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Forum Gesundheit

Tipps gegen Blähungen

31. Mai 2019 00:00 Uhr

Leichte Blähungen sind meist harmlos, solange sie im Rahmen des Üblichen liegen und keine Beschwerden hervorrufen. Wer unter Blähungen leidet, kann diese mit einfachen Maßnahmen lindern.

Jeder Mensch hat Blähungen, sie sind das Ergebnis normaler Körperfunktionen. Die entweichenden Darmgase bestehen vor allem aus Stickstoff, Kohlendioxyd, Wasserstoff, Methan und Sauerstoff. Blähungen entstehen durch das Verschlucken von Luft – wenn man zum Beispiel hastig isst – oder durch die Zusammensetzung der Bakterien im Darm. Die verschluckte Luft und ein Teil der im Verdauungstrakt entstehenden Gase müssen den Körper wieder verlassen und dies geschieht durch Aufstoßen oder durch Winde. Ein ständiges Unterdrücken der Winde ist weder möglich noch gesund. Ein möglicher Geruch entsteht durch Entwicklung von Gär- und Faulgasen im Verdauungstrakt (wie etwa Methan).

Jeder Mensch entlässt seine Winde durchschnittlich bis zu 20 Mal am Tag, ohne dass einem das immer bewusst wird. Je üppiger das Mahl und je mehr blähende Lebensmittel man isst, desto häufiger geschieht dies. Unterschiede in der Ernährung und der Bakterienzusammensetzung im Darm führen dazu, dass manche Menschen mehr Blähungen haben als andere. Als Flatulenz wird die verstärkte Entwicklung von Gasen im Verdauungstrakt bezeichnet. „Im üblichen Ausmaß sind Blähungen weder bedenklich noch krankhaft. Nur wenn es ständig rumort und die Blähungen länger anhalten oder gar Schmerzen auftreten, könnte ein abklärungsbedürftiger krankhafter Zustand vorliegen“, sagt Lisa Undesch, Diätologin am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums Linz.

Mögliche Auslöser

Übermäßige Blähungen können vor allem durch folgende Faktoren verursacht oder verstärkt werden:

  • Verzehr von blähenden Lebensmitteln
  • viel Luft im Verdauungstrakt, zum Beispiel durch hastiges Schlingen, oft in Kombination mit Sprechen beim Essen; Raucher verschlucken mehr Luft als Nichtraucher
  • bakterielle Fehlbesiedelung im Darm
  • Stress verstärkt Blähungen: Die Psyche hat einen großen Einfluss auf den Darm. Stress, Aufregung, Sorge, Angst und Nervosität führen häufig zu Blähungen oder sogar Durchfall („Schiss haben“ wie es der Volksmund trefflich formuliert)
  • Medikamente wie Antibiotika stören die Darmflora
  • Sensibilitäten, Unverträglichkeiten oder Allergien gegenüber bestimmten Lebensmitteln. Vor allem Unverträglichkeiten wie Laktosemalabsorption oder Fruktosemalabsorption führen in der Regel zu starken Blähungen.

Blähende Lebensmittel

  • Sauerkraut, Kohl, Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Hülsenfrüchte (vor allem Bohnen, aber auch Erbsen, Linsen)
  • rohe Gurken, Rettich, Radieschen, Paprika
  • frisches Brot, frische Germmehlspeisen und grobkörnige Vollkornprodukte
  • unreifes Obst (Beeren, Kirschen, Zwetschgen), Trockenobst (Feigen, Rosinen)
  • fettreiche Milchprodukte
  • kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und starker Bohnenkaffee
  • Zuckeraustauschstoffe wie und Xylit und Sorbit, das in vielen Diät- und Lightprodukten enthalten ist, machen oft Probleme.

Gewöhnung möglich

Oft sind es an sich gesunde Lebensmittel, die bei manchen Menschen Blähungen verursachen – das betrifft vor allem bestimmte Gemüsearten, wenn sie roh verzehrt werden. „Die gute Nachricht: Man braucht auf diese Lebensmittel nicht zur Gänze verzichten, sondern man kann seinen Verdauungstrakt an sie gewöhnen, indem man mit sehr kleinen Mengen beginnt und diese langsam steigert“, sagt Undesch. Auch ist es hilfreich, mit eher leicht verdaulichem Gemüse zu beginnen (Karotten, Zucchini, Sellerie, Fenchel) und die schwer verdaulichen Sorten wie Paprika oder Gurke (vor allem wenn sie mit Schale und Kernen gegessen wird) erst später zu versuchen.

Vorbeugende Maßnahmen

Wer zu vermehrten Blähungen neigt, sollte

  • Lebensmittel weglassen oder reduzieren, die er nicht verträgt
  • mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen, anstatt nur wenige große Portionen zu essen
  • langsam und bewusst essen, gut kauen
  • beim Essen wenig sprechen
  • nicht mittels Strohhalms trinken
  • keine Kaugummis kauen
  • Gemüse nicht roh essen: Bereitet Gemüse in roher Form Probleme, sollte man es dünsten oder kochen, so ist es fast für jeden gut verträglich
  • auf kohlensäurehaltige Getränke verzichten
  • nicht zu spät essen: Da der Verdauungsapparat zu Tagesbeginn besser arbeitet als am Tagesende, sollte man schwer verdauliche Speisen nicht am Abend essen. Oft ist es hilfreich, Gemüse, Hülsenfrüchte und auch fette Speisen (Wurst etc.) spätestens am Nachmittag zu essen.

Maßnahmen bei Blähungen

Finger weg: Einfachstes Mittel ist es natürlich, auf die Verursacher der Blähungen zu verzichten. Ist man sich nicht sicher, welche Lebensmittel man nicht verträgt, empfiehlt Undesch ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin notiert man, was man wann gegessen hat und ob Blähungen und/oder Schmerzen aufgetreten sind. Diese Aufzeichnungen ergeben in der Regel ein gutes Bild über die möglichen Verursacher.

Gewürze und Kräuter: Will oder kann man auf blähende Nahrungsmittel nicht verzichten, kann man den Speisen jene Gewürze und Kräuter beifügen, die Blähungen mindern. Dazu zählen Fenchel, Anis, Kümmel, Pfefferminze, Kamille und Löwenzahn. Deren ätherische Öle wirken verdauungsanregend und entkrampfend. Hilfreich gegen Darmgase und Blähungen sind auch Ingwer, Kurkuma, Petersilie, Koriander und Majoran. Auch Flohsamen, Aktivkohle und Mineral- und Heilerde können helfen.

Tees: Spezielle Magen-Darm-Teemischungen (mit den Gewürzen Fenchel, Kümmel etc.) beruhigen den Verdauungstrakt. Am besten nach jeder Mahlzeit zumindest eine Tasse trinken.

Bauchmassagen: Eine Bauchmassage entkrampft und bringt die Verdauung in Schwung. Den Bauch kreisförmig und mit leichtem Druck im Uhrzeigersinn massieren. Fenchel- oder Kümmelöl als Massagemittel können die Wirksamkeit steigern.

Wärme: Eine Wärmflasche oder ein im Mirowellenherd erhitztes Kirschkernkissen entkrampft und beruhigt den Verdauungstrakt.

Bewegung: Rege körperliche Bewegung unterstützt den Darm und seine Tätigkeit. Ein sogenannter Verdauungsspaziergang nach dem Essen bringt ihn wieder in Schwung.

Stress reduzieren: Gelassenheit und innere Ruhe beruhigen auch den Darm. Eine Änderung der Lebenseinstellung und/oder Lebensumstände kann hier Wunder wirken.

Medikamente: Wirken alle Hausmittel nichts, kann man es auch mit milden Medikamenten probieren: Sogenannte Entschäumer-Präparate (Kautabletten) können kurzfristige Abhilfe gegen Blähungen schaffen.

Ärztliche Abklärung

Bei häufig auftretenden Schmerzen und länger andauernder Blähungen sollte man den Hausarzt aufsuchen, um abklären zu lassen, ob möglicherweise eine Erkrankung (zum Beispiel Reizdarm, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) vorliegt. Auch dem Verdacht auf Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien sollte man nachgehen (zum Beispiel mit einem H2-Atemtest). Undesch: „Stellt sich eine Unverträglichkeit oder Allergie heraus, gilt es die betreffenden Lebensmittel zu meiden und aus dem Ernährungsplan zu streichen. Zur besseren Umsetzung im Alltag empfehle ich nach der Diagnosestellung eine Ernährungsberatung bei einer Diätologin.“

 

Dr. Thomas Hartl

Mai 2019

 

Bild: shutterstock

 

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