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Forum Gesundheit

Haltbarkeit von Lebensmittel

30. November 2020 00:00 Uhr

In Oberösterreich landen jedes Jahr insgesamt 20.000 Tonnen Lebensmittel im Restmüll.

Schuld sind Lockangebote des Handels, zu große Packungen, Einkauf ohne Plan, aber auch zu wenig Wissen über Haltbarkeit und Ablaufdatum, berichten die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer OÖ (AKOÖ).

Als Vorsichtsmaßnahme werden viel zu viele Lebensmittel, die oft noch gegessen werden könnten, weggeworfen, so die AKOÖ.

Mindesthaltbarkeitsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD, „mindestens haltbar bis...“) gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung seinen Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt behält. Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum können noch gut sein und dürfen auch verkauft werden.

Verbrauchsdatum

Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum ("zu verbrauchen bis..."). Dieses ist vor allem an leicht verderblichen Waren angebracht. Achtung: Lebensmittel, deren Verbrauchsdatum abgelaufen ist, dürfen nicht mehr verkauft werden. Dann ist vom Verzehr unbedingt abzuraten!

Bier, Saft, Wasser, Wein

Bier ist durchaus auch nach Ablauf des MHD noch genießbar. Je dunkler und kühler es gelagert ist, desto besser. Nach und nach verliert Bier dann zunächst Geschmack und Farbe. Flocken Bestandteile aus, kann dies auf Verderb hinweisen.

Saft ist ungeöffnet im Glas bis zu einem Jahr nach Ablauf des MHD haltbar, im Karton bis zu acht Monate, in der Plastikflasche bis zu drei Monate. Geöffnet ist er nur wenige Tage bei Kühlschranktemperatur haltbar. Riecht der Saft muffig oder vergoren oder bilden sich Luftbläschen sowie Schimmel, sollte man ihn freilich nicht mehr trinken.

Mineralwasser ist auch nach Ablauf des MHD noch gut verwendbar, vor allem wenn es dunkel und kühl gelagert wurde.

Wein trägt in der Regel kein MHD. Geschlossen ist er je nach Qualität unterschiedlich lange haltbar. Nach dem Öffnen kommt es durch den Luftsauerstoff zur Oxidation sodass er innerhalb weniger Tage ungenießbar wird. Am besten die Sauerstoffzufuhr durch luftdichten Verschluss unterbinden.

Fisch

Fisch aus der Dose in Öl ist durchaus länger haltbar als das MHD vorgibt. Nach dem Öffnen am besten prüfen, ob das Öl ranzig riecht. Dies beeinflusst den Geschmack negativ.

Beim rohen Fisch ist ein Verbrauchsdatum vorgeschrieben, das auf gar keinen Fall überschritten werden darf. Gefahr von Salmonellen oder Kolibakterien!

Räucherlachs unterliegt schwankenden Produktionsbedingungen, sodass das Mindesthaltbarkeitsdatum auf jeden Fall eingehalten werden sollte.

Fleisch und Wurst

Bei Faschiertem und auch Geflügel ist ein Verbrauchsdatum vorgeschrieben, das auf gar keinen Fall überschritten werden darf. Auch hier besteht die Gefahr, dass Salmonellen oder Kolibakterien akut werden.

Schinken maximal bis zum MHD essen. Nach Ablauf wegschmeißen!

Wurstaufschnitt zählt zu den leicht verderblichen Lebensmitteln und sollte sicherheitshalber nur bis zum MHD gegessen werden. Auch den Aufschnitt – wie den Schinken – nach Ablauf wegschmeißen.

Anders verhält es sich bei Dauerwürsten am Stück (zum Beispiel Salami). Sie kann in den meisten Fällen noch mehrere Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) verzehrt werden – besonders, wenn sie keinerlei Veränderungen aufweist, wie eine grau-grünliche Farbe, eine schmierige Oberfläche, einen modrigen Geruch oder bitteren Geschmack.

Milchprodukte

In der Regel sind Hartkäse noch mindestens mehrere Tage nach Ablauf des MHD genießbar. Bei Schimmelbefall ist vom Verzehr dringend abzuraten – auch nicht die unbefallenen Teile verzehren.

Joghurt hält sich bei richtiger Lagerung auch bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Sensorisch festgestellte Keime im Joghurt sind vorwiegend harmlose Milchsäurebakterien.

Milch ist ungeöffnet nach Ablauf des MHD in der Regel mindestens rund drei Tage lang haltbar. Geöffnete Frischmilch ist rund drei Tage und H-Milch bis zu sieben Tage im Kühlschrank haltbar.

Arttypischer Weißschimmel (Camembert) oder Blauschimmel (Gorgonzola) sorgt für Reifung. Bei längerer Lagerung wandert der weiche Flaum auf die Schnittfläche, der Käse ist jedoch noch bedenkenlos genießbar und hält auch ein paar Tage über das MHD. Nach einer bestimmten Zeit entwickelt sich aber ein starker Ammoniakgeschmack und -geruch, der anzeigt, dass man den Käse jetzt lieber entsorgen sollte.

Topfen ist auch nach Ablauf des MHD noch einige Tage haltbar. Geöffnet hält er sich im Kühlschrank noch etwa zwei Tage.

Süßes

Kompott ist ungeöffnet auch mehrere Monate über MHD haltbar. Bei Schimmelbefall sollte es weggeschmissen werden. Da das Lebensmittel stark wasserhaltig ist, verteilen sich Schimmelgiftpilze über die Flüssigkeit unsichtbar über das gesamte Lebensmittel.

Auch Marmeladen sind ungeöffnet mehrere Monate über MHD haltbar. Bei Schimmelbildung sollte auf den weiteren Verzehr verzichtet werden – nicht einfach nur den Schimmel wegkratzen.

Schokolade ist auch nach Ablauf des MHD noch gut zu genießen. Ist auf dem Riegel ein grauweißer Flaum zu sehen, flockt die Kakaobutter aus. Das ist völlig ungefährlich, sieht aber nicht besonders appetitlich aus. Auch einmal geschmolzene und dann wieder verfestigte Schokolade kann gut gegessen werden.

Obst und Gemüse

Obst und Gemüse sollten entsorgt werden, sobald sich Schimmel bildet. Aufgrund des hohen Wasseranteils in Obst und Gemüse können sich Schimmelpilze schnell verteilen.

Bei verpackten Beeren oder Trauben sollten einzelne schimmlige und faule Früchte sowie die sich in unmittelbarer Umgebung befindlichen entfernt werden. Weiter entfernt liegende Beeren sind in der Regel noch genießbar, sollten allerdings besonders gut gesäubert werden. Ist das Obst stark mit Schimmel befallen, muss alles entsorgt werden.

Verarbeitetes frisches Obst oder Gemüse wie Obstsalat, geschnittene Obstportionen oder Salate sind leicht verderblich und sollten so schnell wie möglich verzehrt werden. Keimbelastung durch mangelhafte hygienische Herstellung ist möglich.

Pilze sind bei Schimmelbefall sofort zu entsorgen. Aufgewärmte Pilzgerichte sind, wenn sie rasch heruntergekühlt und genauso fix erhitzt wurden, bedenkenlos genießbar. Bakterien bilden sich nur, wenn Pilze länger warm gehalten oder bei Raumtemperatur stehen gelassen wurden. Pilze verderben dann sehr schnell und die Reste sollten höchstens einen Tag aufbewahrt werden.

Aufgewärmte Spinatgerichte sind, wenn sie schnell heruntergekühlt und genauso fix erhitzt wurden, bedenkenlos genießbar. Bakterien bilden sich nur, wenn der Spinat länger warm gehalten oder bei Raumtemperatur stehen gelassen wurde. Spinat verdirbt dann sehr schnell und die Reste sollten höchstens einen Tag aufbewahrt werden.

Im Vorratsschrank

Brot kann durchaus auch nach Ablauf des MHD gegessen werden, solange keine Schimmelbildung sichtbar ist. Generell gilt, dass Brot im Ganzen länger haltbar ist als Schnittbrot. Bei Schimmelbefall sollte das ganze Brot weggeworfen werden, da Schimmelpilze auch unsichtbar im Inneren des Brotes wachsen und Schimmelpilzgifte produzieren können.

Gewürze halten in verschlossenem Zustand länger als das MHD, vor Gebrauch am besten prüfen. Länger geöffnete Trockengewürze (etwa getrocknete Kräuter) sollte man jedoch unbedingt nach Ablauf des MHD wegwerfen – die Dosen stehen oft in der Nähe des Herdes, wo sie immer wieder Wasserdampf ausgesetzt sind, Das wiederum kann die Keimbildung beschleunigen. Deutlich an Geschmack verlieren sie außerdem.

Kaffee und Kakao sind länger haltbar, wen sie geschlossen und vakuumverpackt sind. Geöffneten verlieren sie nach Ablauf des MHD deutlich an Geschmack.

Konserven sind ungeöffnet viele Monate über MHD hinaus haltbar. Nach dem Öffnen sollten sie in ein verschließbares Gefäß umgefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt werden. So gelagert, sind sie noch maximal drei Tage haltbar. „Saure“ Produkte wie beispielsweise Gurkenkonserven halten etwas länger. Hier schützt beispielsweise der Essig nach dem Öffnen der Lebensmittel vor mikrobiologischem Verderb.

Konserven, deren Deckel sich nach außen wölben – „bombieren“, müssen komplett weggeworfen werden. Vermutlich steckt das Bakterium Clostridium botulinum dahinter, welches das extrem gefährliche Botulinustoxin produziert. Der Erreger lebt in der Erde. Wenn Gemüse oder Früchte vor dem Einmachen nicht gründlich sauber gemacht und sterilisiert wurden kann er sich in den Konserven weiter vermehren.

Mehl ist bei trockener geschlossener Lagerung durchaus einige Monate nach Ablauf des MHD haltbar. Vollkornmehl ist nicht so lange haltbar, weil oft noch Keimlinge mit hohem Fettanteil enthalten sind, sodass es nach einigen Monaten ranzig werden kann. Mehl bietet einen guten Nährboden für Parasiten, deshalb immer luftdicht verschließen.

Müsli oder Getreide ist durchaus über das MHD hinaus haltbar. Mit einer einfachen Geruchsprobe kann man feststellen ob die Getreideflocken eventuell schon ranzig sind und in den Müll gehören. Auch sollte man kontrollieren, ob das Müsli eventuell mit Schimmel befallen ist. Verschimmeltes Müsli muss komplett weggeworfen werden. Hier könnten sich besonders gefährliche Schimmelpilzgifte, wie etwa Aflatoxine bilden. Eine Vergiftung kann zu Leberschäden führen. Zudem wirken Aflatoxine stark krebsfördernd.

Nüsse müssen komplett weggeworfen werden, auch wenn „nur“ die Schale von Schimmel oder schwarzen Stellen befallen ist. Auch hier können sich Aflatoxine bilden.

Reis ist bei trockener Lagerung viele Monate nach dem MHD haltbar.

Samen die mit Schimmel befallen sind, müssen komplett weggeworfen werden. Sie sind anfällig für die Bildung von Aflatoxinen.

Teigwaren sind bei trockener Lagerung viele Monate nach dem MHD haltbar.

„Eingewecktes“ Obst und Gemüse hält relativ lange, verlieren aber im Laufe der Jahre deutlich an Geschmack und Farbe. Außerdem kann sich das Fruchtfleisch nach und nach zersetzen. Am besten aufmachen und kritisch prüfen. 10 Jahre altes und älteres Einmachobst gehört in den Müll.

Im Kühlschrank und Tiefkühler

Eier im Kühlschrank sind 2 bis 4 Wochen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus haltbar. Sie sollten aber nach Ablauf des MHD erhitzt werden, das heißt: Nur noch zum Kochen und Backen verwendet werden. Ist man sich nicht ganz sicher ob die Eier noch frisch sind, gibt es einen einfachen Frischetest: Eier in ein Glas Wasser legen. Liegt es unten am Boden, ist es noch frisch. Schwimmt es oben, ist das Ei alt.

Auch Tiefgefrorenes hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Faustregeln gibt es keine, es hängt von dem Produkt und der Verarbeitung ab. Fettiges hält weniger lange als Wasserhaltiges. Es gibt aber auch wasserhaltige Lebensmittel, die sich durchs Einfrieren gar nicht konservieren lassen wie etwa Bananen oder Tomaten. Ihre Struktur wird durch das Einfrieren zerstört.

 

Der gesamte Artikel ist auf der Webseite des Konsumentenschutzes der AKOÖ nachzulesen.

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Mag. Christian Boukal / AKOÖ
November 2020

Bild: VH-studio/shutterstock.com

 

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