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Forum Gesundheit

Aktuelle Vergiftungsrisiken – Was tun?

16. Dezember 2020 00:00 Uhr

Verstärkte Hygienemaßnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil der Prävention von Coronavirus-Infektionen.

Dazu gehört neben gründlichem Händewaschen auch der vermehrte Gebrauch von Desinfektionsmitteln. Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) rät zu achtsamen Umgang und sorgsamer Verwahrung – denn was uns schützen soll, kann vor allem für Kleinkinder zur möglichen Gefahrenquelle werden.

War das Thema Desinfektion vor Beginn der CoViD-19 Krise vor allem für Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäusern ein Thema, ist es inzwischen omnipräsent. Chemische Mittel zur Desinfektion haben auch in privaten Haushalten Einzug gehalten. Oft liegen sie als Handdesinfektionsmitteln in Handtasche, Auto, Badezimmer oder Kinderwagen griffbereit – und sind damit auch für Kinder leicht zugänglich.

Mehr Anrufe in der Vergiftungsinformationszentrale

Eine deutlich gestiegene Zahl von Anfragen zum Thema ging im aktuellen Jahr in der Vergiftungsinformationszentrale ein. Von Jänner bis August 2020 wurden rund 285 Anfragen zu Hand- und Flächendesinfektionsmitteln registriert –mehr als viermal so viel wie Vorjahr (Vergleichszeitraum 2019: 68 Anrufe). In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle erfolgte der Kontakt mit der Substanz unbeabsichtigt (93 Prozent) und im privaten Wohnbereich (80 Prozent). 48 Prozent der Betroffenen waren Kinder. „Mit Desinfektionsmitteln hat in vielen Haushalten nicht nur eine neue Substanz Einzug gehalten, die Menschen und vor allem die Kinder haben auch mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht. In Kombination mit kindlicher Neugier kann es hier schnell zu gefährlichen Situationen kommen“, so Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. „Zu den gefährlichen Produkten für Kinder zählen im Haushalt frei zugängliche Medikamente und ätzende Reinigungsmittel, wie zum Beispiel manche Backofenreiniger. Aber auch Desinfektionsmittel gehören natürlich kindersicher aufbewahrt“, betont DDr. Dieter Genser, Leiter der Vergiftungsinformationszentrale. Laut Spitalsentlassungsstatistik müssen jährlich in Österreich rund 800 Kinder unter 15 Jahren nach einem Vergiftungsunfall stationär im Krankenhaus behandelt werden. 46 Prozent davon sind Kleinkinder unter fünf Jahren.

Appell an Haushalte mit Kindern

Das KFV und die Vergiftungsinformationszentrale appellieren an alle Haushalte, Desinfektionsmittel ebenso wie Medikamente, Reinigungs- oder Waschmittel außerhalb der Sicht- und Reichweite von Kindern aufzubewahren. Diese Vorsichtsmaßnahmen sollten auch in anderen Haushalten überprüft werden, in denen sich das Kind aufhält – beispielswiese bei den Großeltern oder bei der Tagesmutter. Sollte ein Kind trotz aller Vorsichtmaßnahmen etwas potenziell Giftiges verschluckt haben, Ruhe bewahren und schnellstmöglich die Vergiftungsinformationszentrale (0043 1 406 43 43) oder die Rettung (Notruf 144) kontaktieren, um die Gefährdung abzuschätzen.

Was tun bei Vergiftungsverdacht?

Die Vergiftungsinformationszentrale bietet bei Vergiftungsverdacht unter 0043 1 406 43 43 telefonische Beratung rund um die Uhr an. Zur individuellen Beratung sind die folgenden Informationen wichtig:

  • Was: Möglichst genaue Bezeichnung der Substanz bezeihungsweise des Produkts etc.
  • Wie viel: Möglichst genaue Mengenangabe
  • Wer: Alter, Gewicht, Geschlecht und Zustand der betroffenen Person(en)
  • Wann: Zeitpunkt des Geschehens
  • Wo: Ort des Geschehens
  • Wie: Verschlucken, Einatmen, Hautkontakt etc.
  • Warum: Versehentlich oder absichtlich

Sicherheitstipps zum Umgang mit Haushaltschemikalien

  • Vor dem Gebrauch die auf dem Etikett angegebenen Produktinformationen sowie Sicherheitshinweise lesen.
  • Zum privaten Gebrauch sollten ausschließlich Haushaltschemikalien zum Einsatz kommen – Industriechemikalien sind zum Gebrauch in Privathaushalten nicht geeignet.
  • Produkte, die mit Warnsymbolen (Gefahrenpiktogramme), auf eine Gesundheitsgefährdung hinweisen, schon beim Kauf besonders kritisch prüfen.
  • Desinfektionsmittel sollten – ebenso wie alle anderen Haushaltschemikalien – immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.
  • Flächendesinfektionsmittel nicht zur Desinfektion der Hände einsetzen – es besteht Verätzungsgefahr.
  • Haushaltschemikalien sollten stets im Originalbehältnis aufbewahrt und nicht in andere Behältnisse umgefüllt werden – das erhöht die Verwechslungsgefahr.
  • Die Welt mit Kinderaugen sehen: Sich in die Situation eines Kindes zu versetzen kann dabei helfen, potenzielle Gefahrenquellen im Haushalt zu identifizieren und zu beseitigen.

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Mag. Christian Boukal / KFV
Dezember 2020

Bild: Volurol/shutterstock.com

 

 

 

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