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Forum Gesundheit

Berufsbedingte Hautkrankheiten – neues Kompetenzzentrum

22. März 2021 00:00 Uhr

Bereits seit 2015 betreibt die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ein Programm zur Prävention und Rehabilitation berufsbedingter Hauterkrankungen.

Die Dermatologische Abteilung des Ordensklinikums Linz Elisabethinen unterstützt dieses Programm in Oberösterreich seit 2018 mit ihrer Kompetenz. Nun entsteht daraus für Oberösterreich in Kooperationspartnerschaft mit der AUVA Landesstelle Linz ein Berufsdermatologisches Zentrum (BDZ).

Damit entsprechen die Partner dem hohen Bedarf an nötigen Maßnahmen zum Schutz vor und zur Behandlung von Hauterkrankungen von Arbeitskräften am Industriestandort Oberösterreich. Denn eine frühzeitige Diagnose bei schweren Hautekzemen verhindert nicht nur den Ausfall von qualifizierten Mitarbeiterinnen, sondern auch einen langen Leidensweg.

In Europa gibt es beruflich bedingt ca. 0,5 bis 1 hautbedingte Neuerkrankungen pro 1.000 Beschäftigten im Jahr. Die Dunkelziffer ist jedoch deutlich höher: Für 1999 wurde sie auf 5 bis 19 Fälle berechnet. Ca. ¼ der gemeldeten Fälle führt zu einem Arbeitsplatzverlust und enormen wirtschaftlichen Folgekosten.

Folgekosten

Besonders schwer ins Gewicht fällt die überdurchschnittlich lange Dauer der hautbedingten Krankenstände. Daten aus Deutschland zeigen volkswirtschaftliche Folgekosten allein durch beruflich bedingte Hauterkrankungen (v.a. durch Produktivitätsausfall) von jährlich ca.1,8 Milliarden Euro. Prävention und weitere Maßnahmen konnten jährlich Einsparungen der deutschen Unfallversicherung zwischen sechs und zehn Millionen Euro erzielt werden.

Lage in Österreich

2019 wurden bei der AUVA in Österreich 2.726 Verdachtsmeldungen einer Berufskrankheit (BK) eingebracht, 1.198 Fälle wurden von der AUVA anerkannt. Das bedeutet eine Steigerung von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon waren 2019 insgesamt 631 Verdachtsfälle der BK 19 zuzuordnen, also Hauterkrankungen (gemäß Nr. 19 auf der Liste der Berufskrankheiten lt. Anlage 1 zum ASVG).

80 Prozent der berufsbedingten Hauterkrankungen kommen aus sieben Berufsgruppen: Friseur-, Metall-, Heil- und Pflege-, Nahrungsmittel-, Bau-, Reinigungs- und Malerberufe. Immer öfter sind junge Arbeitnehmer nach kurzer Expositionszeit davon betroffen. Daher spielt hier eine Zusammenarbeit von Dermatologinnen, Arbeitsmedizinerinnen, Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung und Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle.

 

AUVA Programm „BK 19 – Prävention und Rehabilitation berufsbedingter Hauterkrankungen“

Die AUVA erbringt Leistungen im Zusammenhang mit Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Speziell für Berufskrankheiten verfügt die AUVA über ein österreichweites BK-Kompetenzzentrum in der Rehabilitationsklinik Tobelbad.

Die zweithäufigste Berufskrankheit sind berufsbedingte Hauterkrankungen. Meist handelt es sich bei den Erkrankungen um Handekzeme, hervorgerufen überwiegend durch Feuchtarbeiten. Hochrisikogruppen sind dementsprechend etwa das Friseurhandwerk, die Metall-, Reinigungs- und Pflegebranche sowie die Gastronomie.

Ekzeme, insbesondere wenn sie chronisch werden, bringen für die Betroffenen aber auch für die Unternehmen zahlreiche negative Folgen wie krankheitsbedingte Arbeitsausfälle, Schmerzen, optische Beeinträchtigungen, Arbeitsplatzverlust und Produktionsrückgang.

Um geschädigte Haut zu heilen, bleibende Schäden zu verhindern und den Verbleib im Beruf zu ermöglichen hat die AUVA das Programm BK 19 implementiert.

Ablauf

Nach Meldung des Verdachts auf eine berufsbedingte Hauterkrankung werden aufeinander aufbauende Maßnahmen gesetzt. Im Rahmen der Sekundärprävention gibt es sogenannte „Hautsprechstunden“ inklusive Arbeitsplatzerhebungen, Untersuchungen, Beratung und Therapieempfehlungen. Bestätigt sich die berufliche Ursache der Hauterkrankung wird den Versicherten zu einem eintägigen Intensivseminar mit Schulung, Information und Beratung eingeladen.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, wird ein dreiwöchiges stationäres Heilverfahren in der Abteilung für Berufskrankheiten und Arbeitsmedizin der AUVA Rehabilitationsklinik Tobelbad angeboten. Neben der stationären Rehabilitation erfolgt über dieses Kompetenzzentrum der AUVA auch die österreichweite Koordination des Programms BK 19.

In Oberösterreich wird das Programm BK 19 bereits seit 2018 erfolgreich umgesetzt. Seit Beginn wird „BK 19“ in Kooperation mit dem Team der Dermatologie des Ordensklinikum Linz Elisabethinen zur höchsten Zufriedenheit der betroffenen Versicherten umgesetzt.

Die Partner erwarten sich zahlreiche positiven Auswirkungen des Programms: Gezieltere Meldungen und diagnostische Abklärung, rasche Behandlungsmöglichkeit vor Ort, bessere Chancen auf Verbleib im Beruf, Weiterentwicklung im medizinisch therapeutischen Bereich durch entsprechende Fallzahlen, Erkenntnisse für die Primärprävention der AUVA und den Arbeitnehmerschutz sowie Reduktion wirtschaftlicher Folgekosten für die Unternehmen z.B. durch geringere Fluktuation und Ausfallzeiten.

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Mag. Christian Boukal / Ordensklinikum Linz
März 2021

Bild: Olena Yakobchuk/shutterstock.com

 

 

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