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Osteopenie – Vorstufe zur Osteoporose

30. Juni 2021 00:00 Uhr

Osteopenie ist eine Vorstufe der Osteoporose (Knochenschwund), einer chronischen Erkrankung, bei der die Knochenmasse abnimmt und sich die Stabilität des Knochengewebes verschlechtert.

Der Lebensstil hat entscheidenden Einfluss auf die Knochen. Liegt bereits ein osteoporotischer Bruch vor, wird dringend zu einer medikamentösen Therapie geraten.

Knochen sind keine „tote Materie“, sondern sie befinden sich in einem ständigen Auf-, Ab- und Umbauprozess (Osteoblasten gegen Osteoklasten). Jeder Mensch erhält durch den ständigen Erneuerungsprozess nahezu alle sieben Jahre ein völlig neues Skelett. Jeder von uns hat großen Einfluss auf die Beschaffenheit seiner Knochen. Werden sie durch Sport, Bewegung und Belastung beansprucht, so werden Knochen dicker und kräftiger. Knochen, denen Bewegung und Belastung fehlen, werden dünner und schwächer. In jungen Jahren überwiegt der Aufbau den Abbau der Knochenzellen, etwa ab dem 30. Lebensjahr der Abbau; die Dichte der Knochen nimmt dann Schritt für Schritt ab. Um einem übermäßigen Abbau entgegenzuwirken, muss man die Knochen durch sportliche Betätigung belasten. Das regt seinen Stoffwechsel an lässt ihn neue Knochenzellen produzieren.

Diagnose mittels Knochendichtemessung

Die Osteopenie zeigt einen gewissen Knochenmangel an, der sich anhand einer Dichtemessung der Knochen feststellen lässt. Von einer Osteopenie spricht man, wenn die Messung der Knochendichte einen T-Wert (dieser gibt den Mineralgehalt der Knochensubstanz an) zwischen -1 und -2,5 ergeben hat, wobei -1 noch eine relativ geringfügige Abweichung von der Norm darstellt und der Wert -2 bereits vom Normwert bereits ein exponentielles Risiko für einen Knochenbruch darstellt. (Erklärung: Der T-Wert einer gesunden 30-jährigen Person dient als Bezugspunkt und wird mit 0 beziffert.).

„Ob Osteopenie für sich genommen schon als Krankheit gesehen wird, ist eher eine philosophische Frage. Viel wichtiger ist das Faktum, dass der Patient bei dieser Diagnose bereits an Knochenmasse verloren hat und dass sein Risiko für Knochenbrüche ständig steigt“, sagt Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka, Facharzt für Innere Medizin im Krankenhaus der Elisabethinen Linz.

Knochenbrüche verhindern

Diagnose und Therapie von Osteopenie und Osteoporose zielen auf die Verhinderung von Knochenbrüchen und Wirbelfrakturen. Natürlich können auch völlig gesunde und kräftige Knochen brechen, wenn die Gewalteinwirkung groß genug ist, doch bei Osteopenie beziehungsweise Osteoporose droht der Bruch von Wirbeln oder Knochen auch bei geringer Gewaltanwendung. Man spricht in diesen Fällen von osteoporotischen (pathologischen oder inadäquaten) Brüchen, also von Brüchen, die normalerweise nicht auftreten sollten. Die Konsequenzen solcher atypischen Brüche sind für die Betroffenen oft dramatisch und gesellschaftspolitisch in Summe gravierend.

Risikofaktoren

  • Folgende Faktoren erhöhen das Risiko einer Osteopenie und in der Folge eines Knochenbruchs:
  • Alter: Die Knochendichte nimmt mit zunehmendem Alter ab.
  • Wechseljahre: In den Jahren der Menopause der Frau sinkt der T-Wert der Knochen deutlich, danach verflacht sich abnehmende Kurve wieder. Vor allem ein früh einsetzender „Wechsel“ (vor dem 45. Lebensjahr) bedeutet ein erhöhtes Risiko.
  • Wenig Bewegung und Sport.
  • Vitamin D-Mangel: Ist weit verbreitet. Substitution ist dann sinnvoll, wenn ein Mangel festgestellt wurde; darüber hinaus generell bei kleinen Kindern und in den Wechseljahren.
  • Kalziumarme Ernährung: Kinder, die wenig Milch bekommen, entwickeln ein erhöhtes Risiko; auch vegane Ernährung kann ein Problem bereiten, wenn man Kalzium nicht supplementiert.
  • Alkohol, Nikotin.
  • Untergewicht: Sehr dünne, zierliche Menschen haben ein höheres Risiko für Frakturen. Aufgrund ihres geringen Gewichtes werden ihre Knochen kaum einer Belastung ausgesetzt und dadurch werden diese ausgedünnt und bauen ab. „Das zeigt sich sehr deutlich bei Astronauten im Weltraum, aber auch bei Rollstuhlfahrern. Ihre Beine sind nicht nur wegen der fehlenden Muskeln so dünn, sondern auch, weil die Knochen immer mehr abbauen“, sagt Cejka. Ein höheres Körpergewicht führt wegen der höheren Belastung zu Verdickung und Wachstum der Knochen.
  • Bestimmte Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen bringen ein erhöhtes Risiko mit sich (beispielsweise Rheumatische Arthritis: Die Entzündungsstoffe gelangen in den ganzen Körper und führen zu einem Abbau der Knochen); entzündliche Darmerkrankungen, Schilddrüsenstörungen (vor allem Überfunktion der Schilddrüse), Diabetes Mellitus (verschlechtert die Qualität der Knochen).
  • Einsatz einer langfristigen Kortisontherapie.
  • Anti-Hormontherapie (Hormonentzugstherapie): Diese Therapie kommt bei Krebserkrankungen zum Einsatz.
  • Genetische Veranlagung.

Keine Symptome

Osteopenie entsteht schleichend und ohne Vorwarnung, Eine geringe Knochendichte ruft keine Beschwerden hervor. Alarmsignale oder erste Anzeichen sind ebenfalls nicht bekannt. Hinweise auf eine mögliche Osteopenie kann lediglich der Umstand liefern, dass bei einem Elternteil ein osteoporotischer Bruch aufgetreten ist und man daher erblich vorbelastet sein könnte. Ansonsten kann man sich an den Risikofaktoren orientieren und bei Verdacht eine Knochendichtemessung vornehmen lassen.

Entscheidend für den Zustand der Knochen ist die Lebensführung. Ernährung und Sport haben direkten Einfluss.

Einfluss der Ernährung

Gesunde Knochen benötigen vor allem ausreichend Kalzium und Vitamin D.

Kalzium: Findet sich in Milchprodukten aller Art, in Mineralwasser, Sesam, Broccoli u.v.m. Vegetarische Ernährung ist mit dem Kalziumbedarf in der Regel vereinbar, bei veganer Ernährung könnte es Probleme geben, hier kann eine Substitution mit Kalziumpräparten sinnvoll sein.

Vitamin D: Das Vitamin wird vorwiegend durch Sonnenlicht auf der Haut erzeugt und lässt sich nur zu einem geringen Teil mittels Nahrung aufnehmen. Reich an Vitamin D sind etwa Meeresfische wie Hering, Lachs, Makrele oder Thunfisch, aber auch Eigelb und Pilze. Ab einem Alter von rund 50 Jahren sollte man den Vitamin D-Spiegel kontrollieren lassen und das „Sonnenvitamin“ gegebenenfalls mittels Tropfen oder Kapseln substituieren. „Auch wenn Vitamin D-Mangel weit verbreitet ist, sollte aber nicht jeder wahllos Präparate schlucken, sondern zuerst seinen Status feststellen lassen. Bei großem Mangel muss man mit großen Mengen zum Aufbau des Vitamin D-Spiegels starten. Andere wiederum brauchen nur ein paar Tropfen, das ist individuell verschieden“, sagt Cejka.

Vitamin K: Auch Vitamin K ist für die Knochen wichtig. „Es gibt momentan einen regelrechten Hype um dieses Vitamin, der aber außer Verhältnis zu seiner tatsächlichen Wertigkeit liegt. Eine Substitution ist nur dann sinnvoll, wenn ein Mangel tatsächlich festgestellt wurde“, hält Cejka fest.

Kräftigender Sport

Knochen kräftigen sich durch Belastung. Daher ist vor allem Kraftsport ein geeigneter Weg, um für die eigene Knochengesundheit zu sorgen. „Reiner Ausdauersport dagegen ist zwar gesund, bringt für die Knochen aber wenig, wenn dabei die Knochen nicht beansprucht werden. Positiv sind auch Rückenturnen, Pilates, Yoga und das Kieser-Training“, sagt der Mediziner. Kräftigender Sport empfiehlt sich sowohl als Vorbeugung als auch als Therapie-Maßnahme nach einer erfolgten Fraktur, um weitere Knochenbrüche zu verhindern.

Medikamentöse Therapie

Es stehen verschiedene Medikamente zu Verfügung. Eine Medikamenten-Gruppe verhindert weiteren Knochenverlust, stabilisiert und härtet die Knochen aus. Andere Medikamente bauen die Knochen wieder auf. „Wie wichtig Medikamente sein können, zeigt die Tatsache, dass durch eine Therapie die Wahrscheinlichkeit eines Folgebruches um 50 bis 75 Prozent gesenkt wird“, sagt Cejka.

Eine medikamentöse Therapie ist dann sinnvoll und nötig, wenn bereits ein osteoporotischer Bruch eingetreten ist. Der bei einer Knochendichte-Messung ermittelte T-Wert ist bei der Entscheidung, ob Medikamente zum Einsatz kommen, nur zweitrangig wichtig. Ergibt eine Messung zwar Osteopenie, besteht jedoch keine ersichtliche Bruchgefahr, ist keine medikamentöse Therapie nötig. Liegen bei demselben T-Wert aber Wirbeleinbrüche vor, sollte sehr wohl therapiert werden. „Sobald ein osteoporotischer Bruch eingetreten ist, sollte man den Patienten behandeln“, so Cejka. Das ist etwa der Fall, wenn man aus dem Stand stürzt und sich dabei das Handgelenk bricht. So ein Bruch ist nicht normal und man sollte hier unabhängig von der Knochendichte therapieren. Gleiches gilt, wenn Wirbelkörper ohne ersichtlichen Grund einbrechen. In solchen Fällen liegt bereits eine manifeste Osteoporose vor.

Therapie vielfach mangelhaft

„Die Zahlen sind schockierend. 85 Prozent der Patienten mit Oberschenkelhalsfraktur bekommen in Österreich keine weiterführende Osteoporose-Therapie. Nach der Akutversorgung im Spital werden die Patienten entlassen und niemand kümmert sich um eine weitere Therapie. Das ist wirklich desaströs! Denn für die Patienten bedeutet ein solcher Bruch oft den Anfang vom Ende. Oft beginnt eine Pflegebedürftigkeit und letztendlich steigt die Sterbewahrscheinlichkeit. Auch der gesamtwirtschaftliche Schaden dadurch ist enorm“, betont Cejka. Er rät Patienten und den Angehörigen nach einem osteoporotischen Wirbel- oder Knochenbruch sich um eine umfassende Therapie zu bemühen und diese einzufordern. „Es reicht nicht, wenn man den Bruch mit einem Mieder oder ähnlichem stabilisiert und den Patienten ohne weiterführende Therapie entlässt. Tut man es dennoch, sind die nächsten Brüche nur eine Frage der Zeit“, warnt der Arzt.

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Dr. Thomas Hartl
Juni 2021

Bild: Perfect Wave/shutterstock.com

 

 

 

 

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