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Meine Gesundheit

Arzt-Patient-Gespräch: Was dem Arzt verschwiegen wird

07. Mai 2021 00:00 Uhr

US-Amerikanische Wissenschaftler analysierten in zwei landesweiten Online-Umfragen, wie viele Befragte dem Arzt etwas medizinisch Relevantes verheimlichten.

Thema war meistens die eigene Meinung zur ärztlichen Entscheidung sowie Verständnisfragen, berichtet das Deutsche Gesundheitsportal.

Typischerweise bezweckten die Heimlichkeiten, um Belehrungen und Vorhaltungen zu entgehen. Offenbar besteht also Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patienten, die schließlich als „Team Gesundheit“ für beste Behandlungsergebnisse eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten sollten.

Ehrlichkeit zählt

Patienten erzählen ihrem Arzt nicht immer alles – selbst wenn ihnen klar ist, dass diese Information medizinisch bedeutsam sein müsste. Aber wie häufig ist dieses heimliche Problem, und was und warum genau verschweigen Patienten etwas? Dies genauer zu verstehen, wäre wichtig für eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten – und könnte verhindern, dass beispielsweise Dinge untersucht werden, die gar nicht relevant sind, oder Behandlungen begonnen werden, die eigentlich für den Heilungsprozess nicht nötig und daher eventuell sogar eher schädlich sein könnten. Um die verschwiegenen Themen und die Häufigkeit solcher Verheimlichungen zu ermitteln, analysierten amerikanische Wissenschaftler zwei nationale online durchgeführte Umfragen. Eine (MTurk) wurde im März 2015 mit 2096 Teilnehmern über zwei Wochen durchgeführt, die zweite Umfrage fand im November 2015 mithilfe einer auf Umfragen spezialisierten Firma (SSI) mit 3011 Teilnehmern statt.

Fragenkatalog

Die Umfrage bestand aus sieben Fragen zu möglichen Themen, die ein Patient verschweigen könnte. Dazu gehörte, dass die Instruktionen des Arztes (oder Arzthelfers) nicht verstanden wurden oder der Patient nicht mit den Empfehlungen des Arztes einverstanden war. Auch Lebensstilthemen (kein regelmäßiger Sport, ungesunde Ernährung) oder gezieltes Verschweigen eines eingenommenen Mittels konnten genannt werden. Schließlich stand auch die Nichtbefolgung der Anweisungen oder sogar die Einnahme von Medikamenten anderer Patienten zur Auswahl. Wurde eine Frage bejaht, wurde der Teilnehmer anschließend dazu befragt, welche möglichen Gründe es für das Verschweigen gab. Bei Themen wie ungesundem Lebensstil beispielsweise stand unter anderem zur Auswahl, dass man keine belehrenden Vorträge hören wollte. Andere mögliche Gründe waren, dass man nicht wusste, dass das verschwiegene Thema wichtig war, dass man keinen schlechten Eindruck hinterlassen wollte, oder dachte, dass der Arzt dabei sowieso nicht helfen könnte, oder dass man kein „schwieriger“ Patient sein wollte. Ebenso standen Argumente wie Datenschutz (niemand aus der Familie sollte es erfahren) und Scham (es war peinlich) zur Auswahl.

Wie häufig und was Patienten ihrem Arzt verschweigen

Insgesamt wurden die Daten von 4510 Teilnehmern aufgenommen. Von 2096 Teilnehmern der MTurk-Umfrage beantworteten 96 Prozent alle Fragen und 2011 Datensätze konnten analysiert werden. Von 3011 Teilnehmern der SSI-Umfrage beantworteten 89,2 Prozent alle Fragen, 2499 Datensätze konnten schließlich analysiert werden. Im Mittel waren die Teilnehmer der MTurk-Umfrage 36 Jahre alt, die der SSI-Umfrage waren durchschnittlich 61 Jahre alt. Ein großer Teil der Befragten gab an, schon einmal dem Arzt eine Information vorenthalten zu haben: 81 Prozent der jüngeren MTurk-Teilnehmer und 61 Prozent der älteren SSI-Teilnehmer gaben an, wenigstens einmal etwas verschwiegen zu haben.

Besonders verschwiegen die Teilnehmer ihrem Arzt, wenn sie anderer Meinung waren: gut 45 Prozent der jüngeren Befragten (MTurk) und 31 Prozent der älteren Befragten (SSI-Umfrage) gaben dies zu. Ebenfalls häufig verschwiegen die Befragten, wenn sie die Anweisungen des Arztes nicht verstanden hatten: etwa jeder dritte jüngere Teilnehmer und jeder vierte ältere Teilnehmer gaben an, dass sie die Instruktionen des Arztes nicht verstanden und ihm das nicht mitgeteilt hätten. Ein beachtlicher Teil der Patienten könnte also aus der Praxis gehen, ohne zu wissen, was sie genau tun sollen.

Häufig verschwiegen Patienten, wenn sie Anweisungen nicht verstanden

Aber weshalb wollten die Patienten Verständnislücken oder ihre abweichende Meinung nicht mitteilen? Die häufigsten Gründe waren ehe schulmeisterlicher Art: Die Teilnehmer wollten häufig nicht geringgeschätzt oder belehrt werden. Auch wollten sie keine Vorträge über ungesundes Verhalten hören. Manche der verschwiegenen Themen waren den Befragten auch schlicht peinlich oder unangenehm. In beiden Umfragen verheimlichten besonders Frauen, jüngere Menschen und Befragte, die ihre Gesundheit im Gesamtvergleich als eher schlechter einschätzten, etwas ihrem Arzt.

Furcht vor Belehrung und peinlichen Situationen

Zusammengefasst hatten also sehr viele Befragte ihrem Arzt schon einmal etwas verheimlicht. Meistens ging es dabei um ihre Meinung zu einer ärztlichen Entscheidung, oder um nichtverstandene Instruktionen. Typischerweise ging es den Menschen dabei vor allem um das Gefühl, geringgeschätzt zu werden – eine schulmeisterliche Reaktion des Arztes, Belehrungen und Vorhaltungen, sollten also vermieden werden. Mögliche Konsequenzen solcher Verheimlichungen sind allerdings Fehlbehandlungen (weil dem Arzt wichtige Information fehlt) und schlechte Adhärenz, also beispielsweise, dass Medikamente nicht wie angewiesen eingenommen werden. Dies kann z. B. die Wirksamkeit der Mittel stark reduzieren (seltenere Einnahme), zu stärkeren Nebenwirkungen führen (zu häufige Einnahme) und so den Heilungsprozess deutlich erschweren. Schwerwiegend dabei ist, dass das Problem in den Umfragen besonders kränkere Patienten betraf. Offenbar besteht also Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patienten, die schließlich als „Team Gesundheit“ für beste Behandlungsergebnisse eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten sollten.

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Mag. Christian Boukal / DeutschesGesundheitsPortal.de
Mai 2021

Bild: Lisa-S/shutterstock.com

 

 

 

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