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Meine Gesundheit

Spinalkanalstenose: Verengung des Wirbelkanals

27. Mai 2021 00:00 Uhr

Wird der Platz in der Wirbelsäule zu eng, kann das zu heftigen Schmerzen und anderen Beschwerden führen.

In einem Teil der Fälle sind Operationen sinnvoll. Diese sind jedoch nur dann angebracht, wenn konservative Therapien erfolglos bleiben.

Der Wirbelkanal (Spinalkanal) befindet sich im Inneren der Wirbelsäule und verläuft von der Halswirbelsäule bis zum Steißbein. Der Kanal ist eine Art knöcherne Röhre, in dem Rückenmark und Nervenwurzeln verlaufen. Im Fall einer Spinalkanalstenose ist diese Röhre an einer bestimmten Stelle verengt, wodurch es zu einem Druck auf das Rückenmark und/oder auf die Nervenfasern kommen kann.

Engstellen können in jedem Teil der Wirbelsäule auftreten, sie zeigen sich primär in der Lendenwirbelsäule (LWS) und in der Halswirbelsäule (HWS). Die Brustwirbelsäule ist nur selten betroffen.

Ursachen

Hauptursache einer Stenose ist die Abnützung (Degeneration) der Wirbelsäule, die mit zunehmendem Alter auftritt. Die Wirbelgelenke erkranken (Facettenarthrose), sie werden dabei größer und drücken gegen den Wirbelkanal, wodurch sich dieser verengt.

Oft werden die Wirbelgelenke auch instabil und beginnen zu wackeln. Um das betroffene Segment zu stabilisieren, beginnen im Bereich der Wirbelgelenke knöcherne Sporne (Osteophyten) zu wachsen. Das Problem dabei: Wachsen die Sporne in Richtung des Wirbelkanals, beginnen sie irgendwann gegen den Kanal zu drücken und lösen dadurch Beschwerden aus.

In einem fortgeschrittenen Stadium kann ein bestimmter Abschnitt der Wirbelsäule dermaßen instabil werden, dass man von einem Wirbelgleiten spricht. Dabei verschieben sich zwei Wirbel immer wieder gegen/übereinander und lösen eine heftige Schmerzproblematik aus.

Symptome

Spinalkanalstenose der HWS: Hier wird das Rückenmark bedrängt und/oder es werden Nerven komprimiert. Werden die aus dem Wirbelkanal austretenden Rückenmarksnerven eingeengt, weil die Austrittslöcher zu klein werden, erzeugt das Nervenschmerzen. „Die Beschwerden sind ähnlich wie bei Schmerzen, die durch defekte Bandscheiben hervorgerufen werden: Starke Schmerzen und auch Missempfindungen und Ausstrahlungen bis in die Finger sind möglich. Es kann auch zu Symptomen wie bei einer beginnenden Querschnittslähmung kommen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Andreas Gruber, Vorstand der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Kepler Universitätsklinikum.

Spinalkanalstenose der LWS: Hier werden Nerven, die für die Versorgung der Beinmuskulatur, der Blasen- und Mastdarmentleerung sowie der Sexualfunktion zuständig sind, komprimiert (gequetscht). Meist geschieht dies in der Bewegung, also beim Gehen. Typischerweise beginnen die Beine stark zu schmerzen und zu verkrampfen, sobald der Patient eine bestimmte Wegstrecke hinter sich gebracht hat. Ist das der Fall, muss er stehen bleiben und warten, bis sich die Schmerzen wieder beruhigen. Um das möglichst unauffällig zu machen, sehen Betroffene (vermeintlich interessiert) in umliegende Schaufenster. Daher nennt man die Erkrankung auch „spinale Schaufensterkrankheit“.

Davon zu unterscheiden ist die gefäßbedingte Variante der Schaufensterkrankheit, bei der die durch die Gefäßverengung (Arteriosklerose) bedingte verringerte Blutversorgung der Muskeln beschwerdeauslösend ist.

Operationen als letzte Möglichkeit

Verengungen des Wirbelkanals werden häufig chirurgisch therapiert. Es handelt sich aber um keine harmlosen Operationen, vom Gelingen der Eingriffe hängt es ab, ob sich die Lebensqualität der Patienten verbessern kann oder sich diese möglicherweise noch weiter verschlimmert.

Operation der Lendenwirbelsäule

Es stehen verschiedene Arten von Operationen zur Verfügung. „Engstellen in der LWS werden von hinten operiert. Um bedrängte Nerven zu entlasten, wird – stark vereinfacht gesagt – ein Fenster in einen Wirbel gestanzt“, erklärt Gruber.

In manchen Fällen erfolgt eine Fusionsoperation, bei der zwei oder mehrere Wirbel miteinander verschraubt werden. Solche Versteifungsoperationen sind große Operationen und werden nur dann gemacht, wenn die Wirbelsäule in einem Segment wirklich sehr instabil geworden ist und unwiderrufliche Schäden drohen. Benötigt ein Patient dagegen eine bloße Entlastung der einengenden Stelle, ist eine Versteifung nicht nötig.

Das Problem an einer Versteifungsoperation ist, dass man danach unter Umständen nur mehr eingeschränkt beweglich sein kann und dass auf die benachbarten Wirbel eine erhöhte mechanische Belastung ausgeübt wird (Anschlussdegeneration), sodass die Gefahr besteht, dass diese nach einiger Zeit ebenfalls versteift werden müssen. „Kontrolliert man Patienten zehn Jahre nach dem Eingriff auf eine mögliche Anschlussdegenerationen, so zeigen sich solche in 30 Prozent der Fälle auf MRT-Bildern. Körperliche Beschwerden zeigen jedoch nur zehn Prozent der Patienten“, sagt der Facharzt für Neurochirurgie.

Operation der Halswirbelsäule

Die HWS kann sowohl von vorne als auch von hinten operiert werden. Es bestehen verschiedene Operationsmethoden, wobei es immer das Ziel ist, den Wirbelkanal zu erweitern und das bedrängte Rückenmark oder bedrängte Nerven zu entlasten. Auch bei der HWS können Versteifungsoperationen nötig werden, sie sollten jedoch nur das letztmögliche Mittel sein.

Operieren oder nicht?

Eine Operation darf niemals die erste Wahl einer Therapie sein. Bevor man diese Möglichkeit in Betracht zieht, müssen alle konservativen Therapien (wie etwa Physiotherapie) erfolglos versucht worden sein. „Jeder einzelne Fall muss genau betrachtet und individuell entschieden werden. Bei manchen Patienten ist die Sache schnell klar und die Entscheidung leicht zu fällen. Bei vielen anderen jedoch ist eine genaue Abwägung der Für und Wider vorzunehmen. Hochbetagte Menschen sollte man keiner große Operation unterziehen, hier droht der Schaden größer auszufallen wie der mögliche Nutzen“, sagt Gruber.

Nur wenn die subjektiven Beschwerden zur Diagnose passen und von MRT-Bildern untermauert werden und wenn eine konservative Therapie aussichtslos erscheint oder ergebnislos geblieben ist, sollte eine Operation erwogen werden. Hat ein Patient keine Beschwerden wie Lähmungserscheinungen und/oder quälende Schmerzen, besteht kein Grund für eine Operation. Erstellte Bilder dürfen niemals die alleinige Grundlage für einen Eingriff sein.

Zweitmeinung einholen

Die Patienten selbst sehen die Möglichkeit einer Operation sehr differenziert. „Viele Patienten leiden unnötig, weil sie sich absolut nicht operieren lassen wollen, obwohl es wirklich angezeigt wäre. Andere wiederum wollen sich unbedingt operieren lassen, ohne dass es nötig wäre. Oft bedrängen sie Chirurgen, das möglichst rasch zu tun“, so Gruber.

Generell sollte man vor einer geplanten Operation immer daran denken, nötigenfalls auch eine medizinische Zweitmeinung einzuholen. „Bei großen und/oder schwierigen Operationen kann es sich auch lohnen, mehr als zwei ärztliche Meinungen einzuholen. Manche Patienten übertreiben die Einholung von Meinungen und betreiben sogenanntes Doctor-Shopping. Sie holen sich jede Menge Diagnosen ein und pilgern von einem Arzt zum nächsten, bis sie einen finden, der ihnen das sagt, was sie hören wollen und das tut, was sie für richtig halten“, erzählt Gruber.

Da es unter Experten recht unterschiedliche Auffassungen gibt, ob und wie operiert werden soll, muss man damit rechnen, widersprüchliche Meinungen mitgeteilt zu bekommen. „Am besten tut der Patient daran, sich einen kompetenten Arzt zu suchen, dem er persönlich auch vertraut“, rät der Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie.

mehr...

Dr. Thomas Hartl
Mai 2021

Bild: Mintr/shutterstock.com

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