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Gesundheit

Die schlimmen Diagnosen des Dr. Google

Von Dr. Johannes Neuhofer   27. Juni 2020 00:04 Uhr

Dr. Johannes Neuhofer
Dr. Johannes Neuhofer

Seit Tagen fühle ich mich müde, abgeschlagen und lustlos. In eine Praxis oder ein Spital zu gehen, traue ich mich derzeit nicht. Laut Google könnte ich sogar an Blutkrebs erkrankt sein. Was soll ich tun?

Schwankungen des Wohlbefindens gehören zum Leben. Wenn man sich einige Tage schlechter fühlt, ist das kein Grund, gleich an schwere Krankheiten zu denken. Wer immer gleich das Schlimmste annimmt, kann auch dadurch seinen Gesundheitszustand beeinflussen.

Laut einer aktuellen Studie befragen 48 Prozent aller Menschen "Dr. Google", bevor sie sich an einen echten Arzt wenden. Viele Patienten, die ich in meiner Ordination täglich erlebe, gehen dann von einer viel schlimmeren Diagnose aus als von jener, die ich dann persönlich in der Praxis stelle.

Ja, natürlich ist man auch bei einer Leukämie abgeschlagen, müde und lustlos – aber nur in ganz seltenen Fällen hat jemand, der sich ein paar Tage schlecht fühlt, so eine schwerwiegende Erkrankung.

Ich rate Ihnen daher: Bitte gehen Sie zum Arzt Ihres Vertrauens, die Ansteckungsgefahr ist verschwindend. Sollten Sie das trotzdem ablehnen, nützen Sie doch die neuen telemedizinischen Möglichkeiten: Dabei werden Sie von einem echten Arzt beraten und nicht von anonymen Abhandlungen im Netz. Diese sind nämlich häufig mit gefährlichen Empfehlungen verbunden, wie ich das gerade in meiner Praxis erlebt habe: Ein Mädchen wollte ihre Muttermale auf ihrem Bauch entfernt haben. Die verrückte Empfehlung aus dem Netz war, sie sollte eine spezielle Mischung zusammenrühren und auf die Muttermale geben. Darüber ein Pflaster, nach drei Tagen wären diese weg und damit auch die Gefahr, ein Melanom zu entwickeln. Ich bekam dann mehrere münzgroße Narben zu sehen, und die Muttermale prangten unbeeindruckt von der Prozedur in deren Mitte.

Fazit: Holen Sie sich ruhig Infos aus dem Netz, durchaus auch von Dr. Google. Aber nur dann, wenn Sie über eine stabile Psyche verfügen. Konfrontieren Sie bitte auch Ihren Arzt mit diesen Infos und therapieren Sie sich niemals selbst. Denn Information ist nicht dasselbe wie echtes Wissen, das sich ein Arzt über seine jahrelange Tätigkeit angeeignet hat.

Haben Sie Fragen zum Thema Gesundheit?

Schreiben Sie OÖN-Doktor Johannes Neuhofer (Dermatologe), der diese Kolumne mit einem Ärzteteam betreut: Clemens Steinwender (Kardiologe), Reinhold Függer (Chirurg), Rainer Schöfl (Gastroenterologe), Josef Hochreiter (Orthopäde), Werner Schöny (Psychiater) .

E-Mail: doktor@nachrichten.at

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