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Medikamenteneinnahme: Darauf sollten Senioren achten

16. Juni 2021 00:00 Uhr

Mit steigendem Lebensalter erhöht sich die Zahl der Medikamente, die Senioren regelmäßig einnehmen müssen.

Im Folgenden finden Sie Ratschläge zur korrekten Einnahme, und Hinweise, welche Fehler es zu vermeiden gilt. 

Vom richtigen Zeitpunkt

Es ist nicht egal, wann und wie man Medikamente einnimmt. Tabletten und Kapseln werden im Magen-Darm-Bereich durch die Verdauungssäfte aufgelöst. Sie wirken auf nüchternem Magen schneller, als zugleich mit oder nach einer Mahlzeit eingenommen. „Strebt man beispielsweise bei Schmerzen eine schnelle Linderung an, sollte man ein Medikament in Brauseform oder ersatzweise eine Tablette auf leerem Magen einnehmen, falls der Magen darauf nicht empfindlich reagiert. Diesen Umstand sollte man auch bei Viagra beachten. Wer es eilig hat mit der Wirkung, sollte die blaue Pille auf nüchternem Magen einnehmen“, rät Mag. Elisabeth Steiner, Pharmazeutin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. 

Begriffserklärungen

Im Folgenden wird die Bedeutung einiger Begriffe erklärt, die häufig im Zusammenhang mit einer Medikamenteneinnahme genannt werden:

  • Auf nüchternem Magen: Sind Medikamente auf nüchternem Magen einzunehmen, bedeutet das, dass sie nach einer Nüchternphase von sechs bis acht Stunden über Nacht am Morgen einzunehmen sind. Nach der Einnahme sollte man zudem mindestens eine halbe Stunde warten und erst dann frühstücken. Das betrifft Arzneistoffe, deren Aufnahme durch Nahrung reduziert wird (vor allem Schilddrüsen- und Osteoporose-Medikamente und oral eingenommenes Eisen).
  • Vor dem Essen: Hier sollte man das Medikament ein paar Minuten vor der begonnen Mahlzeit einnehmen. Damit wird die Tablette von nachfolgenden Speisen nah an den Magenausgang geschoben und verlässt den Magen schnell.
  • Nach dem Essen: das Medikament direkt nach beendeter Mahlzeit oder einige Minuten danach einnehmen.
  • Einmal täglich: Das Medikament möglichst immer zur gleichen Tageszeit einnehmen, wobei eine Abweichung von ein, zwei Stunden in der Regel kein Problem darstellt.
  • Zweimal täglich: Die Tabletteneinnahme sollte ungefähr alle zwölf Stunden erfolgen.
  • Dreimal täglich: Das Medikament möglichst in einem Abstand von acht Stunden einnehmen, um eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen. „In diese Kategorie fallen viele Antibiotika und Schmerzmittel. Ein Problem kann entstehen, wenn Senioren die letzte Dosis schon am frühen Abend einnehmen und dann bis zur ersten Dosis am nächsten Morgen oft zwölf Stunden oder auch mehr verstreichen. In diesem Fall hat der Wirkstoff den Körper zur Gänze verlassen, was zum Beispiel Schmerzpatienten dann deutlich zu spüren bekommen. Die Tabletten einfach mit dem Frühstück, Mittag- und Abendessen einzunehmen, ohne Rücksicht auf die Essenszeiten, ist daher nicht ratsam“, sagt Mag. Steiner.

Ausreichend Wasser trinken

Tabletten sollen immer mit ausreichend Wasser eingenommen werden. Ein viertel Liter Leitungswasser ist ideal, ein oder zwei Schlucke sind zu wenig. Das ist besonders für Senioren wichtig, da viele ohnehin zu wenig trinken. Keinesfalls sollte man sich eine Tablette einfach in den Mund stecken und diese trocken zu schlucken versuchen. Ebenso wenig darf man Medikamente gemeinsam mit Alkohol zu sich nehmen. Tabletten sollte man auch nicht mit Kaffee, Schwarztee, Milch oder Brausetabletten (wie Kalzium oder Magnesium) einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Achtung beim Zerteilen und Zerstückeln

Senioren mit Schluckbeschwerden empfinden Tabletten oft als zu groß und so teilen sie diese in zwei Hälften. Besteht ein Bruchkerbe, kann man das meist auch leicht machen. In den meisten Fällen hat man beim Teilen von Tabletten keine Nachteile zu befürchten. Man sollte dies vorher aber mit einem Arzt oder Apotheker abklären, da es auch Tabletten gibt, deren Wirkstoffe durch das Zerteilen schneller freigesetzt werden, als dies vom Hersteller beabsichtigt ist. „Das betrifft vor allem Retard-Medikamente, die auf eine verzögerte Wirkstoffabgabe setzen. Die beabsichtige Zeitverzögerung würde durch eine Teilung wegfallen und es kann zu einer Überdosierung kommen. Auch Tabletten mit schützenden, magensaftresistenten Überzügen sollte man nicht teilen“, erklärt Steiner.

Eine Steigerungsform des Zerteilens ist das Mörsern (Zerbröseln) von Tabletten. Auch hier gilt: Retard-Produkte und Magenschutzpräparate dürfen niemals gemörsert werden.

Sehr viele andere – wie zum Beispiel die meisten Bluthochdrucktabletten oder Aspirin – kann man dagegen bedenkenlos mörsern.

Kapseln öffnen – Beipackzettel beachten

Große Kapseln bereiten oft Probleme beim Schlucken. Hat die Kapselhülle keine freisetzungsverändernden Eigenschaften, können Kapseln meist geöffnet und der Inhalt in Wasser gerührt eingenommen werden. Die Angaben im Beipackzettel beachten! Hartgelatinekapseln kann man durch langsames Auseinanderziehen öffnen. Weichgelatinekapseln können nur im Ganzen geschluckt werden.

Körperhaltung bei Einnahme

Tabletten und Kapseln sollte man im Sitzen oder Stehen und möglichst nicht im Liegen einnehmen, da diese sonst unnötig lang in der Speiseröhre liegen bleiben. Das gilt vor allem bei Einnahme von Wirkstoffen, die die Schleimhaut schädigen können, wie sie in bestimmten Schmerzmitteln (Nichtsteroidale Antirheumatika – NSAR) enthalten sind, da sie die Schleimhäute reizen. „Bei bestimmten Medikamenten sollte man eine liegende Einnahme unbedingt vermeiden. So ist beispielsweise bekannt, dass manche Osteoporose-Medikamente sogar Geschwüre in der Schleimhaut der Speiseröhre verursachen können, wenn sie dort lange Zeit zu liegen kommen“, sagt die Pharmazeutin. Ist der Patient bettlägerig, sollte man mit dem Arzt abklären, ob Medikamente mit schleimhautreizenden Wirkstoffen abgesetzt, pausiert oder gewechselt werden. 

Problem Vergesslichkeit

Patient, Arzt und Angehörige sollten einen Einnahmeplan aufstellen, der mit dem Tagesablauf des Patienten gut vereinbar ist, damit es nicht so leicht passieren kann, dass die Anwendung der Medikamente vergessen wird. Steiner: „Auch Rituale helfen sehr gut gegen das Vergessen. Ein Beispiel: Vitamin D-Präparate werden in der Regel einmal pro Woche eingenommen. Um die Einnahme nicht zu vergessen, kann man sich angewöhnen, die Einnahme jeweils am Sonntag vor dem Kirchgang vorzunehmen.“

Wichtig ist, dass der Patient weiß, welche Tablette er wofür einnimmt. „In der Praxis wissen viele leider nicht, was sie da eigentlich schlucken und wovor sie die Medikamente schützen. Das kann dazu führen, dass sie es mit der Einnahme nicht so genau nehmen oder Medikamente ohne Absprache mit dem Arzt einfach weglassen“, sagt die Apothekerin.

Die Einnahme wird vor allem dann vergessen, wenn der Patient keinen Leidensdruck spürt. Häufig ist das bei Bluthochdruck und bei hohem Zucker der Fall. „Da man keine Schmerzen spürt und sich meist wohl fühlt, vergisst man oft auf die Einnahme oder man denkt sich, dass man die Tabletten nicht wirklich braucht. Man sollte Patienten daher gut aufklären und ihnen die möglichen langfristigen gesundheitlichen Folgen eines solchen Verhaltens vor Augen führen“, rät Steiner.

Manche Medikamente sollten möglichst genau in einem gewissen Zeitfenster eingenommen werden, bei anderen ist die Vorgabe weniger streng: Beispiele: Vergisst man sein Blutdruckmedikament am Morgen, kann man es notfalls auch mittags einnehmen.

Medikamente, die als Langzeittherapie eingenommen werden (Lipidsenker etc.), bereiten keine Probleme, wenn man sie nur sehr selten vergisst. Man sollte die Einnahme beim nächsten Mal nicht verdoppeln, sondern die Einnahme ganz normal fortführen.

Vergesslichkeit kann auch bedeuten, dass man ein Medikament ein zweites Mal einnimmt und dadurch die Gefahr einer Überdosierung verursacht. Gefährlich ist das vor allem bei Blutdruckmedikamenten, blutzuckersenkenden und blutverdünnenden Medikamenten. „Wenn man die Einnahme vergisst, sollte man auf keinen Fall beim nächsten Mal einfach die doppelte Menge schlucken. Dies ist nur in den seltensten Fällen sinnvoll. Ein Blick auf den Beipackzettel zeigt, was zu tun ist. Im Zweifel spricht man am besten mit seinem Arzt oder Apotheker“, so Steiner.

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Dr. Thomas Hartl
Juni 2021

 

Bild: fizkes/shutterstock.com

 

 

 

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