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Meine Gesundheit

Entfallener Schwimmunterricht: Unter Umständen lebensgefährlich

07. Juli 2021 00:00 Uhr

Millionen an entfallenen Schwimmstunden, der Komplettausfall von Schwimmunterricht in den Volkschulen und wenige oder gar keine Schwimmmöglichkeiten:

Österreichweit können derzeit 162.000 Kinder (5-19 Jahre), davon rund 132.000 Kinder im Alter von 5-9 Jahren, nicht schwimmen. Das berichtet das KFV ( Kuratorium für Verkehrssicherheit)

Bemühungen von Schwimmvereinen oder Sommerschwimmkurse alleine reichen nicht um die entstandenen Rückstände beim Schwimmen lernen aufzuholen, kritisieren Unfallexperten des KFV. Sie fordern verstärkte und unbürokratische Maßnahmen auf allen Ebenen, vor allem auch im Schulsportbereich.

Totalausfall in der Volksschule

Seit einem Jahr lernen Volkschulkinder in der Schule gar nicht mehr schwimmen und auch sonst gingen Kinder aufgrund der Corona-Pandemie deutlich seltener schwimmen als die Jahre zuvor. Viele sogar gar nicht (2021: 32 Prozent, 2019: 14 Prozent) so die Ergebnisse der aktuellen KFV-Schwimmstudie 2021. „Schwimmen ist eine unvergleichbare Überlebenstechnik, deshalb ist es für jedes einzelne Kind ganz besonders wichtig schwimmen zu lernen. Und das braucht Zeit, Übung und auch Erfahrung mit dem Element Wasser“, so Dr. KFV-Direktor Dr. Othmar Thann.

Dem Schwimmunterricht im Rahmen des Schulsportes kommt hierbei eine besonders wichtige Bedeutung zu. So wird normalerweise sichergestellt, dass alle Kinder unabhängig ihrer sozialen Herkunft Zugang zu Schwimmkursen bekommen. „Wenn wir nicht hinnehmen wollen, dass auf Dauer viele Kinder nicht schwimmen können, muss eine ambitionierte und beherzte Aufholjagt auf allen Ebenen begonnen werden. Hier braucht es mitunter innovative Maßnahmen angefangen von Förderungsunterstützungen bis hin zu unbürokratischen Zugängen zu Bädern und Unterstützung der Schulen bei der verstärkten Schulschwimmausbildung im Rahmen des Schulsports“, so Thann.

Lautloses Ertrinken

In Österreich sterben jährlich zwischen 22 und 47 Personen durch Ertrinkungen. Bei tödlichen Kinderunfällen ist Ertrinken die zweithäufigste Todesursache. „Auf jedes Kind, das ertrinkt, kommt statistisch gesehen noch ein Kind dazu, das zwar gerettet wurde, aber mit schweren Gehirnschäden leben muss“, so Thann. Die Studie zeigt, dass derzeit zwischen 7 und 8 Prozent der österreichischen Bevölkerung über 5 Jahren – das sind zwischen 600.000 und 700.000 Personen – nicht schwimmen können. Rund 20 Prozent der Österreicher schätzen ihr Schwimmen als (sehr) unsicher bis mittelmäßig ein. Wie in vielen anderen Bereichen verstärkte die Pandemie auch beim Thema Schwimmen die bereits bestehenden Unterschiede in den Bevölkerungsgruppen. Sozial schwächer gestellte Bevölkerungsgruppen hatten in den vergangenen Monaten am wenigsten Möglichkeiten eine für sie sichere Schwimminfrastruktur zu nutzen.

Anteil verdoppelt: Auch Erwachsene aus der Übung

Wie die KFV-Schwimmstudie auch zeigt, gab es nicht nur bei den Kindern eine große Veränderung bei der Intensität des Schwimmens, sondern auch bei den Erwachsenen: So hat sich der Anteil jener Erwachsener, die im vergangenen Jahr nie schwimmen gegangen sind mehr als verdoppelt.

Schwimmstudie 2021: So schwimmt Österreich (nicht)

Das KFV hat im April und Mai 2021 eine repräsentative Erhebung zur Schwimmkompetenz der Österreicher durchgeführt. Dazu hat das Kuratorium mehr als 2.300 Interviews gemacht.

Die Ergebnisse könne auf der Seite des KFV nachgelesen werden.

Demnach gibt es in Österreich 600-700.000 Nichtschwimmer ab einem Alter von 5 Jahren. Das sind 7 – 8 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Um die Schwimmkompetenz der Bevölkerung zu fördern, wünschen sich die Befragten mehr Bäder und besseren öffentlicher Zugang zu Gewässern in Österreich. Darüber würden mehr und kostenlose Angebote an Schwimmkursen, Frauentage in Schwimmbädern, Kurse für Erwachsene begrüßt.

Sicherheitstipps des KFV

  • Kleinkinder müssen in und in der Nähe von Gewässern immer in unmittelbarer Reichweite beaufsichtigt werden – größere Kinder in Sichtweite.
  • Achten Sie besonders bei Festen mit vielen Erwachsenen darauf, dass immer eine definierte Person für die direkte Beaufsichtigung der Kinder zuständig ist.
  • Auch kleinen Kindern kann man lernen sich beim „in das Wasser schauen“ auf den Bauch zu legen. Dadurch wird das Risiko ungewollt das Gleichgewicht zu verlieren und in das Wasser zu fallen etwas reduziert.
  • Kleiden Sie Kinder in gut sichtbaren Farben (Badekleidung) – im schlimmsten Fall der Fälle können Kinder unter Wasser so schneller aufgefunden werden.
  • Ältere Kinder und auch Erwachsene überschätzen Ihren Schwimmkenntnissen gerne.
  • Sichern Sie Pools/Biotope/Schwimmteiche mit einem Zaun mit einer selbstschließenden Tür. Dadurch wird der direkte Zugang zum Wasser verhindert.
  • Alarmsysteme für Pool oder Gartenteich, die eine größere Bewegung im Wasser melden, bieten zusätzliche Sicherheit, können aber eine Aufsichtsperson nicht ersetzen.
  • Auch Erwachsene Schwimmer können sich körperlich überfordern. Schwimmbojen sind gute Helfer um sich im Falle eines gesundheitlichen Notfalls über Wasser zu halten.

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KFV / Mag. Christian Boukal
Juli 2021

 

Bild: seyomedo/shutterstock.com

 

 

 

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