Lade Inhalte...

Test: Fluorfreie Funktionsjacken

24.Februar 2021

Vielen Wanderfreudigen scheint eine Funktionsjacke unerlässlich: Sie soll keinen Regen hineinlassen, im Gegenzug aber den Schweiß von innen nach außen transportieren

Fluorhaltige Chemikalien

Funktionsjacken stehen jedoch mittlerweile stark in der Kritik, da sie in der Regel fluorhaltige Chemikalien (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS) enthalten, so der VKI. Diese Substanzen weisen zwar zuverlässig Wasser, Schmutz und Öl ab, doch sie bergen auch Gefahr für die Umwelt und in weiterer Folge für die Gesundheit. Deshalb bieten viele Outdoor-Ausstatter inzwischen Alternativen an.

Luft nach oben

Der VKI hat nun acht als fluorfrei deklarierte Jacken geprüft, die zu Preisen zwischen 120 und 220 Euro erhältlich sind. Beim Ergebnis gibt es noch Luft nach oben: Keine einzige Jacke schaffte ein „gutes“ Ergebnis. In der Gesamtbewertung wurden fünf „durchschnittlich“ und drei „weniger zufriedenstellend“ vergeben. Im Neuzustand konnten die meisten Jacken bei der Starkregenprüfung noch überzeugen. Nach dem fünften Waschgang erwies sich laut Konsumentenschützer aber keine der Funktionsjacken mehr als wasserdicht. Ähnlich schlechte Ergebnisse nach wiederholtem Waschen gab es allerdings auch beim letzten Test im Jahr 2016 zu (vorrangig) fluorhaltigen Funktionsjacken. „Das Problem liegt dabei oft nicht am Gewebe selbst, sondern vielmehr an der Qualität der Verarbeitung“, erklärt VKI-Projektleiter Christian Undeutsch. „Wasser dringt meist an Nahtstellen oder beim Reißverschluss ein, wenn diese nicht sauber abgedichtet sind.“

Problematische PFAS

Obwohl alle getesteten Jacken als fluorfrei deklariert waren, enthielt eine in geringen Mengen PFAS. Dabei könnte es sich um Verunreinigungen handeln, die bei der Produktion in das Textil gelangt sind. Da aber auch Verunreinigungen die Umwelt belasten, wurde die Jacke abgewertet. Was macht PFAS nun so problematisch? Sie werden aufgrund ihrer technischen Eigenschaften seit langer Zeit in vielen Industriebereichen und in zahlreichen Verbraucherprodukten eingesetzt. PFAS sind allerdings auch schwer abbaubar und können mittlerweile überall nachgewiesen werden – in der Umwelt bis hin zu den Polgebieten, in der Nahrungskette und im Menschen. Einige von ihnen wirken im Tierversuch leberschädigend, fortpflanzungsgefährdend und vermutlich krebserzeugend. Der Mensch nimmt PFAS hauptsächlich über Lebensmittel und das Trinkwasser auf.

Nicht für einfache Wanderungen

Was können nun Konsumentinnen tun, die nachhaltig handeln möchten? „Wer bereits eine PFAS-haltige Funktionsjacke hat, sollte versuchen, sie so lange wie möglich zu verwenden“, empfiehlt Undeutsch. „Werfen Sie diese nicht weg, sondern befolgen Sie die Pflege-Tipps der Hersteller und reaktivieren Sie von Zeit zu Zeit durch Wärmebehandlung die Imprägnierung, sei es im Trockner, mit einem Föhn oder durch Bügeln. Eigentlich sollten fluorhaltige Funktionsjacken aber eher ein Nischenprodukt für Extremsportler oder bestimmte Berufsgruppen wie Feuerwehren sein. Es schadet nicht, zu hinterfragen, wofür man die Jacke einsetzt. Wenn man gelegentlich einfache Wanderungen unternimmt, braucht man keine Hochgebirgsausrüstung.“

mehr...

Cornelia Schobesberger
Februar 2021

Bild: 101imges/shutterstock.com

 

 

copyright  2021
23. September 2021