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Gesundheit

Blaue Flecken als Alarmsignal

Von Dietlind Hebestreit 23. Oktober 2019 00:04 Uhr

Blaue Flecken als Alarmsignal
Eine Untersuchung des Blutes ermöglicht es, die Anzahl der Thrombozyten zu messen.

Wenn man wo anstößt, sind blaue Flecken normal. Doch treten diese spontan zusammen mit Nasen- oder Zahnfleischbluten auf, können sie auf die seltene Krankheit ITP hinweisen.

Jeder kennt das: Man stößt sich an einer Türklinke oder einer Kante. Das Ergebnis ist ein blauer Fleck. Sichtbar wird er, weil sich Blut aus den Gefäßen im Körpergewebe sammelt. Das Hämatom verfärbt sich mit der Zeit violett, grün und gelb und ist meist nach ein paar Tagen wieder verschwunden.

Blaue Flecken und Blutungen

Treten blaue Flecken jedoch auf, ohne dass man sich gestoßen hat – vielleicht nicht nur an Armen und Beinen, sondern auch am restlichen Körper – so sollte man achtsam sein. Vor allem, wenn die Hautverfärbungen gemeinsam mit Nasen- oder Zahnfleischbluten oder einer ungewöhnlich starken Regelblutung auftreten. Denn das können Symptome für die sogenannte Immunthrombozytopenie (ITP) sein. Typisch dafür sind auch sogenannte Petechien, das sind kleine, punktförmige Hauteinblutungen – meist findet man diese an den Unterschenkeln.

Die seltene Autoimmunerkrankung wird österreichweit 160 bis 240 Mal pro Jahr neu diagnostiziert. "Körpereigene Abwehrstoffe richten sich gegen die Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt. Diese werden in der Milz abgebaut", erklärt Univ.-Prof. Ingrid Pabinger-Fasching von der Medizinischen Universität Wien. Normal sind mehr als 150.000 Blutplättchen pro Mikroliter (µl) Blut. Mehr als 30.000 sollten es sein, damit keine schweren Blutungen auftreten.

Denn bei einem Thrombozyten-Mangel können im schlimmsten Fall auch Blutungen im Darm und lebensbedrohliche Gehirnblutungen auftreten. "Dies ist aber sehr, sehr selten", so die ITP-Spezialistin. Die Ursachen für die Autoimmunerkrankung sind nicht bis ins letzte Detail geklärt. Patienten berichten aber oft, dass sie vorher unter einer Infektion gelitten haben, die für die Störung des Immunsystems verantwortlich sein dürfte. Die gute Nachricht ist, dass dieses Leiden oft spontan wieder verschwindet – bei Kindern besonders oft, nämlich in 80 Prozent der Fälle.

"Die Therapie muss von Fall zu Fall individuell abgestimmt werden. Wichtiger als die Thrombozyten-Zahl ist meist die Schwere der Blutungen", sagt Pabinger-Fasching. Im Akutfall können Immunglobuline die Zahl der Blutplättchen normalisieren. Auch mit Kortison und sogenannten Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten werden oft gute Ergebnisse erzielt. Wenn die Krankheit länger andauert, kann der Arzt in Absprache mit dem Patienten auch die Entfernung der Milz befürworten.

In seltenen Fällen kann eine Entnahme von Knochenmark, wo die Blutplättchen ja gebildet werden, sinnvoll sein – etwa um andere Erkrankungen auszuschließen. Für die Behandlung gilt: "Wir achten immer darauf, dass die Nebenwirkungen der Therapie nicht größer sind als der Schaden, den die Krankheit anrichtet", erklärt die Professorin. ITP kann manchmal auch als Begleiterkrankung zu anderen Autoimmunerkrankungen auftreten.

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