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Meine Gesundheit

Ergotherapie: Mit gezielter Aktivität zur Heilung

09. Dezember 2021 00:00 Uhr

Aktivsein heilt, so lautet der zentrale Ansatzpunkt der Ergotherapie.

Oftmals als Teilgebiet der Physiotherapie eingestuft, bezieht sich die Ergotherapie vielmehr in ganzheitlicher Sicht auf die Handlungen eines Menschen, berichtet das Klinikum Wels-Grieskirchen in einer Aussendung zum Welttag der Ergotherapie am 27. Oktober.

Ergotherapie setzt bei der Behandlung nicht nur beim Körper, sondern ebenso bei den Auswirkungen psychologischer und sozialer Aspekte auf spezielle Handlungsabläufe an. Am Klinikum Wels-Grieskirchen kommt die Ergotherapie strukturiert in den Gebieten der Handchirurgie, Orthopädie, Neurologie, Geriatrie, Pädiatrie und Psychiatrie zur Anwendung, um die Handlungsfähigkeit der Patienten im Alltag bestmöglich zu trainieren, so das Spital.

Tätig sein

Ergotherapie geht davon aus, dass das Tätigsein eine gesundheitsfördernde und auch therapeutische Wirkung hat – und zwar dann, wenn die Aktivitäten individuell für den Patienten auf seine Bedürfnisse maßgeschneidert ausgewählt werden. „Am Klinikum Wels-Grieskirchen unterstützen und begleiten über 20 Ergotherapeuten Patienten jeden Alters im ambulanten, stationären und sogar im tagesklinischen Setting – von der Neonatologie bis zur Geriatrie“, so Martin Hüthmair, Teamleiter der Ergotherapeuten am Klinikum-Standort Wels. „Wir unterstützen zum Beispiel Patienten nach einem Unfall, Schlaganfall oder nach neurologischen Ereignissen beim Wiedererlangen von Selbständigkeit und Lebensqualität. Unsere Zielgruppe sind aber auch Patienten mit akuten Beschwerden, nach psychischen Ereignissen und vor allem Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Syndromen oder verschiedensten Beeinträchtigungen.“

Die Ziele werden mit jedem Patienten individuell erarbeitet, die Therapie immer individuell nach Befundung durch den zuweisenden Arzt und Testung des jeweiligen Patienten durch den Therapeuten zusammengestellt.

Ergotherapeuten trainieren mit Patienten zum Beispiel Fähigkeiten, um den Alltag in größtmöglicher Selbständigkeit zu bewältigen. Dazu zählt zum Beispiel das Zubereiten von Obst und gesunder Jause, aber auch das An- und Auskleiden, selbstständige Körperpflege und das Schreiben, das Binden von Schuhbändern, Wasser einschenken oder das Aufschrauben von Verschlüssen.

Mehr Selbstständigkeit im Alltag und mehr Lebensqualität

Durch enge Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, Logopäden, Ärzten, Pädagogen und Psychologen trägt Ergotherapie zur Verbesserung vielerlei Lebensaspekte bei: „Zum Beispiel von Beweglichkeit, Mobilität und Kraft, Lebensqualität, Wiederintegration ins Berufsleben, Ausüben von Hobbies und Freizeitaktivitäten“, so Hüthmair. „Zum Beispiel arbeiten wir mit Schlaganfallpatienten am Wiederaufbau ihrer kognitiven Fähigkeiten, sprich Gedächtnis, Konzentration und räumlich konstruktive Fähigkeiten. Kindern können wir durch das Training beim Entwickeln von Strategien helfen, den Alltag in Schule, Kindergarten und Freundeskreis zu meistern. So unterstützen wir ein selbstbewusstes eigenverantwortliches Aufwachsen der Kinder.“

Orthopädische und handchirurgische Patienten profitieren vor allem von Therapiemethoden wie manuellen Techniken, Mobilisierung, Schmerztherapien, Narbenbehandlung oder Schienenanfertigung. Armfunktions- und Greiftraining unterstützen die Grob- und Feinmotorik – dies ist wichtig für Tätigkeiten wie Kämmen, Föhnen oder das Hantieren mit kleineren Gegenständen wie Münzen, Knöpfen oder Reißverschlüssen.

„Im neurologischen Bereich setzen wir je nach Beschwerdebild auf Wahrnehmungs-, Motorik- und kognitives Training sowie auf diverse Methoden zur Erlangen der Selbständigkeit im Alltag. In der Therapie mit psychischen Beschwerdebildern haben sich handwerklich gestalterische Tätigkeiten, das Training sozialer Fähigkeiten, lebenspraktische Anleitungen sowie kognitives Training nach kompetenzzentrierten, ausdruckszentrierten und interaktionellen Methoden bewährt.“

Allrounder unter den Therapieberufen

Hüthmayr hat den Beruf als Ergotherapeut ergriffen, „weil es ein sehr vielfältiger Beruf, quasi der Allrounder unter den Therapieberufen ist – abwechslungsreich, sehr fordernd und kreativ. Teamarbeit mit vielen unterschiedlichen Berufsgruppen ist wichtig und gefragt. Wir arbeiten mit den verschiedensten Fachbereichen zusammen und spezialisieren uns.“ Eine optimale Behandlung erfordert viel Einfühlungsvermögen und Kreativität von Seiten des Therapeuten: „Im Kinderbereich ist es natürlich auch essenziell, ein gutes Team mit den Eltern zu bilden.“

Woher das Wort kommt

Die Bezeichnung Ergotherapie stammt aus dem Altgriechischen: „érgon“ steht für Tat, Handlung, Werk und „therapeía“ bedeutet Dienst, Hilfe, Pflege, Behandlung. Das „Tätigsein“ ist ein menschliches Grundbedürfnis und hat dabei eine heilende Wirkung – davon geht die Ergotherapie aus.

Die Ergotherapie am Klinikum Wels-Grieskirchen

Als ganzheitliche Therapie sieht die Ergotherapie das Aktiv-Sein für den Patienten als zentralen Punkt. Körperliche, psychische oder kognitive Beeinträchtigungen, die als Folge von Krankheiten, Unfällen oder Entwicklungsstörungen auftreten, werden so behandelt, dass größtmögliche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltags-, Berufs- und Schulleben erreicht werden. Individuelle Therapieangebote für das Training von Motorik, Sensorik, Wahrnehmung und Kognition unterstützen dabei. Ebenso werden auch Hilfsmittel und Adaptionen ausgewählt, um vorübergehende oder bleibende Defizite so gering wie möglich zu halten. Weitere Informationen zum ergotherapeutischen Angebot am Klinikum Wels-Grieskirchen finden Sie unter: www.klinikum-wegr.at > Medizin und Pflege > Physikalische Medizin > Leistungsspektrum

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Klinikum Wels-Grieskirchen / Mag. Christian Boukal
Dezember 2021

FOTO: © Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann

 

 

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