Lade Inhalte...

Gesundheit

"Einem Baby das Leben retten zu können, ist toll"

Von Ulrike Griessl 18. Oktober 2019 00:04 Uhr

"Einem Baby das Leben retten zu können, ist toll"
Tobias Haas mit Mitarbeitern und Patienten im Kongo

Ärzte ohne Grenzen: Von dramatischen Erlebnissen im Kongo erzählt ein 33-jähriger Krankenpfleger

Wie viele Leben der gebürtige Oberösterreicher Tobias Haas von Mitte März bis Mitte August dieses Jahres als Krankenpfleger im Kongo retten konnte, kann er nicht sagen. "Gemeinsam mit meinem Team habe ich in diesen sechs Monaten etwa 18.000 Menschen gegen Malaria behandelt, viele Frauen mit Risikoschwangerschaften bis zur Entbindung begleitet und unzählige mangelernährte Kinder mit Nahrung versorgt", erzählt der 33-Jährige. "Am schönsten sind die Momente gewesen, in denen es gelungen ist, Neugeborene, die dem Tode geweiht waren, ins Leben zurückzuholen."

Für den jungen Mann gibt es keine sinnvollere Arbeit, als Menschen in armen Ländern mit Wissen und Tatkraft zu helfen. "Obwohl ich erst seit wenigen Wochen wieder zu Hause bin, freue ich mich schon auf meinen nächsten Einsatz", gesteht Haas. Derzeit richtet der diplomierte Krankenpfleger aus Zell am Pettenfirst zwar seine neue Wohnung in Wien ein, doch wie lange er diese nutzen wird, weiß er nicht. "Ich hoffe, schon im Dezember wieder im Einsatz zu sein", sagt er.

Die sechs Monate im Kongo haben Haas stark geprägt, wie er erzählt: "Die Menschen haben dort mit vielen Problemen zu kämpfen, die bei uns kein Thema sind. Tagtäglich sterben Kongolesen an Masern und anderen Infektionskrankheiten, Kinder sind wegen Mangelernährung in Lebensgefahr und Schwangere verlieren sehr oft ihre Babys." Zu all dem sei der Alltag im Kongo von Gewalt geprägt und in einigen Teilen des Landes wüte auch noch Ebola. "Ich habe gesehen, wie sehr die Bevölkerung im Kongo auf Hilfe angewiesen ist." Würde "Ärzte ohne Grenzen" nicht tonnenweise Spezialnahrung an notleidende Familien verteilen, gäbe es für viele Mädchen und Buben keine Zukunft. "25 Euro kostet eine vierwöchige Ration der lebensrettenden Paste aus Erdnüssen, Milch, Zucker und Salz, mit der einem Kind das Leben gerettet werden kann – eine unerschwingliche Summe für die meisten Kongolesen", sagt Haas. Doch Magelernährung sei bei Weitem nicht das einzige Problem im Kongo. Auch Malaria sei für Kinder und Schwangere oft das Todesurteil. "Die Menschen mit Medikamenten zu versorgen und ihnen die Symptome dieser Krankheit zu erklären, sodass sie sich frühzeitig Hilfe holen können, ist extrem wichtig", erläutert der Krankenpfleger. Aufklärung und rechtzeitige medizinische Hilfe seien auch bei Schwangerschaften oft lebensrettend. Ein besonders häufig auftretendes Problem seien zum Beispiel einfache Blasenentzündungen, die unbehandelt für Mütter und Babys fatal enden könnten.

Deprimierende Erkenntnis

"So schön es ist, Menschen in schwierigen Situationen helfen zu können, so deprimierend ist es aber auch, zu erkennen, dass man manchmal zu spät kommt und dass sich die Grundsituation im Land nicht so rasch ändern wird. Armut, Fehlernährung und tödliche Krankheiten sind kaum zu stoppen", bedauert Haas.

Umso wichtiger sei es, nicht aufzugeben und sich weiter einzusetzen. Aus diesem Grund stellt der Krankenpfleger die Familiengründung und ein höheres Gehalt in Österreich vorerst hinten an, und kann es kaum erwarten, wieder für Ärzte ohne Grenzen unterwegs zu sein.

Artikel von

Ulrike Griessl

Redakteurin Leben und Gesundheit

Ulrike Griessl
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Gesundheit

0  Kommentare expand_more 0  Kommentare expand_less