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Gesundheit

Der Wald ist Arzt und Alleskönner

Von Barbara Rohrhofer  08. Juli 2020 12:34 Uhr

Waldspaziergänge wirken wie ein kurzer Urlaub
Ideal für die Erholung von Körper und Geist: Ein Waldspaziergang

Wer es selbst macht, weiß es ohnehin längst. Ein kurzer Spaziergang im Wald kann Stress deutlich reduzieren. Das bestätigt auch eine Studie der US-amerikanischen Universität Michigan.

Demnach genügen 20 Minuten täglich im Grünen, um das Level an Stresshormonen merklich zu vermindern. Die Forscher sprechen von einer "Naturpille".

Diese Erkenntnis reiht sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die die positiven Effekte eines Aufenthalts in der Natur oder speziell eines Waldspaziergangs belegen. So stellte der schwedische Forscher Roger Ulrich schon 1984 fest, dass sich allein der Anblick von Bäumen positiv auswirkt: Patienten, die nach einer Operation aus dem Krankenhausfenster auf Grün schauten, benötigten weniger Schmerzmittel und wurden schneller gesund.

2015 ergänzte der US-amerikanische Umweltpsychologe Marc Berman, dass die Anzahl von Bäumen in einer Wohngegend die Gesundheit der Bewohner beeinflusst. Wer in grüneren Gebieten wohnte, litt seltener an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Zuvor hatte eine japanische Studie ergeben, dass regelmäßige und ausgedehnte Waldspaziergänge die Zahl der natürlichen Killerzellen, eine Untergruppe der weißen Blutzellen und Teil des menschlichen Immunsystems, erhöhte.

In Japan ist das "Shinrin-yoku", also das "Baden im Wald", ein Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung, "Waldmedizin" ist seit 2012 ein eigener Forschungszweig an japanischen Universitäten. Hier wird auch erforscht, welche Faktoren genau den positiven gesundheitlichen Effekte ermöglichen.

Es liegt was in der Waldluft

Ein Waldspaziergang fühlt sich also nicht nur erholsam an, er wirkt tatsächlich auf die Gesundheit: Der Blutdruck sinkt, Lungenkapazität und Elastizität der Arterien nehmen zu. Es liegt nämlich etwas in der Waldluft, das die Stimmung hebt und sogar vor Krankheiten schützen kann. Im Vergleich zur Stadt ist die Luft zwischen den Bäumen zwar um 99 Prozent weniger mit Staubteilchen belastet, aber das ist nicht der Grund. Es liegt an den Terpenen. Das sind Stoffe, die Pflanzen absondern, um untereinander Botschaften auszutauschen – mit dem Ziel, Schädlinge, Pilze und Bakterien abzuwehren. In der Natur gibt es rund 8000 verschiedene. Beim Waldspaziergang nehmen wir sie über die Atmung oder die Haut auf.

Japanische Mediziner konnten nachweisen, dass die Zahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen im Blut schon nach einem Tag im Wald beachtlich ansteigt. Auch österreichische Wissenschafter wie der Grazer Physiologe Maximilian Moser forschen zu diesem Thema und haben schon einige Bücher veröffentlicht.

Moser betrachtet in seinem aktuellen Werk "Kerngesund" den Wald aus ganzheitlicher Sicht. Die Themenvielfalt reicht von der gesunden Ernährung bis zum sozialen Zusammenhalt. "Wenn wir Waldspaziergänge mit der Familie oder in einer Gruppe durchführen, in der wir uns wohlfühlen, so wird die soziale Bindung verstärkt und wir spüren im gemeinsamen Erleben der Natur die gegenseitige Unterstützung und das Miteinander, das sich als ungemein gesundheitsfördernd und resilienzbildend erwiesen hat", sagt der Wald-Forscher. "Und schließlich können wir in ganz besonderer Weise das Gefühl der Dankbarkeit entwickeln, wenn wir so mächtigen Wesen wie den Bäumen gegenübersehen, die dazu beitragen, uns Atemluft, Wasserreinigung, Holz, Nahrungsmittel, ätherische Öle und andere Dinge zur Verfügung stellen, die unser Leben ermöglichen oder zumindest angenehmer machen."

Buchtipps rund um den Wald

  • Maximilian Moser: Kerngesund mit der Kraft des Waldes
    In seinem neuen Buch kombiniert der Grazer Physiologe Maximilian Moser neueste Forschungsergebnisse und überliefertes Wissen und stellt dabei den Wald als ideales Gesundheits- und Erholungsprogramm in den Mittelpunkt. (Verlag-Servus, 191 Seiten, 20,56 Euro)
  • Bernadette Wörndl: „Waldkochbuch“
    Schon als Kind war die österreichische Autorin Bernadette Wörndl von den vielen Pflanzen und Beeren fasziniert, die sie im Wald entdeckt hat. Im Waldkochbuch zaubert sie aus Pilzen, Kräutern und Blüten einzigartige Rezepte. (Hölker-Verlag, 184 Seiten, 32,90 Euro)
  • Sigrid Sonberg: „Befreie Deine Wildnatur“
    Mit einfachen Übungen wie „Waldschwimmen“, Vitalfeld-Atmung, Natur-Impuls-Walk oder Moment-Ritualen zeigt die Grazer Autorin Sigrid Sonnberg außergewöhnliche Möglichkeiten auf, die eigene Naturkraft mit allen Sinnen zu erspüren. (Freya-Verlag, 224 Seiten, 19,90 Euro)

Artikel von

Barbara Rohrhofer

Leiterin Redaktion Leben und Gesundheit

Barbara Rohrhofer
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