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Intervallfasten: Stunden zählen statt Kalorien

05. Februar 2021 00:00 Uhr

Jeden Tag nur während acht Stunden essen, den Rest der Zeit fasten – kann man damit besser und unkompliziert abnehmen, ohne Diät zu halten oder Kalorien zu zählen?

Viele sind davon überzeugt. Eine Gruppe von US-Wissenschaftlern um Dr. Dylan A. Lowe von der University of California hat dies nun in einer Studie untersucht – und deren Antwort lautet: Nein!

Denn die übergewichtigen Teilnehmer ihrer Studie verloren innerhalb von zwölf Wochen zwar im Schnitt ein knappes Kilo – etwas mehr als 1 Prozent ihres Ausgangsgewichts – aber es ließ sich dabei kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe feststellen, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com.

„Es gab die Hypothese, dass eine Einschränkung des Nahrungsverzehrs auf ein 8-Stunden-Fenster automatisch dazu führt, dass Menschen weniger essen, aber das scheint nicht so ohne weiteres zu funktionieren“, kommentiert der Ernährungsepidemiologe Dr. Tilman Kühn von der Universität Belfast, UK, der selbst bereits eine größere deutsche Studie zum Intervallfasten geleitet hat. 

16:8-Konzept ohne Auswirkungen aufs Gewicht

Die US-Forscher haben das sogenannte 16:8-Konzept des Intervallfastens untersucht. Die fastenden Teilnehmer hatten ein festes Zeitfenster von mittags 12 Uhr bis abends um 20 Uhr, in dem sie essen durften, was sie wollten. In den übrigen 16 Stunden durfte zwar getrunken werden, aber nur Getränke ohne Kalorien. Die Kontrollgruppe dagegen bekam lediglich die Anweisung, täglich 3 Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Beide Gruppen verloren im Schnitt dabei etwas Gewicht – ein bekannter Effekt, erklärt Kühn: „Auch in diesen Kontrollgruppen tut sich etwas, das liegt an Verhaltensänderungen, wenn man sich beobachtet fühlt. Das ist der Studieneffekt.“ Deshalb, so Kühn, seien Ergebnisse nur dann aussagekräftig, wenn es dabei einen klaren Unterschied zwischen beiden Gruppen gebe.

Einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen gab es bezüglich des Gewichtsverlustes aber nicht. Kühn hält die Studie dank der insgesamt eingeschlossenen 116 Teilnehmer auch für aussagekräftig: „Das ist eine Gruppengröße, bei der man statistische Unterschiede feststellen kann, und wenn da kein Unterschied existiert, dann ist das auch eine relativ robuste Aussage.“

Keine Auswirkungen auf Blutwerte

Etwas kritischer sieht der Experte die ebenfalls erhobenen Ergebnisse zu Veränderungen der Körperzusammensetzung oder von Blutwerten. Denn die wurden nicht an allen Studienteilnehmern erhoben, sondern lediglich an einer Untergruppe von 50 Teilnehmern. „Viele Ergebnisse der Zusatzuntersuchungen sind nicht ganz so aussagekräftig, weil die Gruppe einfach zu klein ist“, kommentiert Kühn. Dabei stellten sich bei den meisten dieser Untersuchungen ebenfalls keine Unterschiede ein.

Lediglich bei der Körperzusammensetzung fiel ein – sogar eher negativer – Effekt in der Fastengruppe auf: Sie hatte während der zwölf Studienwochen offenbar etwas mehr Muskelmasse verloren als die Kontrollgruppe. Die Autoren haben dafür die schlechtere Proteinversorgung im Verdacht.

Die Wissenschaftler konnten aber keine exakten Aussagen über die Ernährung der Teilnehmer während der Studienphase machen, weil diese ihr Essen nicht dokumentieren mussten. Sie sollten lediglich täglich bestätigen, ob sie sich an die Regeln gehalten hatten: Die Intervallfastengruppe hielten sich zu über 80 Prozent, die Kontrollgruppe sogar mehr als 90 Prozent an die Vorgaben. Eine mathematische Abschätzung der Energiezufuhr ergab nach Angaben der Studienautoren keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

 

Zeitfenster entscheidend?

 

Kühn betrachtet die Studie im Prinzip als eine Variante des schon länger wissenschaftlich untersuchten sogenannten „Breakfast Skippings“: Abnehmwillige lassen dabei einfach das Frühstück weg. Kühn: „Eine aktuelle Metaanalyse hat gezeigt, dass Breakfast Skipping vielleicht minimal besser ist, um Gewicht zu verlieren. Gleichzeitig gibt es einzelne Studien, die sagen, dass das gar nicht so vorteilhaft ist für bestimmte Parameter des Stoffwechsels wie Marker des Zuckerstoffwechsels oder Cholesterins.“

 

Weitere Studien

 

Befürworter des Intervallfastens erhoffen sich daher mehr von Studien, in denen das Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme früher am Tag beginnt oder z.B. der Chronotyp des Fastenden mit untersucht wird. Eine solche Studie (CHRONOFAST) läuft zurzeit am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Einzelne Studien zum Intervallfasten, bei denen die Zeitfenster, in denen Essen erlaubt ist, früher am Tag liegen, deuten auf mögliche Vorteile für den Zuckerstoffwechsel hin.

Allerdings hatten die meisten bisher veröffentlichten Studien nur wenige Teilnehmer, erklärt Kühn: „Die sehr vielversprechenden Studien zum 16:8-Intervallfasten, die bisher veröffentlicht sind, haben alle Pilotcharakter mit nur einer Handvoll Versuchspersonen.“ Daher würden die Ergebnisse größerer Studien mit Spannung erwartet.

 

Der gesamte Artikel wurde am 1. Oktober 2020 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

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Mag. Christian Boukal / medscapemedicine.de
Februar 2021

Bild: Marcin Malicki/shutterstock.com

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