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Meine Gesundheit

„Papierstrohhalme“ mit Schadstoffen belastet

13. Oktober 2021 00:00 Uhr

Seit 3. Juli sind europaweit Einwegprodukte aus Plastik wie etwa Trinkhalme verboten.

Als Alternative werden oft Trinkhalme aus Papier verwendet. Diese müssen jedoch mittels Epichlorhydrinharze „nassfest“ gemacht werden, um stabil zu bleiben und sich nicht in Flüssigkeit aufzulösen, berichten die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ).

Das Problem dabei: Im Verarbeitungsprozess kann dabei das für den Menschen möglicherweise krebserregende 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) entstehen. Der AK-Konsumentenschutz OÖ hat deshalb 11 Papierstrohhalme untersuchen lassen, und dabei in allen Strohhalmen 3-MCPD festgestellt, zum Teil in beträchtlichen Mengen. Ein unmittelbares, gesundheitliches Risiko besteht durch die Verwendung der Papierhalme laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) dennoch nicht, da nur wenige 3-MCPD über den Speichel oder das Getränk aufgenommen werden.

Das gesamte Testergebnis kann auf der Seite der AKOÖ geladen werden

Insgesamt wurden 11 Papierhalme im Labor der AGES auf Veranlassung der AKOÖ untersucht. Gekauft wurden diese im stationären Handel, wobei die Halme pro Stück zwischen 4 und 67 Cent kosteten. 8 der 11 Halme wurden in China gefertigt. Die verbleibenden 3 Hersteller machen keine Angaben zum Herstellungsort.

Alle Papierhalme verunreinigt

  • Im Labor wurden in allen 11 Halmen 3-MCPD gefunden, wobei sich die Konzentrationen deutlich unterschieden: Die Summenwerte lagen zwischen 64 und 1.539 Mikrogramm pro Kilogramm, berichten die Konsumentenschützer über die Ergebnisse.
  • Auch 2-MCPD wurde in geringen Mengen in 9 der 11 Halme festgestellt.
  • Die nachgewiesenen chemischen Verbindungen sind unbeabsichtigte Verunreinigungen, die beim Herstellungsprozess der Papierhalme entstehen. Man findet sie auch in hoch erhitzten Pflanzenfetten und in Lebensmitteln die getoastet, gegrillt, gebraten, frittiert oder geräuchert werden.
  • 3-MCPD gilt als möglicherweise krebserregend für den Menschen. Laut europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schädigt es Nieren und Hoden, so die AKOÖ.

Kein Gesundheitsrisiko über Halme

Aufgrund des gesundheitsschädlichen Potentials sollten laut EFSA täglich nicht mehr 3-MCPDs als 2 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden. Um festzustellen, ob die gemessenen Werte in den Papierhalmen ein Gesundheitsrisiko darstellen oder nicht, hat die AGES aufgrund der geringen Datenlage eine „Worst-Case-Annahme“ getroffen: Sie ging dabei davon aus, dass die gesamte im Halm enthaltene Menge an 3-MCPD entweder durch Speichel oder ein Getränk aus dem Halm gelöst wird und in den Körper aufgenommen wird. Selbst bei dieser Worst-Case-Annahme würde beim Strohhalm mit der stärksten Belastung ein Erwachsener lediglich 1,2 Prozent und ein Kleinkind (mit 15 kg) aufgrund des geringeren Körpergewichts 5,4 Prozent der täglich tolerierbaren Aufnahmemenge aufnehmen. Die Verwendung eines Papierstrohhalms alleine stellt somit also immerhin kein unmittelbares Gesundheitsrisiko dar.

Möglicher Krebserreger in Lebensmitteln

Aber nicht nur Papierstrohhalme, sondern auch eine Vielzahl von industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten 3-MCPD. Vor allem Lebensmittel, die Palmöl enthalten, tragen wesentlich zur Aufnahme dieser unerwünschten Stoffe bei. Schokoaufstriche, Margarine, Backwaren, Kuchen oder frittierte und gebackene Produkte enthalten ebenfalls meist viel 3-MCPDs.

Gesundheitsrisiko – vor allem für Kinder

Kinder gelten aufgrund ihres geringeren Körpergewichtes als besonders gefährdet, die täglich tolerierbare Aufnahmemenge zu überschreiten. Ob auch 2-MCPD ein gesundheitliches Risiko darstellen, wurde bisher noch nicht endgültig geklärt, hält die AKÖO fest. Aufgrund der geringen Gehalte in Trinkhalmen ist aber eine Gesundheitsgefährdung wenigstens nach derzeitigem Wissenstand nicht zu erwarten.

AK-TIPP

Wiederverwendbare Strohhalme aus Glas, Silikon oder Edelstahl sind nachhaltige Alternativen zu Plastik und Papier.

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AKOÖ / Mag. Christian Boukal
Oktober 2021

Bild: Rimma Bondarenk/shutterstock.com

 

 

 

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