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Meine Gesundheit

Gerissener Meniskus: Operieren oder nicht?

14. April 2021 00:00 Uhr

Muss ein gerissener Meniskus operiert werden oder reicht eine konservative Therapie aus?

Vor diesen Fragen stehen viele Patienten, denn eine solche Verletzung im Knie tritt häufig auf.

Der Meniskusriss ist eine der häufigsten Knieverletzungen. Meistens passiert sie, wenn das Knie bei hoher Belastung verdreht wird. Dabei wird der Innenmeniskus überlastet und kann einreißen. Auch der Außenmeniskus kann einreißen, er ist aber seltener betroffen.

Häufig kommt es beim Sport, vor allem beim Fußball, beim Krafttraining oder beim Laufen zu Meniskusverletzungen. „Laufen an sich ist bei richtiger Ausführung zwar nicht schädlich für das Knie, es sei denn, man beginnt erst in höherem Alter. Ist man zusätzlich übergewichtig, dann steigt die Gefahr für eine solche Verletzung deutlich. Knieschonendere Sportarten sind Schwimmen und Radfahren“, sagt Prim. Dr. Josef Hochreiter, Leiter der Abteilung für Orthopädie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz.

Stoßdämpfer im Knie

Der Meniskus (elastischer Faserknorpel) hat im Kniegelenk eine Stoßdämpferfunktion. Er absorbiert ruckartige Stöße von außen und schützt damit die empfindliche, gleitfähige Knorpelschicht im Knie vor Abnützung. „Diese Funktion ist für ein gesundes Knie von großer Wichtigkeit, denn sie sorgt für eine langfristige Stabilität und Intaktheit der Knorpelschicht und schützt vor einer Arthrose“, so Hochreiter.

Diagnose

Bei Knieschmerzen sollte man einen Orthopäden aufsuchen. Für die Diagnose stehen Patientenbefragung, körperliche Untersuchung, Röntgen und Magnetresonanztomografie zur Verfügung.

Operieren oder nicht?

Meniskus-Operationen sind eine der am häufigsten durchgeführten operativen Eingriffe in Österreich. Ziel einer solchen Operation ist es, die Bewegungsfähigkeit im Knie wieder vollständig herzustellen.

Bei einem Meniskusriss muss bei vorliegender OP-Indikation nicht vorher versucht werden, den Schaden mit einer anderen Therapie zu beheben. Ein erfolgloser konservativer Therapieversuch ist daher keine Voraussetzung einer Operation. Ob konservativ behandelt wird, richtet sich vor allem nach dem Zustand des Kniegelenkes.

Vor allem der Zustand des Knorpels ist entscheidend für die Beurteilung der Frage, ob eine Operation erfolgen soll oder nicht.

Guter Knorpel: Ist der Knorpel in einem guten Zustand, sollte ein Meniskusriss operiert werden.

Dabei bestehen zwei Möglichkeiten: Den gerissenen Meniskus zusammennähen oder die gerissenen Teile entfernen.

Nähen: Ist der Knorpel in gutem Zustand, wird versucht, die gerissenen Teile des Meniskus zusammenzunähen. Damit das möglich ist, muss der Riss in einer gut durchbluteten Stelle erfolgt sein und der Riss muss relativ frisch sein (er sollte nicht älter als zwei bis drei Wochen sein.). Ist mehr Zeit verstrichen, ist der Erfolg des Zusammennähens ungewiss. „In den letzten Jahren ging der Trend dahin, möglichst oft zu nähen und die gerissenen Teile nicht frühzeitig zu entfernen. Anders sieht es aus, wenn der Knorpel schon stark degeneriert ist, da bringt der Meniskuserhalt durch Zusammennähen nichts mehr“, sagt Hochreiter.

Teilentfernung: Ist ein Nähen nicht möglich, werden die gerissenen Teile des Meniskus entfernt. Es erfolgt eine Teilentfernung der beschädigten Teile und keine komplette Entfernung, damit möglichst große Teile des Meniskus erhalten bleibt, um dessen Pufferfunktion nicht ganz zu verlieren.

Schlechter Knorpel: Ist der Knorpel bereits in einem schlechten Zustand, soll in der Regel der Meniskus nicht operiert werden.

„Die Evidenzlage ist aussagekräftig. Studien belegen, dass bei einem degenerativen Knorpel eine Operation keinen Sinn macht. Diese würde keine Verbesserung bringen, sondern im Gegenteil die Degeneration weiter beschleunigen und zu einer rascheren Arthrose führen. Dies wiederum würde dazu führen, dass der Patient ziemlich rasch ein künstliches Kniegelenk brauchen würde“, erklärt Hochreiter. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit einer konservativen Therapie.

Einklemmung: Anderes gilt nur, wenn eine Einklemmungssymptomatik vorliegt. Kann das Knie nicht mehr vollständig durchgestreckt oder gebeugt werden, sollte selbst dann operiert werden, wenn der Knorpel bereits in schlechtem Zustand ist. Die eingeklemmten Teile werden dabei entfernt.

Schmerzen und Zeit als Entscheidungsfaktoren

Bestehen trotz gerissenem Meniskus keinerlei Schmerzen, macht ein chirurgischer Eingriff selten Sinn. Risse im Meniskus verursachen jedoch in der Regel Schmerzen. Doch muss sich der Arzt vergewissern, ob die Schmerzen wirklich vom Meniskus herrühren oder von einer degenerativen Veränderung im Knie stammen.

Die Zeit, wann der Meniskus gerissen ist, ist nicht relevant. Ob die Verletzung schon vor einigen Monaten oder erst vor einigen Wochen stattgefunden hat, hat keine Auswirkungen auf die Frage, ob eine Operation stattfinden soll.

Meniskus-Transplantation

Neben dem Zusammennähen und der Teilentfernung kommt in manchen Fällen auch eine dritte Möglichkeit in Betracht – eine Meniskustransplantation. Dabei wird der Meniskus eines Organspenders übertragen. Auch die Transplantation eines künstlichen Meniskus ist möglich.

Eine Transplantation wird in Betracht gezogen, wenn der Patient unter 50 Jahren ist, der Knorpelzustand gut ist und der gesamte oder nahezu gesamte Meniskus fehlt und der Patient Beschwerden zeigt.

Zweitmeinung möglich

Manche Patienten holen sich eine ärztliche Zweitmeinung ein, um die Frage nach einer möglichen Operation zu beantworten. „Eine Zweitmeinung ist möglich und in manchen Fällen sinnvoll, in der Regel aber nicht nötig, da die meisten Fälle, ob eine OP sinnvoll ist oder nicht, eigentlich unstrittig sind. Am besten wendet man sich an ein Krankenhaus, wo solche Operationen sehr häufig durchgeführt werden und die Chirurgen daher über große Erfahrung verfügen“, rät Hochreiter.

Minimalinvasiver Eingriff

Seit einigen Jahren erfolgen die chirurgischen Eingriffe ausschließlich arthroskopisch (Gelenkspiegelung). Offene Eingriffe am Meniskus finden nur mehr statt, wenn ein Meniskus transplantiert wird. Auch in diesen Fällen beschränkt sich der Schnitt auf eine Größe von nur zwei bis drei Zentimetern.

Konservative Therapie

Ist ein Meniskus gerissen, aber das Kniegelenk (der Knorpel) des Patienten gesund und in gutem Zustand, macht eine konservative Therapie keinen Sinn. Ist dagegen das Knie bereits degeneriert, wird keine OP durchgeführt, sondern konservativ behandelt.

Eine konservative Therapie (eine nicht-operative Behandlung) von Meniskusverletzungen besteht aus

  • Entzündungshemmenden Maßnahmen: Ultraschalltherapie und Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten
  • Schmerzlindernden Medikamenten
  • Bewegungserhalt des Knies durch physikalische Therapie: Die Übungen sollten bei einem Therapeuten erlernt und nicht im Selbstexperiment durchgeführt werden. „Ich kann nur davon abraten, solche Übungen ohne Anleitung eines Therapeuten durchzuführen. Man braucht unbedingt die körperliche Nähe des Therapeuten, der sie zeigt, der korrigiert und anleitet. Im Selbstverfahren wird meist falsch oder inneffizient trainiert, davon sollte man die Finger lassen“, sagt Hochreiter.

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Dr. Thomas Hartl
April 2021

Bild: PICTWORKS/shutterstock.com


 

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