innen gehen davon aus, dass hierzulande alleine 3.300 Neuerkrankte jährlich nach einer Krebsoperation ein Lymphödem entwickeln.

Hoher Leidensdruck für Betroffene

Viele Betroffene haben bereits einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie kompetente Hilfe erhalten, weiß Prim. Dr. Franz Lettner, Leiter des Institutes für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum: „Das Krankheitsbild und seine einzig wirksame Therapie sind noch zu wenig bekannt. Oft wird das Lymphödem zu spät erkannt oder nicht nach den aktuellen, wissenschaftlichen Leitlinien behandelt, sodass sich Folgeschäden wie etwa eine irreversible Gewebeverhärtung oder wiederholte Erysipel- oder Rotlauf-Infektionen etablieren. Schwellungen können dadurch massiv zunehmen.“

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie besteht aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Bewegung, Hautpflege und Schulung. Das bedeutet für Betroffene aufwendige, oft schwer finanzierbare Therapien und auch lebenslanges Tragen von Kompressionsstrümpfen.

Hohe Temperaturen verstärken die Ödeme

Lettner appelliert an Betroffene, die nötigen eng anliegenden Kompressionsstrümpfe selbst bei Hitze konsequent zu tragen. „Optimal anliegende Strümpfe üben einen gleichmäßigen Druck auf die Region des Ödems aus, und das hilft dem Körper, die anfallende Gewebsflüssigkeit leichter abfließen zu lassen“, erklärt er. Unterstützt wird die Entstauung durch regelmäßige Bewegung. Dabei muss die Muskulatur gegen den Druck der Strümpfe arbeiten und die Lymphe fließt verstärkt ab.

Leider sind dafür auch lockerer sitzende Strümpfe daher keine Option: „Die Strümpfe müssen richtig sitzen, sie sollten von Zeit zu Zeit sogar neu angepasst werden. Bei schweren Fällen ist das Tragen selbst in der Nacht zu empfehlen, damit das Ödem nicht größer wird“, auf jeden Fall sollten die Strümpfe nach dem Aufwachen so früh wie möglich angelegt werden. Eine Anziehhilfe kann das mühsame Anlegen der Strümpfe wesentlich erleichtern, so Lettner.

Tipps: Strümpfe tragen, Beine kühlen, direkte Sonne vermeiden

Der Experte hat Tipps, wie man mit Lymphödemen möglichst gut durch den Sommer kommt:

  • Direkte Sonneneinstrahlung und große Hitze sollten Betroffene unbedingt vermeiden.
  • Hochlagern: Nicht nur im Sommer tut es gut, die Beine regelmäßig hochzulagern. Das verhindert ein Absacken der Lymphe und somit unangenehme Schwellungen.
  • Bewegen: Ein flotter Spaziergang, gemütliches Radfahren oder Schwimmen unterstützt die Lymphgefäße bei ihrer Arbeit. Grundsätzlich gilt für Patient:innen: Gehen und Liegen ist immer besser als Sitzen und Stehen.
  • Kühlen: Mit feuchten Tüchern können Betroffene ihre Beine auch bei angezogenem Kompressionsstrumpf kühlen. Ebenso hat das Befeuchten etwa mit Sprühflaschen einen kühlenden Effekt. Kompressionsstrümpfe können außerdem im Kühlschrank aufbewahrt werden, was speziell beim Anziehen angenehm ist. Auch die benötigte Hauptpflege sollten Patient:innen im Kühlschrank aufbewahren.
  • Trinken: Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr durch Trinken wirkt sich auf das Lymphödem nicht negativ aus. Daher sollten Betroffene auch im Sommer genug trinken.

mehr...

Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum / Mag. Christian Boukal
August 2021

FOTO: OÖG

 

 

 

copyright  2021
22. Oktober 2021