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Forum Gesundheit

Neue Hüfte, neues Knie

13. März 2020 00:00 Uhr

Ein gut aufgebauter Knorpel im Gelenk ist die Grundlage für einen gleitenden, weitgehend schmerzfreien Bewegungsablauf.

Mit den Jahren, aber auch aufgrund von zu starker oder falscher Belastung, nutzt sich der Knorpel ab, eine Arthrose beginnt. Um Schmerzen zu lindern, Entzündungsprozesse zu stoppen und Muskelkraft und Koordination wiederum aufzubauen, wird in der Behandlung zuerst auf intensive konservative Therapiemöglichkeiten gesetzt.

Eine weitere Option beim fortgeschrittenen Gelenkverschleiß ist der Ersatz des Gelenks durch eine Prothese. Der richtige Zeitpunkt dafür ist individuell verschieden und richtet sich vor allem nach den Bedürfnissen des Patienten. Prim. Prof. Dr. Björn Rath, Leiter der Abteilung für Orthopädie und chirurgische Orthopädie am Klinikum Wels-Grieskirchen, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zu neuen Hüft- und Kniegelenken.

Wann brauche ich ein künstliches Gelenk?

Die Beschwerden des Patienten, der klinische Gelenkstatus und das Röntgenbild geben uns Aufschluss über den Zustand des Gelenks. Die Dringlichkeit einer Operation richtet sich aber vor allem nach dem subjektiven Leidensdruck und den Beschwerden des Patienten – wenn er nur noch mit Schmerzmitteln durch den Tag kommt, kaum noch schlafen und keine 500 Meter mehr gehen kann, sollte ein künstliches Gelenk in Betracht gezogen werden.

Wie kann ich mich auf die OP vorbereiten?

Bleiben Sie mobil! Am besten trifft man bereits vor der geplanten Operation Vorbereitungen in Absprache mit dem Arzt: Durch Bewegungstraining unter Anleitung eines Physiotherapeuten wird einerseits die Muskulatur und andererseits auch der Allgemeinzustand gestärkt. Das hilft, nach dem Eingriff schneller wieder fit zu werden. Auch der Lebensraum zu Hause kann vorbereitet werden: Stolperfallen, wie zum Beispiel lose Teppiche, müssen entfernt werden. Im Anschluss an die OP ist vor der Reha ein Remobilisationsaufenthalt im Spital zu empfehlen. Dort wird durch ärztliche, pflegerische und physiotherapeutische Versorgung die Wiederherstellung der selbstständigen Lebensführung angestrebt.

Wie läuft die Operation ab?

Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks dauert rund eine Stunde. Danach kehrt man auf die Station zurück, wo gegen Abend die Ergebnisse mit dem Operateur besprochen und Bewegungstests mit dem betroffenen Bein durchgeführt werden können. Teilweise können die Patienten schon direkt mit dem Operateur aufstehen und erste Schritte gehen. Schon am ersten postoperativen Tag werden die Patienten unter physiotherapeutischer Anleitung mobilisiert, der Umgang mit den in der Anfangszeit notwendigen Gehstützen wird erlernt. Dann ist noch individuell ein Aufenthalt von fünf bis sieben Tagen im Krankenhaus notwendig.

Werde ich minimalinvasiv operiert?

Die Operation wird in der Regel minimalinvasiv über einen kleinen Hautschnitt durchgeführt, es wird dabei kein Muskel durchtrennt. Diese muskelschonende Operation fördert eine schnelle Regeneration und Mobilität des Patienten.

Welches Material wird verwendet? Vor- und Nachteile?

Die einzelnen Komponenten von Kunstgelenken müssen bestimmten Anforderungen standhalten – zum Beispiel dürfen sie selbst kaum einem Alterungsprozess unterliegen, verwendetes Metall darf also zum Beispiel nicht brüchig werden. Weiter darf sich die Form der Prothesen trotz Belastung über die Jahre nicht verändern. Das Material des Hüftimplantats besteht aus Titan, hochvernetztem Polyethylen (Kunststoff) und Keramik und ist zur Gänze nickelfrei. Aufgrund der speziellen Geometrie und den Anforderungen an eine Prothese im Bereich des Kniegelenkes setzt sich diese aus einer Legierung aus Chrom, Kobalt und Molybdän zusammen und enthält somit einen geringen Prozentsatz Nickel.

Nickelallergie?

Leidet ein Patient unter einer Nickelallergie, muss auf ein geeignetes Knieimplantat zurückgegriffen werden, zum Beispiel eine Prothese mit einer speziellen Beschichtung.

Sollten ältere Menschen eher früher oder später operiert werden?

Wir richten uns bei der Indikationsstellung für die OP nicht alleine nach dem Röntgenbild und dem klinischen Bild. Positive Antworten auf Fragen, wie zum Beispiel „Nimmt der Patient bereits täglich Schmerzmittel ein?“, „Rauben ihm die Schmerzen den Schlaf?“, „Kann er nur noch einen halben Kilometer selbstständig gehen?“ oder „Ist er im Alltag aufgrund der Gelenkbeschwerden deutlich eingeschränkt?“, geben uns konkrete Hinweise, ob und wie rasch ein Kunstgelenk im Bereich von Hüfte oder Knie implantiert werden sollte – egal, ob der Patient jung oder alt ist.

Wie lange hält das Implantat?

Alle Kunstgelenke haben eine begrenzte Haltbarkeit. Anhand aufwendiger Untersuchungen und Kontrollen konnte in Endoprothesenregistern gezeigt werden, dass der Großteil der Kunstgelenke über 15 Jahren und noch länger halten. Bei einer Lockerung der Prothesen kann diese im Rahmen einer Operation gewechselt werden.

Wie hoch darf die Erwartungshaltung sein?

Bei Hüftpatienten dürfen die Erwartungen sehr hoch sein, bei 95 Prozent der Fälle finden wir nach der Operation eine massive Schmerzreduktion oder Schmerzfreiheit und eine gute Beweglichkeit vor. Nach der Implantation eines künstlichen Kniegelenks erfahren bis zu 85 Prozent eine deutliche Reduktion der Symptome oder ebenfalls eine Schmerzfreiheit und eine gute Beweglichkeit. Die weiteren Patienten verspüren teilweise weiterhin Schmerzen und haben eventuell Bewegungseinschränkungen. Die Ergebnisse sind in den letzten Jahren weiterhin besser geworden, jedoch ist die kombinierte Roll-, Dreh- und Gleitbewegung des Kniegelenks sehr komplex. Vor der Entscheidung zur Knieprothesenoperation werden deshalb alle konservativen Therapien voll ausgeschöpft.

Kann es eine Infektion durch Keime geben?

Wie auch jeder andere Eingriff ist die Implantation eines Kunstgelenks bei allen Sicherheitsmaßnahmen mit einem gewissen Restrisiko behaftet. Zu beachten gilt: In der Vielzahl sind es körpereigene Keime, die trotz aller Desinfektion und Vorsichtsmaßnahmen eine Infektion im Wundbereich auslösen können. Um dieses Restrisiko weiter zu reduzieren, gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene, um die Abläufe immer zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Es ist aber auch zu beachten, dass bei Patienten mit Zustand nach Voroperation, bei sehr komplexen Operationen und bei Patienten mit rheumatischen Krankheitsbildern, geschwächter Immunabwehr oder starkem Übergewicht ein höheres Risiko vorliegt. Hierüber werden die Patienten auch ausführlich aufgeklärt.

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Mag. Christian Boukal / Klinikum Wels-Grieskirchen
März 2020

FOTO: Prof. Rath und Patientin © Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann

 

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