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Spondylarthrose: Verschleiß der Facettengelenke

16. April 2021 00:00 Uhr

Nützen sich die kleinen Facettengelenke in der Wirbelsäule stark ab, kann das zu starken Schmerzen führen.

Durch verschiedene Therapiemaßnahmen kann der weitere Verschleiß der Gelenke möglicherweise gestoppt werden. In schweren Fällen kann eine Operation nötig sein.

Bei der Spondylarthrose (auch Facettengelenksarthrose oder Wirbelgelenkarthrose genannt) nutzen sich die Gelenkknorpel der kleinen Facettengelenke ab. Vom Verschleiß dieser Gelenke kann der gesamte Bereich der Wirbelsäule betroffen sein. Auf häufigsten tritt das Problem in der Lendenwirbelsäule auf, gefolgt von der Hals- und (ziemlich selten) der Brustwirbelsäule.

Die Facettengelenke verbinden die Wirbelbögen der Wirbelsäule mit ihren oberen und unteren Gelenksfortsätzen miteinander. Sie liegen hinter der Wirbelkörpern, sind oval geformt, mit einer Gelenkskapsel umhüllt und mit einem Knorpel überzogen. Sie sorgen auch für die richtige Dosis an Beweglichkeit in der Wirbelsäule. Diese soll einerseits ausreichend beweglich sein, aber auch vor schädlicher Überbeweglichkeit geschützt werden.

Risikofaktoren

Leider verschleißen die Facettengelenke im Laufe des Lebens immer mehr, sie nützen sich altersbedingt ab. Meist kommt es zusätzlich zu langfristigen Fehlbelastungen durch eine falsche Position im Sitzen oder durch starke körperliche Belastungen, wodurch ein oder mehrere Knorpel zu Grunde gehen. Gleichzeit verlieren auch die Bandscheiben an Höhe, wodurch sich die Belastung auf die Facetten weiter verstärkt und die Knorpel immer mehr abnützen und eine Arthrose entsteht.

„Dieses Problem kann zwar jeden betreffen, aber man hat durch seine Lebensweise großen Einfluss darauf. Gefährdet ist vor allem, wer seine Wirbelsäule langfristig falsch belastet und wer deutlich übergewichtig ist“, sagt Dr. Babak Parsaei, Facharzt für Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie im Medizinzentrum der Diakonissen in Linz.

Symptome

Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, treten die Schmerzen im unteren Lenden- und Kreuzbeinbereich auf und können in Beine, Hüften, Leisten und Gesäß ausstrahlen.

Ist die Halswirbelsäule betroffen, zeigen sich Schmerzen vorwiegend im Nackenbereich, aber auch in Schulter und Kopf. Es kann auch zu Schwindel und zu Gefühlsstörungen und Kraftlosigkeit in Armen und Händen kommen.

Art der Schmerzen

Die Schmerzen werden meist als dumpf beschrieben. Sie werden auch von Schmerzen der umliegenden Muskulatur begleitet, die sich verkrampfen.

Es handelt sich primär um Bewegungsschmerzen. Das bedeutet, dass sie sich bei Bewegung und Belastung verschlimmern und im Liegen und Sitzen in der Regel bessern. Eine Ausnahme: Ist die Ursache der Schmerzen eine Entzündung (wie bei rheumatischen Erkrankungen), dann bestehen Schmerzen auch in Ruhelage. „Solche Patienten sind am Morgen sehr steif und schmerzgeplagt, mit Bewegung bessert sich ihr Zustand jedoch deutlich“, erklärt Parasaei.

Folgewirkungen

Häufig führt ein Verschleiß der Facettengelenke zu einer Destabilisierung der Wirbelsäule. Um die Segmente stabil zu halten, reagiert der Körper in der betroffenen Region mit Knochenanbauten. Er versucht also selbstständig, das Problem zu lösen. Dies hat jedoch oft die unerwünschte Wirkung, dass die Knochenanbauten den Wirbelkanal einengen, wodurch das Rückenmark bzw. Nervenfasern bedrängt werden. Auch einzelne, seitlich aus der Wirbelsäule austretende Nervenkanäle können dadurch eingeengt werden. All dies kann zu heftigen Schmerzen und auch zur Beeinträchtigung der Beweglichkeit führen. Typisch dafür ist die sogenannte Schaufensterkrankheit, die in diesem Fall durch die Wirbelsäulenproblematik ausgelöst wird. Konkret bedeutet das, dass der Patient oft nur mehr wenige Schritte gehen kann und dann wegen der Schmerzen in den Beinen stehen bleiben muss. Im Alltag (auf der Straße) tarnt der Patient seinen Zustand oft dadurch, dass er vorgibt, in ein Schaufenster zu sehen.

Diagnose

Eine verlässliche Diagnose lässt sich mittels ausführlichen Gesprächs, körperlicher Untersuchung und einem bildgebenden Verfahren erreichen. Am besten eignet sich dazu eine Magnetresonanztomographie (MRT). „Dabei lassen sich die Ursachen der Probleme sehr gut erkennen und man erkennt auch, ob ein Nerv bedrängt ist“, sagt Parsaei. Mittels MRT lässt sich zudem der gesamte Verlauf eines Wirbelsäulenabschnittes darstellen.

Therapie

Da Knorpel nur schlecht regenerieren, besteht die Therapie darin, weiteren Schaden möglichst zu minimieren. Der Verlust der Knorpel lässt sich zwar nach heutigem Stand der Medizin nicht rückgängig machen, aber der weitere Verfall kann durchaus gestoppt werden. Dies ist möglich durch gezielten Muskelaufbau beim Physiotherapeuten, Verbesserung der Körperhaltung, Vermeidung bestimmter Bewegungen und Abbau von Übergewicht.

Je nachdem, wie weit der Schaden bereits fortgeschritten ist, kommen folgende Maßnahmen in Betracht:

  • Physiotherapie: Stärkung und Dehnung der Muskulatur und Koordinationsübungen.
  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Mittel oder in schweren Fällen Opiate.
  • Infiltration: unter CT-Führung wird an den betroffenen Gelenken eine Mischung von Kortison und einem Betäubungsmittel injiziert. Besserung für einige Wochen ist möglich. Maximal drei Spritzen pro Jahr werden angeraten.
  • Radiofrequenztherapie (Veröden von Nervenfasern): Ziel ist es, schmerzleitende Nervenfasern auszuschalten. Dies kann mittels Hitze (veröden), Kälte (vereisen) oder mittels Laser erfolgen. Trifft man den richtigen Nerv, kann dies die Schmerzen ausschalten. Da sich der behandelte Nerv aber wieder erholt, ist der Erfolg der Behandlung zeitlich begrenzt, nach einigen Monaten kommt der Schmerz wieder. Die mögliche Verbesserung hält langer als bei einer Infiltration.

Operationen

Eine Operation richtet sich nach den Folgen, die ein verschlissenes Facettengelenk mit sich gebracht hat:

  • Dekomprimierende Operation:
    Liegt eine Verengung des Wirbelkanals vor, wird die Engstelle beseitigt und die beengten Strukturen entlastet. Im Falle von problematischen Knochenanbauten können die überschüssigen Knochenanlagen operativ entfernt werden. Rückenmark und Nervenwurzeln werden dadurch vom Druck benachbarter Knochen befreit. „Dieser Eingriff wird vor allem bei älteren Patienten häufig durchgeführt und bringt in den allermeisten Fällen sehr gute Erfolge. Die Schmerzen gehen deutlich zurück und die Bewegungsfähigkeit wird wiederhergestellt“, sagt der Chirurg.
  • Versteifung:
    Eine Versteifungsoperation (hierbei werden zwei oder mehrere Wirbel miteinander steif verbunden) sollte vermieden werden, wenn dies möglich ist. Sie kommt nur als letztes Mittel in Betracht und sollte nur durchgeführt werden, wenn der Patient massive Schmerzen hat und alle anderen Maßnahmen versagt haben. „Meist wird sie dann angewandt, wenn Gleitwirbel massive Probleme bereiten und es bereits zu neurologischen Ausfällen kommt“, sagt Dr. Parsaei. Durch die Versteifung wird die Wirbelsäule im operierten Gebiet unbeweglich. Ein weiteres Problem ist die Gefahr der Anschlussdegeneration. Durch die Versteifung wird die Last auf die oben und unten anschließenden Wirbel abgewälzt. Diese halten bei vielen Patienten den Druck nicht stand und müssen später ebenfalls versteift werden. Dieser Prozess kann sich mehrmals wiederholen. Der Patient wird immer unbeweglicher und oft arbeitsunfähig.

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Dr. Thomas Hartl
April 2021

Bild: fizkes/shutterstock.com

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