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Meine Gesundheit

Reha bei CoViD-Langzeitfolgen

22. Oktober 2021 00:00 Uhr

Nach einer CoViD-19-Infektion spielt der Körper bei einem Teil der Patient:innen lange Zeit verrückt.

Viele haben mit Spät- und Langzeitfolgen zu kämpfen. Sie betreffen Atemwege, Herz-Kreislauf-System, Muskelapparat, Nervensystem und auch den Stoffwechsel. Diese Folgen werden „Long CoViD“ genannt und sind durch zahlreiche langwierige körperliche und psychische Beschwerden geprägt. Eine Rehabilitation hilft dabei, diese zurückzudrängen und die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.

Von Long CoViD spricht man, wenn Patient:innen nach einer durchgemachten CoViD-19-Erkrankung länger als acht Wochen an bestimmten gesundheitlichen Folgen der Infektion leiden. Wie viele der Patient:innen von diesen Langzeit- oder Spätfolgen betroffen sind, lässt sich zurzeit noch nicht sicher sagen, es ist jedenfalls ein beträchtlicher Teil. Long CoViD gibt Ärzt:innen und Forscher:innen weiterhin viele Rätsel auf, auch die Ursachen sind noch Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Klar ist lediglich, dass Entzündungsprozesse, die sich in den Organen manifestieren, eine entscheidende Rolle spielen dürften.

Bedeutung einer Reha

Viele Patient:innen können nach einer CoViD-Erkrankung den Alltag nur mehr bedingt gestalten. Diesen Long CoViD-Patient:innen steht die Möglichkeit einer Rehabilitation offen. Im Rahmen dieser Maßnahme sollen sie so weit wiederhergestellt werden, dass sie in ihr gewohntes Leben zurückkehren können.

„Rehabilitation als medizinisches Therapieprogramm ist für Menschen mit CoViD-Langzeitfolgen enorm wichtig. Rehabilitation heißt wörtlich, den Menschen ihr Leben wieder zurückgeben. Das ist für viele CoViD-Patienten:innen sehr zutreffend. Die Maßnahme zielt darauf ab, den jeweiligen Patientinnen und Patienten individuell das zu geben, was sie benötigen, um am Leben wieder teilhaben zu können“, sagt Dr. Gabriele Reiger, die Ärztliche Leiterin des Rehabilitationszentrums der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) in Weyer.

Antrag stellen

Nach einer durchgemachten CoViD-19-Erkrankung benötigt man für eine Rehabilitation einen durch den Sozialversicherungsträger bewilligten Antrag. „Es wird darauf geachtet, dass alle, die dringenden Bedarf haben, sehr schnell zu einer Reha kommen. Bei einer geringeren Dringlichkeit muss man im Moment mit einer Wartezeit von einem bis zwei Monaten rechnen“, sagt Reiger.

In Österreich stehen für Menschen, die nach einer CoViD-19-Erkrankung an Spätfolgen leiden, ambulante Zentren für Rehabilitation in Wien und Graz und zudem mehrere stationäre Rehabilitationszentren der Pensionsversicherungsanstalt hier speziell Weyer in Oberösterreich und Hochegg in Niederösterreich zur Verfügung. Aber auch zahlreiche Partnereinrichtungen rehabilitieren seit Beginn der Pandemie Patient:innen mit Folgeerkrankungen nach einer CoViD-19-Erkrankung.

Wer konkret darf zur Reha?

Das Bild der Patient:innen, die eine CoViD-Reha absolvieren, ist bunt gemischt. Da sind zum einen jene Betroffenen, die schwere Krankheitsverläufe hinter sich haben. Viele (jedoch nicht alle) sind im Spital gelegen, ein Teil davon hat auf einer Intensivstation um das Leben gerungen. Doch findet man ebenso Patient:innen, die nur leichte Verläufe hinter sich haben, bei denen sich die Beschwerden nach einigen Wochen jedoch verschlimmert haben. Alle Altersgruppen sind vertreten – von 18 bis über 80 Jahre.

Ablauf einer Reha

Am Beginn einer Reha im Rehabilitationszentrum Weyer stehen eine ärztliche Aufnahmeuntersuchung, Gespräche mit einer Diätologin, einer Ergotherapeutin sowie mit Expert:innen der Physiotherapie und Pflege. Die Patient:innen können so richtig eingestuft werden. Auf dieser Basis werden gemeinsam Reha-Ziele definiert, die eine möglichst vollständige Teilhabe am Leben ermöglichen sollen. Demzufolge kann ein problembezogener, passgenauer Therapieplan erstellt werden. Die Dauer eines Reha-Aufenthaltes beträgt 22 Tage und kann aber bedarfsorientiert verlängert werden.

Häufige Beeinträchtigungen

Die Beschwerden und Nachwirkungen einer CoViD-19-Virusinfektion sind vielfältig. Denn diese betrifft nicht bloß die Lunge, sondern kann eine Multiorganerkrankung auslösen und alle Bereiche des Körpers und der Psyche betreffen. Eine Fülle an Symptomen ist mittlerweile bekannt. Diese sind derart vielschichtig und oft auch unspezifisch, dass sie für Arzt:innen oft eine große Herausforderung darstellen.

 

Im Folgenden sind einige typische Beschwerden angeführt:

  • Fatigue (außergewöhnliche Müdigkeit und Kraftlosigkeit bis hin zur Erschöpfung), Atemprobleme, Kurzatmigkeit, Verlust von Geruch- und Geschmacksinn, Herzrasen, Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen, Magen/Darm-Probleme, massiver Gewichtsverlust (vor allem aufgrund eines Verlusts an Muskelmasse), Haarausfall
  • Ängste, Depression, Anpassungsstörungen, Konzentrationsprobleme, Gedächtnislücken, Vergesslichkeit, Schlafstörungen
  • Viele leiden auch an den psychosozialen Folgen Ihrer Corona-Erkrankung. Dabei spielen Arbeitsplatzverlust und finanzielle Engpässe bedingt durch Einkommensverluste eine Rolle, ebenso wie Probleme in der Partnerschaft bis hin zur Trennung. Viele Patient:innen, die in der Intensivstation um ihr Leben gekämpft haben, sind zudem traumatisiert

Phänomen Erschöpfung

Eine bleierne Müdigkeit und Erschöpfung sind für viele Betroffene das größte Problem. Die Ursachen einer solchen Fatigue sind nicht vollständig geklärt. Mehrere Faktoren dürften eine Rolle spielen, vor allem aber Entzündungsprozesse. Viele Betroffene sind zwar oft unendlich müde, können nachts aber dennoch nicht ausreichend schlafen. „An manchen Tagen geht es ihnen ganz gut, an anderen sind sie völlig fertig. Manche werden als depressiv oder psychisch labil abgestempelt, aber das ist nicht der Fall. Leider glaubt man ihnen am Arbeitsplatz oder auch in der Familie oft nicht und wirft ihnen vor, dass sie einfach nichts leisten wollen. Das ist falsch. Sie können im Moment einfach nichts leisten“, erklärt die Fachärztin für Innere Medizin.

Individuelle Therapien

Es gibt nicht die eine spezielle Post-CoViD-Reha, da sich die Beschwerdebilder der Patient:innen oft stark unterscheiden. „Der jeweilige Therapieplan wird daher auf die betreffende Person maßgeschneidert, je nachdem, welche speziellen Beeinträchtigungen die betroffene Person hat und welche Hilfestellung jemand braucht, um sein gewohntes Leben möglichst rasch und vollständig wieder aufnehmen zu können. Jede Patientin und jeder Patient bekommt genau das, was er oder sie braucht“, sagt Reiger.

Mögliche Bausteine einer Therapie sind:

  • Kraft- und Ausdauertraining, Atemtherapie. Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung, psychologische Betreuung etc. Auch an Wandergruppen und anderen gemeinschaftlichen Aktivitäten kann man je nach Leistungsfähigkeit teilnehmen.
  • Menschen, die längere Zeit in einer Intensivstation gelegen sind und viel an Muskelmasse verloren haben, müssen wieder zu Kräften kommen und Muskelmasse aufbauen.
  • Die medikamentöse Therapie wird je nach Beschwerdebild adaptiert.

Erfolge einer Reha

Reiger zu den erzielbaren Erfolgen einer Rehabilitation: „Bei vielen Patientinnen und Patienten sehen wir fantastische Erfolge vor allem in Bezug auf die Bewältigung des Alltags. Bei Fatigue muss man sich dagegen mehr gedulden, hier gibt es keine schnellen Erfolge. Man darf hier nicht übertrainieren, vor allem an Tagen, an denen die Müdigkeit und Erschöpfung besonders stark auftreten. Generell profitieren jede Patientin und jeder Patient von rehabilitativen Maßnahmen, nicht zuletzt auch durch den Erwerb von Wissen über die Erkrankung. Diese Gesundheitskompetenz soll in eine Fortsetzung der Trainingsmaßnahmen nach der Reha münden.“

„Die Pandemie hat die Reha als medizinische Maßnahme stark aufgewertet. Es wurde klar, dass die Menschen die Reha brauchen und sie auch schätzen, weil sie dadurch wieder in ein selbstbestimmtes Leben zurückkehren können. Es macht mich froh, dass eine Rehabilitation so vielen helfen kann, wieder zurück in die Familie zu können, wieder arbeiten gehen zu können oder wenn sich Großeltern freuen, dass sie wieder mit den Enkeln spielen können“, sagt die Ärztliche Leiterin Rieger.

Wie geht es weiter?

Die Patient:innen bekommen bei Abschluss der Reha Empfehlungen, was sie im Anschluss tun können und sollen, damit sich ihr Gesundheitszustand weiter verbessert oder stabilisiert. Auf Basis der zuletzt erzielten Leistungen werden Trainingspläne erstellt; manche bekommen Ernährungspläne oder individuell zusammengestellte Informationsunterlagen über weiterführende Therapien (beispielsweise Physiotherapie oder anschließender ambulanter Reha).

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Dr. Thomas Hartl
Oktober 2021

Bild: Lopolo/shutterstock.com

 

 

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