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Meine Gesundheit

FSME auch in Lieblingsurlaubsländern der Österreicher

23. Juli 2021 00:00 Uhr

Während in der warmen Jahreszeit SARS-CoV2 zurückgeht, ist es bei der Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) genau umgekehrt.

Dieses Virus ist in den Sommermonaten besonders präsent. Und das nicht nur in Österreich, erklärt der Leiter des Hygieneinstituts am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Wer sich heuer nach der Durststrecke im letzten Jahr wieder in den Urlaub nach Italien, Slowenien oder Kroatien begibt, sollte sich dort nicht vor FSME-übertragenden Zecken sicher fühlen. Doch auch weiter im Norden wurde das FSME-Virus schon nachgewiesen, ebenso wie in Nordafrika oder Japan. In Österreich ist das Virus ohnehin in jedem Bundesland verbreitet, ein Entkommen gibt es praktisch nicht. Am besten ist es also, wenn man sich durch die FSME-Impfung schützt, so Prim. Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer, Leiter des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen. Die Impfung schützt auch gegen nicht-europäische Subtypen.

FSME-Landkarte dehnt sich aus

Man weiß nicht genau warum – als Faktoren kommen menschliche Verhaltensweisen, verbesserte Diagnostik oder Klimawandel in Frage –, dass sich das FSME-Virus laufend in alle Himmelsrichtungen weiter verbreitet. Mittlerweile ist es sogar in der Gegend rund um den Polarkreis in Russland angekommen. Dort dürften jedenfalls die markanten Temperaturanstiege der letzten Jahrzehnte zumindest stark dazu beitragen, dass sich die Anzahl der Zeckenstiche zwischen den Jahren 2000 und 2018 um das 40-fache gestiegen ist.

Auch die Höhenlagen im Gebirge, in denen das Virus nachgewiesen wurde, gehen weiter nach oben. Außerdem wurde das FSME-Virus neben Europa und dem nordöstlichen Russland auch in Nordchina, in Südkorea und in Japan nachgewiesen. Jedes Jahr werden bis zu 12.000 Fälle in jenen Ländern identifiziert, in denen es derzeit Aufzeichnungen gibt. Da FSME-Viren ihr Reservoir in Tieren haben, ist eine Auslöschung der damit verbundenen Erkrankung unmöglich.

Lieblingsurlaubsländer der Österreicher:innen betroffen

Gewertet nach geografischen Regionen zeigt sich, dass von den Nachbarländern Österreichs, Slowenien eine der höchsten FSME-Inzidenzen in der EU aufweist. Die Zahlen der letzten Jahrzehnte liegen zwischen 62 und 531 Fällen pro Jahr. Das Virus tritt praktisch im ganzen Land auf.

In Kroatien werden jedes Jahr zwar nur etwa 20 FSME-Fälle gemeldet, allerdings gibt es insgesamt relativ wenige Daten zu FSME.

FSME gibt es auch in Italien, grundsätzlich gilt das Land aber als Niedrig-Inzidenzgebiet. Am meisten verbreitet ist das Virus im Nordosten des Landes, in waldigen und gebirgigen Gebieten. Analog zu Österreich sind die Fallzahlen 2020 allerdings auch in Italien stark angestiegen.

Österreich selbst ist nach wie vor besonders stark von FSME betroffen, das ganze Land gilt als Endemiegebiet. Das bedeutet, dass sich jede:r Einzelne praktisch überall vor FSME schützen muss. Gattringer: „Anders als bei anderen Infektionskrankheiten können wir FSME nicht dadurch eindämmen, dass möglichst viele Menschen geimpft sind. Aufgrund des Übertragungsweges über die Zecken gibt es nur die Möglichkeit eines individuellen Impfschutzes. Das Virus bleibt in jedem Fall präsent, bei Geimpften kann es allerdings nur noch sehr selten zu FSME-Infektionen kommen. Die Zahlen der anderen Länder zeigen auch, dass man selbst im Urlaub in vielen Ländern nicht sicher sein kann, nicht mit FSME in Berührung zu kommen.“

Krankheitsverlauf in zwei Phasen

Wer nicht geimpft ist und sich mit FSME infiziert, muss – ähnlich wie bei CoViD-19 – mit allem rechnen: Von einem asymptomatischen bis hin zu einem extrem schweren Krankheitsverlauf. „Glücklicherweise treten bei einem Großteil der Infizierten wenig bis gar keine Symptome auf, allerdings kann man nicht vorhersagen, bei wem das der Fall ist und bei wem nicht“, so Gattringer. Beim Rest – Schätzungen gehen von 5 bis 30 Prozent aus – kommt es meist zu einem zweiphasigen Krankheitsverlauf, in dem die ersten Symptome nach etwa einer Woche auftreten.

In dieser Phase haben Patienten oft Fieber und ähnliche Symptome wie bei einer Grippe. Nach Abklingen der Symptome und einer weiteren beschwerdefreien Woche kann ein zweiter Krankheitsgipfel auftreten, in dem das Fieber zurückkehrt und neurologische Beschwerden auftreten.

„Typische Symptome sind Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfälle“, erklärt der Infektiologe. In ganz schweren Fällen komme es zu Entzündungen von Gehirn und Hirnhäuten. „Insgesamt können wir die Erkrankung bis heute nicht ursächlich, sondern nur symptomatisch behandeln“, betont Gattringer. „Besser ist also, man schützt sich gleich von vornherein durch eine Impfung.“ Und das auch deshalb, weil bei etwa einem Drittel der Patient:innen nach durchgemachter Erkrankung langdauernde Folgeschäden bleiben.

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APA / Mag. Christian Boukal
Juli 2021

Bild: KPixMining/shutterstock.com

 

 

 

 

 

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