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Meine Gesundheit

Cluster-Kopfschmerz – Extrem intensive Schmerzattacken

31. März 2021 00:00 Uhr

Cluster-Kopfschmerz ist die vermutlich heftigste Kopfschmerzart, die es gibt.

Die Therapie ist schwierig, in den meisten Fällen aber möglich. Selbstbehandlung dagegen ist unmöglich, man sollte rasch einen Spezialisten aufsuchen.

„Dieser Schmerz ist derart dramatisch, dass sich Betroffene suizidieren, wenn sie keine erfolgreiche Therapie erhalten. Betroffene beschreiben den Schmerz so: Es ist, als wenn ein heißes Eisen durch das Auge ins Gehirn gebohrt wird, wieder rausgezogen wird, wieder reingestoßen wird, und so fort“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl, Leiter der Abteilung für Neurologie am Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz.

Attacken in Episoden

Diese Kopfschmerzattacken erfolgen oftmals in zeitlichen Episoden („Cluster“ bedeutet Gruppierungen). Wie lange und wie oft diese Episoden auftreten, ist individuell verschieden, mehrheitlich dauern sie zwei bis drei Monate und treten zwei bis dreimal pro Jahr auf, gehäuft im Frühjahr und im Herbst. Anschließend an eine Episode sind die meisten Patienten über Monate beschwerdefrei, manche sogar über mehrere Jahre.

Innerhalb einer Episode treten die Schmerzattacken mehrmals täglich auf, meist ein- bis achtmal.

Männer-Schmerz

Betroffen sind nahezu ausschließlich Männer (95 Prozent). Die Erkrankung zeigt sich in der Regel im Erwachsenenalter ab dem zwanzigsten bis vierzigsten Lebensjahr. Im hohen Alter tritt sie nur ganz selten auf. In Österreich sind etwa 8.500 Menschen betroffen. Cluster-Kopfschmerzen dürfen nicht mit Migräne verwechselt werden, die wesentlich häufiger auftritt, von der Intensität aber weniger dramatisch ist.

Auge leidet mit

Die Schmerzen treten einseitig auf, dauern ohne Akuttherapie bis zu drei Stunden und werden von Symptomen wie tränendem, gerötetem, geschwollenem Auge, hängendem Lid, verstopfter oder laufender Nase und verengter Pupille begleitet. Zudem sind die Patienten in dieser Zeit massiv ruhelos. An diese Erkrankung sollte man immer dann denken, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen auch ein Auge und/oder die Nase betroffen ist. Die Schmerzattacken treten gehäuft in der Nacht auf und reißen die Betroffenen aus dem Schlaf.

Chronischer Cluster-Kopfschmerz

Bei den meisten Patienten treten die Schmerzattacken episodisch auf, also in begrenzten Zeiträumen mit längeren Pausen zwischen den Attacken. Etwa jeder zehnte Betroffene leidet jedoch an einer chronischen Form, hier treten die Attacken fast täglich auf. Da die Intensität der Schmerzen in diesen Fällen nicht weniger intensiv ist als bei den episodischen Attacken, sind diese Patienten einer immensen Schmerzbelastung ausgesetzt. Bei der Therapie können ähnliche Mittel wie bei der episodischen Form wirksam sein, die Therapieerfolge sind jedoch geringer.

Ursachen unbekannt

Über die Ursachen dieser Schmerzerkrankung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Gewiss ist nur, dass der fünfte Hirnnerv sowie neuronale Fehlschaltungen eine Rolle spielen.

Bei einem episodisch auftretenden Cluster-Kopfschmerz kennt man einen konkreten Auslöser: Alkohol. Bereits ein einziger Schluck Bier oder Wein kann eine Schmerzattacke auslösen. Dies gilt jedoch nur in der Zeit der Schmerzepisode. Außerhalb davon treten aufgrund von Alkohol keine Attacken auf.

Langer Weg zur Diagnose

Meistens dauert es mehrere Jahre, bis ein Patient die Diagnose Cluster-Kopfschmerz erhält. Gründe für die Verzögerung gibt es mehrere. „Oft versuchen sich Patienten zuerst selbst mithilfe von freizugänglichen Medikamenten aus der Apotheke zu helfen. Wenn sie dann realisieren, dass das überhaupt nichts bringt, gehen viele zum Augenarzt, weil die Augen bei einer Schmerzattacke auch stark betroffen sind. Oder sie gehen vergeblich zu einem Zahnarzt, weil auch dort der Schmerz oft zu spüren ist. Dann besuchen viele den Hausarzt. Der kann oft nichts finden, weil er meist dann aufgesucht wird, wenn gerade keine Episode stattfindet. Oder er vermutet eine Migräne, was aber ganz was anderes ist. Erst wenn irgendwann ein Neurologe oder eine Kopfschmerzambulanz aufgesucht wird, bekommt man meist die richtige Diagnose und Therapie“, sagt Lampl.

Therapiemöglichkeiten

Man unterscheidet Maßnahmen gegen Akutschmerzen und vorbeugende Maßnahmen:

  • Akuttherapie
    In der Akutphase können verschiedene Mittel Dauer und Intensität der Attacken reduzieren:


    -
    Cortison:
       Wird intravenös verabreicht. Die Injektion sollte sofort bei Beginn einer Episode gesetzt werden.


    - Sauerstofftherapie:
       Das Inhalieren von 100-prozentigem Sauerstoff über eine Maske verkürzt
    Attacken deutlich.
      Eine Einschulung ist wichtig, weil es sonst häufig zu
    Anwendungsfehlern kommt.


    - Injektion mit Triptan (Sumatriptan Spritzampullen)


    - Nasensprays wie Zolmitriptan


  • Vorbeugende Therapie
    Naht eine Schmerzepisode, sollte man eine vorbeugende Therapie machen, denn diese kann die Episode verkürzen und abfedern. Wenn ein Patient zum Beispiel jedes Jahr im April eine Cluster-Episode hat, empfiehlt es sich, eine solche Therapie im Februar oder März zu machen. Diese Therapie erfolgt ausschließlich beim Arzt.

    Zur Anwendung kommen der Calciumkanalblocker Verapamil und Kortikoide (Kortison) als Kurzzeitprophylaxe. Infiltrationen mittels Lokalanästhetika und elektrische Stimulation können eine deutliche Erleichterung bringen.

    „Wir verabreichen auch Botox, das hilft auch bei chronischen Fällen am besten, wie eine Studie bestätigt hat“, sagt Lampl.

Erfolgsaussichten

Ob eine Therapiemaßnahme erfolgreich ist, ist sehr individuell. Auch lässt sich nicht generell vorhersagen, welche Therapie im Einzelfall die geeignetste sein wird. „Der Erfolg zeigt sich, je nachdem ob man eine Episode gut abfangen kann. Erst dann sieht man, ob die Medikamente gut greifen. Der periodische Cluster-Kopfschmerz lässt sich in der Regel besser therapieren als der chronische, auch deswegen, weil die Patienten größere Pausen haben, in denen sie sich erholen können“, so Lampl.

Verlauf

Ob eine Erkrankung lebenslang bestehen bleibt, lässt sich nicht generell beantworten. „Manche Patienten erleben eine einzige Periode und dann offenbar nie wieder eine, andere wiederum haben viele Jahre Ruhe und plötzlich tritt der Schmerz doch wieder auf“, erklärt der Neurologe.

Mögliche Maßnahmen der Patienten

Wichtig ist es, sich von Experten (in Kopfschmerzambulanzen etc.) bezüglich der Einnahme von Medikamenten einschulen zu lassen und eine regelmäßige Begleitung durch Spezialisten in Anspruch zu nehmen.

Es gibt eine einzige Maßnahme, die jeder Patient unbedingt beherzigen sollte: Während der Schmerz-Perioden keinen Tropfen Alkohol trinken.

Von Fall zu Fall können auch Lebensstilmaßnahmen (Bewegung, Sport, kein Nikotin, gesunde Ernährung) positiv wirken. Ein jeder muss selbst testen, ob und welche Maßnahme ihm hilft. „Vielleicht hilft das einzelnen Patienten ein wenig, am wichtigsten ist es aber, gleich zu Beginn einer Schmerzepisode zum Hausarzt zu gehen und sich Cortison spritzen lassen. Wenn das nichts nützt, sollte man einen Spezialisten aufsuchen“, rät Lampl.

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Dr. Tomas Hartl
März 2021

Bild: fizkes/shutterstock.com

 

 

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